Dr. Harald Terpe
Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Mit dem Gesetzentwurf zur Erweiterung des Biosphärenreservats Südost-Rügen gehen wir einen wichtigen Schritt für den Schutz einer einzigartigen Landschaft. Die Aufnahme der Gemeinde Zirkow und zusätzlicher Flächen in die Kernzone stärkt den Natur- und Artenschutz und kommt den Forderungen der UNESCO nach, die bei ihren Evaluierungen wiederholt auf Defizite hingewiesen hat. Als bündnisgrüne Fraktion begrüßen wir diesen Schritt ausdrücklich. Doch bei aller Zustimmung müssen wir feststellen, dass mit der Erweiterung das Ziel eines schlüssigen und zukunftsfähigen Biosphärenreservats noch nicht erreicht ist. Es fehlen weiterhin Flächen, um die UNESCO-Mindestanforderungen vollständig zu erfüllen, darunter die DBU-Flächen bei Prora oder Gebiete auf der Halbinsel Zudar. Hier erwarten wir von der Landesregierung einen klaren Fahrplan für die nächsten Jahre, damit aus einem wichtigen Signal ein tatsächlicher Durchbruch für den Schutz und die nachhaltige Entwicklung Südost-Rügens wird. Dabei wird entscheidend sein, die Menschen vor Ort mitzunehmen. Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus müssen als Partner gewonnen werden, wenn wir das Biosphärenreservat als Modellregion für nachhaltige Entwicklung stärken wollen. Das bedeutet mehr Unterstützung für regionale Wertschöpfungsketten, sanfte Mobilität und Umweltbildung. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Nur so wird das Prädikat „Biosphärenreservat“ auch von den Menschen getragen, die hier leben und arbeiten. Ein weiterer Punkt ist die Abgrenzung der Windeignungsgebiete. Uns ist aufgefallen, dass ein Teil des Windeignungsgebietes 25/2024 auf dem Gemeindegebiet Zirkow liegt, also in einem Bereich, der mit der Erweiterung des Biosphärenreservats aufgenommen wird. Windeignungsgebiete vertragen sich jedoch nicht mit den Schutzzielen eines Biosphärenreservats, weil dort die Errichtung von Windkraftanlagen grundsätzlich ausgeschlossen wird. Wir fordern daher, dass derartige Überschneidungen vermieden werden. (Zuruf von Thore Stein, AfD) Ein weiteres Thema, das die Entwicklung der Region betrifft, ist der Bau des LNG-Terminals in Mukran. Wir haben dieses Vorhaben auf Landesebene stets kritisch gesehen und die möglichen Auswirkungen auf die sensiblen Küstenökosysteme betont. Gleichzeitig tragen wir als Bündnisgrüne auf Bundesebene Mitverantwortung für den energiepolitischen Kurs in einer Zeit, in der Versorgungssicherheit höchste Priorität hatte. Umso wichtiger ist es jetzt, dass die Landesregierung alles daransetzt, mögliche Beeinträchtigungen des Reservats und der angrenzenden Schutzgebiete zu minimieren, etwa durch strenges Monitoring und einen besseren Schutz der Meereslebensräume. Für die Erweiterung des Biosphärenreservats Südost-Rügen braucht es verbindliche Perspektiven für die Gebietsentwicklung und den politischen Willen, Natur- und Klimaschutz konsequent mit den Bedürfnissen der Menschen vor Ort zu verbinden. Nur so wird Südost-Rügen das bleiben, was es sein soll: ein Leuchtturm des Naturschutzes und ein Modell für nachhaltige Regionalentwicklung. Wir stimmen zu. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
