Dr. Harald Terpe
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag der AfD, den Kormoran per Drohne und mit Öl bekämpfen zu wollen, ist ein weiteres Beispiel für das Verständnis der AfD, das auf einfache Feindbilder setzt statt auf Verständnis für komplexe ökologische Zusammenhänge. (Beifall Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE, und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sie zeichnen erneut (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) das Bild des Kormorans als skrupellosen Fischräuber, (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) als sei er allein verantwortlich für die Herausforderungen, vor denen unsere Binnenfischerei steht. Dabei verschweigen Sie ganz bewusst, was wissenschaftlich längst klar ist: Die Ursachen für den Rückgang der Fischbestände in unseren Gewässern sind vielfältig und auch partiell menschengemacht. Überdüngung, Klimawandel, mangelnde Durchlässigkeit der Gewässer, Übernutzung von Ökosystemen, invasive Arten, verschlechterte Laichbedingungen – das sind die Herausforderungen. Aber mit diesen Ursachen setzt sich der Antrag nicht auseinander. (Beifall Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE, und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Warum? Weil sie sich nicht so schön zum Ausschlachten eignen wie ein schwarzer Vogel mit ausgebreiteten Flügeln. Und dann greifen Sie zu einer Maßnahme, die nicht nur zweifelhaft ist, sondern nachweislich auch wirkungslos ist: das Einölen von Eiern. Diese Methode wurde – das verschweigen Sie in Ihrem Antrag – bereits hierzulande erprobt. Die Landesforschungsanstalt hat sich damit beschäftigt, und das Ergebnis war eindeutig, die Methode ist weder praktikabel noch zielführend. Selbst im kleinräumigen Versuch war der Aufwand hoch und der Erfolg gering. Und jetzt soll das flächendeckend mit Drohnen passieren. Wie das überwacht werden soll, wie der Tierschutz gewährleistet werden soll, (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Das ist Ihre größte Sorge.) insbesondere auch vor dem Hintergrund der Ausführungen von Herrn Diener, der die rechtlichen Hintergründe beleuchtet, und was bedeutet das für andere Arten, die in denselben Habitaten brüten, diese Fragen bleiben unbeantwortet, weil es Ihnen nicht um Lösungen geht, sondern um Stimmungsmache. Wir als Bündnisgrüne setzen uns für eine naturnahe Fischerei ein, für die Wiederherstellung von Flusslandschaften, für den Schutz von Laichgebieten, für Gewässer, in denen Fischbestände sich aus eigener Kraft erholen können. Natürlich müssen auch Konflikte mit dem Kormoran vor Ort betrachtet und im Rahmen des bestehenden Managementplans oder des zu erstellenden Managementplans bewertet werden, aber mit Maß, mit Vernunft und mit Respekt vor der Natur. Was wir nicht brauchen, sind Scheinlösungen mit Drohnen. Was wir brauchen, ist eine ökologische Gesamtstrategie für gesunde Gewässer und lebendige oder lebende Fischbestände. Es ist ja auf den Aal hingewiesen und auch darauf, mit wie viel Liebe das Ehrenamt hier Aale aussetzt. Und da ist es so, dass der Rückgang der Aalbestände eigentlich mit anderen Sachen zusammenhängt, mit der Entnahme von Glasaalen in der Biskaya und so weiter, die dann verkauft werden. Also da gibt es ganz andere Zusammenhänge. Der Kormoran ist nicht unser Feind, er ist Teil unseres Ökosystems. Ihn zum Sündenbock zu machen, zeugt nicht von Verantwortungsbewusstsein, sondern von Kurzsichtigkeit. Wir lehnen Ihren Antrag ab. (Beifall vonseiten der Fraktion DIE LINKE und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
