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Thore Stein

AfD 26.06.2025 Sitzungen 8/109

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Wir werden diesen Antrag ablehnen. (Zuruf aus dem Plenum: Was?!) Kurz und knapp. (Nikolaus Kramer, AfD: Stellen Sie sich mal vor!) Das möchte ich nicht so stehen lassen, natürlich auch erläutern, weshalb. Wir haben jetzt mit einem Antrag zu tun, der letztlich auch einem Kinderbilderbuch entstammen könnte von der Vorstellung eines Waldes. (Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD) Wie sieht ein Wald aus? Er ist hier in Ihrem Antrag beschrieben, aber wie gesagt, eher für ein Kinderbuch als für eine Forstwirtschaft. Und lassen Sie mich das auch ausführen: Sie beschreiben hier einen Wald, den Sie gerne mit dem Schlagwort „Dauerwald“ umschreiben, aber gehen in keinster Weise darauf ein, wie dieser Wald denn in der Praxis bewirtschaftet werden soll, und das, obwohl Sie ja in II Ziffer 1 ganz klar davon sprechen, dass die naturnahe Bewirtschaftung nach dem Dauerwaldprinzip unter Beachtung wirtschaftlicher Prinzipien zu forcieren ist. Und Sie haben gerade in Ihrem Wortbeitrag, Herr Minister Backhaus, ein einziges Mal das Wort „Wirtschaftlichkeit“ benutzt, (Minister Dr. Till Backhaus: Drei Mal!) ansonsten haben Sie hier nur darüber schwadroniert, was dieser Wald doch alles für tolle Leistungen erbringt für Klima, Wasser, Gesundheit, Ernährung. Das klingt alles sehr schön, das sind schöne Sonntagsreden, aber sie haben wenig mit dem zu tun, was dieser Wald primär noch zu leisten hat. Und zwar ist der Wald seit jeher ein Rohstofflieferant. Der Wald in Deutschland ist ja seit Jahrhunderten einer menschlichen Nutzung unterzogen und dieses hier hoch angepriesene Prinzip des Dauerwaldes ist ja nichts Neues, denn er entspringt letztlich dem Gedanken des Plenterwaldes, also des Bauernwaldes, was nichts anderes heißt, als dass wir einen Wald haben, der einer regelmäßigen Nutzung unterliegt. Das heißt, es werden, jedes Jahr werden diesem Wald Ressourcen entnommen, sei es eben durch Schwachholz für Brennholz oder eben hin und wieder auch mal ein starker Stamm, um Bauholz zu gewinnen. Das funktionierte so lange gut, solange man eben entsprechend auch Arbeitskräfte hatte, die das bewerkstelligen konnten, die also jedes Jahr in dieses Waldstück hineingehen konnten und dort diesen Wald dauerhaft bewirtschaften konnten, denn der Dauerwald setzt eben auch eine Dauerbewirtschaftung voraus. Und, Herr Minister Backhaus, ich glaube, ich muss Ihnen nicht erklären, wie es um die personelle Ausstattung Ihrer Landesforstanstalten aussieht. Und Sie sind hier die Antwort schuldig geblieben, wie Sie denn Ihren propagierten Dauerwald sinnvoll bewirtschaften wollen, mit welchem Personal, mit welchem Technikeinsatz. Das haben Sie hier alles nicht skizziert. Und auch die wunderschönen Beschreibungen Ihres Moorwaldes und der Paludikultur, also dieses Zauberwort höre ich in diesem Landtag seit zehn Jahren. Herr Krüger war ja – ist ja gerade nicht da –, war ja auch ein großer Verfechter dieser neuen Wirtschaftsform. Bisher scheint diese Paludikultur relativ wenig Anklang zu finden in der freien Wirtschaft und trägt auch eher wenig zur wirtschaftlichen Leistung in unserem Bundesland bei. Und wenn Sie Ihre 82.000 Hektar Moorwälder einmal nehmen, dann erklären Sie doch einmal, wie Sie denn hier eine sinnvolle Wiedervernässung umsetzen wollen, ohne in das Eigentumsrecht der mehr als die Hälfte der betroffenen Waldflächen besitzenden Privateigentümer eingreifen zu wollen. Denn eins ist doch ganz klar, eine Wiedervernässung in einem Wald macht ja nicht Halt an einer Flurstücksgrenze, sondern das betrifft ja in einem riesigen Umfang angrenzende Flächen im Wald, aber auch außerhalb des Waldes. Das heißt, eine Moorwiedervernässung im Wald betrifft den Wald selber, aber eben auch angrenzende Agrarflächen. Kein Wort davon, weder von Frau Wölk noch von Ihnen dazu, wie Sie das realistisch umsetzen wollen und wie Sie diesen Wald dann auch – denn da haben wir einen enormen Zielkonflikt, dieser Wald soll auf der einen Seite Ihre hehren Vorstellungen des Klimaschutzes und der Bereitstellung von sauberem Wasser erfüllen, das ist auch alles sehr schön, da bin ich auch bei Ihnen, aber das Zweite, darüber sprechen Sie gar nicht, dass dieser Wald ein wichtiger Rohstofflieferant ist. Und wir importieren, wir importieren jedes Jahr 5.000.000 Festmeter Bauholz, und zwar primär Nadelholz, Nadelholz, was Sie hier auch nicht mehr haben wollen. Sie sagen, es ist hervorragend, dass wir den Anteil von Nadelholz stark reduzieren. Das heißt, wir importieren noch mehr Nadelholz, denn zeitgleich mit dem Ausstieg aus einer hochprofitablen Holzwirtschaft wollen Sie ja auch im Bausektor weg vom zementgebundenen Bauwesen hin zum holzgebundenen Bauwesen. Wo soll dieses Holz herkommen? Ich sage Ihnen, wo es herkommt. Das kommt als Import von Übersee. Und dann werden dort eben die Wälder geplündert, damit Sie sich hier hinstellen können (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) und erzählen können, was für einen romantischen und was für einen tollen Wald doch wir in Mecklenburg-Vorpommern haben, in dem alle ganz glücklich miteinander leben können, in dem das alles schön blüht und grünt und sonst was, in dem kein Einschlag mehr stattfinden soll im großen Umfang. Aber das Holz, was hier verbraucht wird, das kommt aus Übersee. Und damit exportieren Sie die Umweltschäden, die Sie hier nicht haben wollen, ins Ausland. (Enrico Schult, AfD: Genauso ist es. – Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Das ist unehrlich, Herr Minister Backhaus! Und daher ist dieser Antrag, das habe ich eingangs erwähnt, so nicht mitzutragen, denn er fokussiert die gesamte Frage der Waldnutzung und des Waldbaus eben nur auf diese, auf diese eine Funktion, dass der Wald natürlich, da bin ich ja bei Ihnen, einen wichtigen Bestandteil im Ökosystem darstellt, aber er ist eben auch mehr darüber hinaus. Und das eben bleiben Sie hier schuldig. Und, Herr Minister Backhaus, Ihr Prinzip des Dauerwaldes wird letztlich genau daran scheitern, dass auch die Landesforstanstalten irgendwo am Ende profitabel sein müssen, dass wir hier unser Nutzholz beziehen müssen, dass wir hier unser Bauholz beziehen müssen. Das wird so in dem Maße nicht umsetzbar sein. Das werden wir irgendwie in 10/15 Jahren sicherlich feststellen müssen. Dann werden auch Sie zur Einsicht kommen, dass wir das Klima nicht retten, indem wir hier aus der Forstwirtschaft aussteigen. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)

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