Patrick Dahlemann
Sehr geehrte Frau Kollegin Hoffmeister, viele Landtagsabgeordnete waren in diesen Tagen in der schönen Landeshauptstadt Schwerin unterwegs, ob abends mit 200.000 Menschen (Heiterkeit bei Katy Hoffmeister, CDU) vorm wunderschön angestrahlten Schweriner Schloss, ob in den Foren, in den Zukunftsforen oder alle (Sebastian Ehlers, CDU: Der Landtag ist nicht eingeladen.) in diesem Haus vertretenen Fraktionen bei der Einladung zum zentralen Festakt. Alle Fraktionen, der Landtag, das Landtagspräsidiums waren am 3. Oktober vertreten und haben ein würdiges Format erlebt, wo ganz Deutschland auf uns geguckt hat und wir eine hervorragende Visitenkarte abgegeben haben. Die Schweriner waren stolz auf diesen Tag, (Die Abgeordnete Katy Hoffmeister spricht bei abgeschaltetem Saalmikrofon. – Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) und alle, die dabei waren, übrigens auch. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke) Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin Jahrgang 1988 und in Pasewalk geboren. Meine Frau ist Baden-Württembergerin, meine Tochter ist heute viereinhalb Jahre und ich sage Ihnen, für mich ist es nicht selbstverständlich, dass wir eine solche Familienbiografie haben. Wir haben nach wie vor Unterschiedlichkeiten in Deutschland und wir haben Themen, die wir unterschiedlich betrachten. Bei allem Respekt, wenn ich mit meinem Schwiegervater über die Frage spreche, wie gelungen ist die Einheit und wie sehr sind wir eigentlich zu gleichwertigen Lebensverhältnissen gekommen, dann kommen wir zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Wenn er sich über den schlecht ausgebauten ÖPNV aufregt, dann ist es die S-Bahn, die nicht mehr im 5-Minuten-Takt von Herrenberg nach Stuttgart fährt, während wir darum kämpfen, dass ein Rufbus-System in ganz Mecklenburg-Vorpommern allen Bürgerinnen und Bürgern die gleiche Chance gibt. Aber diese Unterschiedlichkeit und diese Regionsperspektiven, die wir einbringen, sind das, was unser Land so reich macht. Dass meine Tochter heute im Selbstverständnis eines friedlichen, eines wiedervereinten, eines modernen und eines starken Deutschlands aufwächst, ist für mich der größte Glücksfall. Und deswegen mein Appell zum Schluss in dieser Runde, weil das Instrument der namentlichen Abstimmung gewählt wurde, Frau Hoffmeister, meine große Bitte ist, bitte lassen Sie den größten Glücksfall in der deutschen Geschichte (Sebastian Ehlers, CDU: Sehr richtig!) nicht zu einem parteipolitischen Kleinklein in diesem Parlament verkommen! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und Die Linke – Zuruf von Ann Christin von Allwörden, CDU) Das ist eines 3. Oktobers nicht angemessen. Und deswegen wäre es klug, wenn Sie an dieser Stelle den Antrag zurückziehen (Heiterkeit und Unruhe vonseiten der Fraktion der CDU) und wir noch einmal darüber nachdenken, wie man das Ganze würdigen kann. Sie wollen den Eindruck erwecken, dieses Datum würde in Mecklenburg-Vorpommern (Glocke der Vizepräsidentin) nicht gewürdigt. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Das ist ein falscher Eindruck, und das wissen die Menschen in diesem Land ganz genau. Und deswegen muss er an dieser Stelle auch abgelehnt werden. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und Die Linke – Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU)
