landtag-mv.de ↗

Christine Klingohr

SPD 26.06.2025 Sitzungen 8/109

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die unzähligen Selbsthilfegruppen hier im Land bilden eine Struktur, die es Menschen ermöglicht, die eigenen gesundheitlichen und sozialen Herausforderungen und deren Lösungen selbst in die Hand zu nehmen und zusammen und im Austausch mit anderen aktiv zu werden. (Präsidentin Birgit Hesse übernimmt den Vorsitz.) Damit sind sie ein unverzichtbarer Bestandteil unserer sozialen Infrastruktur. Sie bieten Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen Orientierung, Unterstützung und die Möglichkeit, ihre Anliegen in einem geschützten Raum zu besprechen, sei es in persönlichen, familiären, gesundheitlichen oder existenziellen Fragen. Es geht dabei um weit mehr als ein Gespräch. Diese Angebote bedeuten Teilhabe, Stärkung und oft auch Stabilisierung. Gerade in Krisensituationen, bei Trennung, Schulden, Krankheit oder Diskriminierung können niederschwellige Angebote den entscheidenden Unterschied machen. Sie schaffen Vertrauen, fördern Selbsthilfe und bauen Brücken zu weiteren Unterstützungsstrukturen. Diese Arbeit ist wichtig und wird folglich durch Landesmittel unterstützt. Die Selbsthilfekontaktstellen sowie die untergliederten Selbsthilfegruppen sind in der Landesarbeitsgemeinschaft der Selbsthilfekontaktstellen MV e. V. zusammengeschlossen und damit in einer landesweit übergeordneten Struktur organisiert, die vernetzend und koordinierend tätig ist. Wir haben gehört, neun Kontaktstellen gibt es. Jede aber der acht geförderten Kontaktstellen erhält aktuell circa 18.000 Euro jährlich und wird diesen Betrag auch zukünftig erhalten. Das Anliegen des heute vorliegenden Antrags, die Förderung zu erhöhen und zu institutionalisieren, verstehen wir, wie wir eine Erhöhung der Förderung finanziell im Moment abbilden sollen, wissen wir hingegen noch nicht. Das habe ich auch von allen anderen Rednern hier genauso gehört. Unser Anliegen ist allen voran der Erhalt der Selbsthilfe- und Kontaktstellen, und dieses Ziel werden wir auch mit Blick auf die kommenden Haushaltsverhandlungen verfolgen. In der nun auch kritischen Auseinandersetzung mit dem Antrag der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN-Fraktion sei aber angemerkt – auch das habe ich im Sozialausschuss schon gemacht –, dass der Antrag hier heute ein unvollständiges Bild der Unterstützung und Beratungsstrukturen in M-V zeichnet. Ich möchte dieses Bild an einigen Stellen etwas vervollständigen, denn die Selbsthilfekontaktstellen bilden nicht die alleinige Beratungs- und Interessenvertretungsstruktur in M-V für Selbsthilfegruppen. Als ergänzende eigenständige Struktur besteht die Selbsthilfe MV. Diese nimmt ebenfalls beratende Aufgaben wahr und organisiert thematische Arbeitskreise durch Ehrenamtliche. Die Selbsthilfe MV wird 2024/2025 jährlich mit 81.000 Euro gefördert. Unter ihrem Dach sind 23 Landesverbände chronisch kranker und behinderter Menschen und ihrer Angehörigen in Mecklenburg-Vorpommern organisiert. Hier besteht eine komplette Struktur, die im Antrag hier so nicht wiederzufinden ist. Wir sollten uns unbedingt für eine stärkere Vernetzung und Koordinierung dieser Strukturen aussprechen. Weiterhin sei auch an das Angebot an sozialer Beratung und Gesundheitsberatung nach Paragraf 10 Wohlfahrtsfinanzierungs- und -transparenzgesetz erinnert. Die Landkreise und kreisfreien Städte erhalten jährlich circa 6 Millionen Euro zur Bereitstellung dieser Beratung. (Beifall Rainer Albrecht, SPD) Ich habe einleitend die Bedeutung von Angeboten hervorgehoben, die Teilhabe, Stärkung und oft auch Stabilisierung in schwierigen Lebenslagen bieten. Eine weitere dieser Strukturen ist die Telefonseelsorge. Wir stehen gerade jetzt und auch oft gemeinsam in sehr engem Austausch mit den Trägern der Telefonseelsorge und unterstützen und fördern auch dieses Angebot. Hier erhalten Ratsuchende rund um die Uhr anonym, kostenlos und unvoreingenommen Unterstützung und Rat. Und ich will auch gerne noch unsere Anstrengungen widerspiegeln bei den Betreuungsvereinen. Auch da haben wir im letzten Haushaltsansatz eine große Erhöhung geschafft, auf die wir heute noch stolz sind, und sind natürlich auch da im engen Austausch mit den Vereinen. Jede einzelne der vorgestellten Initiativen bietet auch ihre ganz eigenen Stärken und Eigenheiten. Das ist wichtig, weil sich auch die Menschen in ihren Lebenssituationen unterscheiden und wir folglich ein vielfältiges Angebot brauchen. Allen, die hier engagiert sind, gebührt hohe Anerkennung und ein großer Dank. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und daher unterstützen wir genau alle diese Angebote und viel, viel mehr noch auch mit finanziellen Mitteln des Landes. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Christine Klingohr Protokoll ↗