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Dr. Till Backhaus

27.06.2025 Sitzungen 8/110

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Timm, ich habe immer gedacht, bei Ihnen kann man voraussetzen, dass Sie sich wirklich intensiv damit auseinandergesetzt haben, und ich habe ja zwei Veranstaltungen vernommen, wo Sie doch sehr deutlich, ich sage mal, ausdrücklich populistische Aussagen treffen, so nach dem Motto, jetzt fliegen wir da mal schnell mit der Drohne rüber, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Was ist denn daran populistisch? Das hat er doch so nicht gesagt.) und dann vernichten wir die Kormorane und das Problem ist gelöst. Also das habe ich jetzt einmal live miterlebt, kriegen dann auch viel Beifall. Das ist das eine, die Lebensrealität ist aber ein bisschen anders. Insofern will ich Ihnen noch mal auch ans Herz und an den Verstand herantragen, ja, gestern war es der Wolf, mit dem wir uns dann hier fast jede Sitzung auseinandersetzen mussten – noch bin ich auf freiem Fuß –, (Heiterkeit bei Marcel Falk, SPD) heute ist es der Kormoran, … Ja, da können Sie gerne drüber lachen, alle Mann. … und morgen oder übermorgen ist es wahrscheinlich die Kegelrobbe. (Marcel Falk, SPD: Ja.) Und da dann mal eben so mit der Drohne drüber zu fliegen, und dann ist das Problem gelöst, so einfach ist es nicht. Ich möchte Ihnen wirklich die aktuellen Zahlen noch mal mit an die Hand geben. Und dass wir nichts gemacht haben, ist schlicht und ergreifend unwahr. Seit den 90er-Jahren setzen wir uns mit dem Kormoran auseinander. Er ist nach wie vor – ich füge hinzu: leider – ähnlich wie der Wolf eine streng geschützte Art nach FFH- und Vogelschutzrichtlinie. Und im Übrigen, die Populationsanstiege, die kommen tatsächlich insbesondere aus den baltischen Ländern, Finnland und Estland und im Übrigen auch Dänemark gehört dazu, wo wir ganz starke Populationen haben. Und die Durchzügler, die kommen im Übrigen ausdrücklich aus den Regionen. (Der Abgeordnete Paul-Joachim Timm bittet um das Wort für eine Anfrage.) Und deswegen will ich mal ausdrücklich sagen, wir hatten in den Spitzenjahren 17.000 – über 17.000! – Brutpaare. Mittlerweile ausdrücklich, 2024 … Lassen Sie mich bitte erst mal ... Da können Sie bitte zuhören. Nehmen Sie es einfach mit auf! Wir haben mittlerweile tatsächlich, 2020 hatten wir noch 13.207 Brutpaare, und wir sind jetzt aktuell ausdrücklich bei 10.200 Brutpaaren. Ich selber, ich selber habe Aufträge erteilt an die Forschung, die Universität Rostock. Ich kann Ihnen das gerne zur Verfügung stellen, weil wir ja auch geprüft haben, was ist denn verträglicher für die Population, stabile Population, ohne sie auszurotten, und was kommt dabei raus. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Den Kormoran ausrotten.) Da liegen wir tatsächlich bei um die 3.000/3.500 Brutpaaren. Das würde ausreichen, um diese Population stabil zu halten. Und natürlich nehmen wir zur Kenntnis – im Übrigen auch das –, dass heute eingegriffen werden kann. Im Übrigen vom 1. August bis zum 31. März können außerhalb der anerkannten Naturschutzgebiete, sehr wohl können hier Kormorane entnommen werden und damit im Übrigen auch in sinnvoller Weise (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) hoffentlich dann sogar verwertet werden. (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Und ich sage hier an dieser Stelle auch noch mal ausdrücklich, es gibt einen ganz klaren Erlass, den sogenannten Kormoranerlass, wonach in Mecklenburg-Vorpommern keine neuen, keine neuen Kolonien zugelassen werden, und deswegen im Übrigen, im Übrigen auch … (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Halten sich die Kormorane an Ihren Erlass?) Ach, Ihr Gequatsche, das geht mir dermaßen auf den Geist, dass ich da gar nicht zuhöre. (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) So, aber ich will mal ausdrücklich sagen, natürlich haben wir ein Fraunhofer-Institut hier – Herr Timm, und da nehme ich Sie auch ernst und auch beim Wort –, nämlich für Smart Farming. Und natürlich sind wir mit denen im Gespräch, ob und inwieweit wir auch hier Maßnahmen einleiten können. Und jetzt nehmen Sie bitte mal zur Kenntnis – und das wissen Sie dann auch, weil Sie ja auch da ein Stück weit Erfahrung mit haben –, in Dänemark, in Baden-Württemberg werden die bodenbrütenden Kormorankolonien mit Öl versorgt, ich sage das mal ganz vorsichtig. Jetzt, wenn Sie jetzt mal eine Kolonie gesehen haben, und bei uns haben wir eine Kolonie, das habe ich im Kopf, eine Kolonie, die bodenbrütend ist, (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Ja, davon reden wir.) eine von den insgesamt 22, da kann man sicher über so was nachdenken. Im Übrigen läuft zurzeit ein Versuch ausdrücklich. Wo? In Baden-Württemberg. Schreiben Sie sich das gleich auf, weil wir mit denen in einem engen Kontakt stehen! Und ich bin mit unserem Fraunhofer-Institut in einem aktiven Diskussionsprozess, wo wir prüfen, ob wir im Übrigen auch eine Lösung noch und dann nicht nur für die Bodenbrütenden, sondern in den Bäumen … Und wenn Sie sich mal Niederhof oder was weiß ich wo angesehen haben, dann nehmen Sie doch bitte auch zur Kenntnis, dass die Nester in verschiedenen Etagen sind. Und jetzt erklären Sie mir mal, wie Sie in eine solche Kolonie hineinfliegen wollen mit einer Drohne und wie Sie dann in das einzelne Nest hineinkommen wollen! (Zurufe von Jens-Holger Schneider, AfD, und Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Das ist nicht so ganz trivial. (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Ich sage das ausdrücklich, und ich will an dieser Stelle auch noch mal sagen, ich glaube, Sie kommen ja von der Insel Hiddensee, (Zuruf vonseiten der Fraktion der AfD: So siehts aus.) dann kennen Sie auch die Familie Schlieker, (Paul-Joachim Timm, AfD: Welche?) und dann wissen … (Zuruf von Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ja, Egon. Er ist aber jetzt im Himmel. Aber im Übrigen auch mit Egon Schlieker, mit dem Fischer haben wir schon vor Jahren – ich hoffe, Sie wissen das – den Küstenfischern die Möglichkeit an die Hand gegeben – womit? –, mit Lasergewehren (Harry Glawe, CDU: Ja.) im Übrigen die Kolonien auffliegen zu lassen in der Brutzeit, um dann quasi den Bruterfolg zu vermindern. Ich sage das ausdrücklich. Deswegen ist mein dringender Wunsch: Erzählen Sie hier nicht, dass wir hier nichts machen und nichts getan haben! (Zurufe von Jens-Holger Schneider, AfD, und Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Ich weiß, ich habe nur fünf Minuten. (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Ich will an dieser Stelle auch noch einmal festhalten – noch mal –, außerhalb der Schutzgebiete kann was gemacht werden, von August bis März, und im Übrigen auch im Binnenland. Und da will ich mal ausdrücklich sagen, als die Lewitz jetzt noch aktiv bewirtschaftet worden ist, haben wir tatsächlich jährlich um die, sagen wir mal, um die 1.000 Kormorane tatsächlich dort entnommen. Und das kann natürlich auch gemacht werden, aber da müssen die Anträge gestellt werden. (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Und deswegen sage ich an dieser Stelle auch noch mal, dass wir aktuell auch eine Studie in Auftrag haben – Sie haben die wahrscheinlich hoffentlich auch schon mal gesehen – von Professor Arlinghaus nämlich, dem Institut für Fischerei, das ist ein Leibniz-Institut. Und die zweite Studie kommt noch mal ausdrücklich, weil wir auch wissen wollen, was bevorzugt er, wir wissen ja heute schon, was der Kormoran – das sind ja ganz schlaue Tiere im Übrigen –, welche Vorlieben er hat. Aber ich sage auch noch mal, wir müssen natürlich den ernsthaften Schaden nachweisen. Und wenn der ernsthafte Schaden, der ernste Schaden nicht nachgewiesen ist, dann werden wir Schiffbruch erleiden, wenn wir hier etwas auf den Weg bringen, was uns nicht weiterhilft. Und deswegen ist diese Idee, die Sie da haben, längst bei uns angekommen. Und ich kenne das auch persönlich, noch mal, in Baden-Württemberg wird das gerade am Bodensee im Übrigen in einer Testphase ausprobiert, aber wir haben das Problem, dass das am Bodensee eben auch Bodenbrütende sind. Und deswegen lassen Sie uns da sachlich weiter drüber diskutieren. Und uns sind die Fischer der Küstenfischerei, die Angler oder auch die Binnenfischerei, die sind für uns wichtige Partner. Das ist ein anerkannter Naturschutzverband. Und ich hoffe, dass wir da wirklich irgendwie zu einer Lösung kommen. Und ich sage Ihnen hier auch, das Kormoranmanagement, wir haben einen Managementplan dafür, und das Gleiche wird im Übrigen, ich sagte das hier heute schon, nicht nur beim Wolf – das haben wir ja auch –, sondern wir sind auch dabei, den Managementplan bei den Robben auf den Weg zu bringen. Insofern habe ich jetzt meine Redezeit um zwei Minuten überzogen, und ich entschuldige mich dafür. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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