Dr. Monique Wölk
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Antrag, den Wald als Klimaschützer zu stärken, zielt darauf, dass wir weitere Anstrengungen unternehmen, um unseren Wald in Mecklenburg-Vorpommern resilient gegenüber Klimaveränderungen zu machen und gezielt auf die Herausforderungen des Klimawandels auszurichten. Dabei geht es uns um drei wichtige Maßnahmenbereiche: – Einmal wollen wir das Prinzip des Dauerwaldes, der Dauerwaldnutzung im Landeswald weiter umsetzen. – Wir wollen die vorhandenen Waldmoore schützen beziehungsweise renaturieren und wiedervernässen, und dies wollen wir rechtlich absichern. – Und wir wollen entsprechende Anreize für private Waldbesitzer schaffen und auch Förderstrukturen dazu prüfen und hier möglicherweise notwendige Anpassungen vornehmen. Das heißt für uns, wir fördern weiter einen naturnahen, strukturreichen, klimaresilienten Wald mit einer wirtschaftlichen Nutzbarkeit. Und damit haben wir bereits begonnen. Mit der „Ivenacker Erklärung“ aus dem Jahr 2021 hat sich das Land zur Umsetzung der Dauerwaldstrategie bei der Waldbewirtschaftung ausgesprochen. (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Warum dann dieser Antrag?) Das halten wir auch weiterhin für richtig und das wollen wir mit diesem Beschlussvorschlag auch noch einmal unterstreichen, denn mit dem Dauerwaldprinzip gelingt es uns, unsere Wälder klimafest umzubauen und gleichzeitig forstwirtschaftlich sinnvoll zu nutzen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Und jetzt, Herr Damm, komme ich zu der Frage, warum ist uns die Waldentwicklung, die Waldmehrung und auch die Umsetzung des Dauerwaldprinzips denn so wichtig. (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das war gar nicht die Frage.) Doch. (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Die Frage war, warum Sie es noch nicht machen, wenn Sie es doch schon beschlossen haben.) Weil der Wald für Mecklenburg-Vorpommern für uns beim Klimaschutz immens wichtig ist und wir viele weitere Ökosystemdienstleistungen aus dem Wald ziehen. (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wenn es so wichtig ist, warum haben Sie noch nicht angefangen, obwohl Sie es schon beschlossen haben?) Und von diesen profitieren wir oftmals ungeahnt. (Glocke der Vizepräsidentin) Einmal bindet der, (Ann Christin von Allwörden, CDU: Das ist immer der einzige Kommentar, der kommt.) einmal bindet der Wald pro Hektar und Jahr in M-V insgesamt 8,6 Tonnen CO 2 (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Hat er auch schon vor zehn Jahren.) bei einer Waldfläche von mittlerweile 586.000 Hektar. Nach der neuen Bundeswaldinventur sind es gut 40 Millionen Tonnen CO pro Jahr in unserem Land, 2 (Torsten Renz, CDU: Dieser Antrag besteht nur aus Feststellungen.) und wir können davon ausgehen, dass dieser Wert weiter steigt, denn das Land setzt sein Aufforstungsprogramm fort und unterstützt damit die Waldmehrung, (Patrick Dahlemann, SPD: Sehr richtig, Wahlversprechen.) ganz zu schweigen, (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) ganz zu schweigen von dem Potenzial, das in der Naturverjüngung liegt und in der Vergangenheit – und auch hier hat uns dies die Bundeswaldinventur gezeigt – einen wichtigen zusätzlichen Beitrag zur Waldmehrung im Land geleistet hat. Der Wald bietet natürlich Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Er sichert damit Artenvielfalt und Biodiversität. Er trägt zur Luftreinhaltung bei, vor allem zur Luftkühlung. Er bietet Schutz vor Bodenerosion, trägt zur Bodenneubildung bei, ist Nahrungslieferant und trägt natürlich zur Erholung und Gesundheit und damit auch zur touristischen Wertschöpfung bei. Und schließlich ein letzter Punkt, der Wald schützt vor Hochwasser und dient als Wasserreservoir, indem Wasser im Boden aufgenommen und gespeichert wird, gefiltert und damit auch wieder dem Grundwasserspeicher zugeführt wird. (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das ist aber sehr fahrlässig.) Und das, das ist auch der besondere Grund, warum wir uns in diesem Antrag ganz besonders mit den Waldmooren beschäftigen und ihren Schutz noch einmal in den Vordergrund stellen. (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Jetzt sage ich nicht, was beim Moorschutz alles nicht geklappt hat, weil dann werden wir nicht fertig heute.) Na, Herr Damm, Sie sind ja gleich noch dran. Da können Sie dann drauf eingehen und Sie können dann auch noch mal auf Ihren Änderungsantrag eingehen, den Sie zu unserem Antrag stellen. Ich möchte jetzt noch einmal betonen, dass die ökologischen, ökonomischen und sozialen Funktionen des Waldes von uns zugleich berücksichtigt werden und dass wir sie gemeinsam und zugleich fördern wollen. (Patrick Dahlemann, SPD: Das nennt man vernünftig.) Und dazu bedarf es eben strukturreicher Mischwälder so- wie einer naturgemäßen Waldnutzung und Waldwirtschaft und aus unserer Sicht eben auch des Dauerwaldprinzips. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) In Mecklenburg-Vorpommern gibt es circa 82.000 Hektar Waldmoore. Das entspricht circa 14 Prozent, also einem Siebtel der Waldfläche in M-V. Intakte Waldmoore speichern unter anderem Kohlenstoff und Wasser, sind Lebensraum zahlreicher bedrohter Tier- und Pflanzenarten und stellen wichtige biotische und abiotische vernetzte Lebensraumstrukturen dar. (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Seit wann weiß man das?) Damit ist der Schutz der Waldmoore für die sie umgebenden Wälder von immenser Bedeutung, gerade hinsichtlich zunehmender Trockenheit. Waldmoore fungieren als Wasserspeicher, die überschüssiges Wasser im Boden halten, für die Vegetation zurückhalten und gerade in Trockenzeiten oder Dürreperioden auch wieder abgeben. Das heißt zugleich, je mehr Wasser in den Waldmooren zurückgehalten wird, desto größer ist auch ihre kühlende Wirkung (Zuruf von Torsten Renz, CDU) und desto positiver ist zum Beispiel der Einfluss auf unsere heimische Buche, die eben an kühl-feuchte Standorte angepasst ist. Intakte Waldmoore übernehmen damit eine entscheidende Funktion für die Kohlenstoffspeicherung, die Anpassungsfähigkeit unserer Wälder an die Auswirkungen des Klimawandels und für den Erhalt unserer naturnahen Waldökosysteme und ihre zukünftige Entwicklung, kurz, Waldmoore sind echte Klimaschützer, speichern Wasser, kühlen die Umgebung und helfen unseren Wäldern, besser durch Trockenzeiten zu kommen. Und deshalb wollen wir sie zukünftig besser schützen und renaturieren. (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das wollten Sie ja schon früher.) Von den 82.000 Hektar Waldmoorflächen in M-V (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sie sind doch in der Regierung, machen Sie es doch!) sind 63 Prozent, also über die Hälfte, derzeit entwässert und damit ökologisch geschwächt. Mit unserem Antrag wollen wir die Rechtslage für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer verbessern, sodass klar ist, Wiedervernässungen von Moorstandorten im Wald sind keine Waldumwandlung, sondern gehören einfach zu einer Waldbewirtschaftung dazu, (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Hat hier irgendeine Fraktion schon beantragt. Ich weiß nicht, wer das war.) denn Waldumwandlungen müssen genehmigt und kompensiert werden. Das sorgt bislang dafür, dass Waldbesitzer eher Abstand davon nehmen, ihre Moore wiederzuvernässen. (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Warum haben Sie das denn beim letzten Mal abgelehnt?) Wir fordern also jetzt die Landesregierung auf, eine rechtssichere Lösung zu schaffen. Wer ordentlich plant, kann renaturieren, ganz ohne Hemmnisse. Wir wollen, dass die Wiedervernässung eben nicht aufgrund rechtlicher Hürden scheitert. Wenn wir unsere Wälder klimafest aufstellen wollen, muss es allen Waldbesitzern möglich sein, rechtssicher und einfach Waldmoore zu vernässen. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Und dabei setzen wir nicht auf Verbote, sondern auf Anreize. Wir wollen, dass der Klimaschutz nicht länger als Belastung empfunden wird, sondern eher als Chance für alle gesehen wird, (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Aber dabei spielen Sie doch eine große Rolle.) eben auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Deswegen wollen wir prüfen lassen, ob eben die bereits bestehenden Systeme, wie zum Beispiel die MoorFutures, geeignet sind, um solche zusätzlichen Anreize für Waldbesitzer zu schaffen, intakte Waldmoore zu schützen oder eben wiederherzustellen. Lassen Sie mich noch ganz kurz auf den Änderungsantrag eingehen, der von den GRÜNEN vorgelegt wurde. Ich habe das eben ausgeführt, wir sind mit der „Ivenacker Erklärung“ in eine Richtung der Dauerwaldstrategie gegangen, die wir weiter umsetzen wollen. Wir sehen nicht, dass dieser eingeschlagene Weg verändert werden sollte. (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Dann braucht es keinen Antrag.) Der zweite Punkt ist, wir sehen nicht, dass Vorkaufsrechte zur Wiedervernässung seitens des Landes ausgeübt werden sollten bei Waldmooren, sondern – ich habe das eben schon gesagt – unser Ansinnen ist es eben gerade, dass wir Anreize schaffen, (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) damit der Klimaschutz nicht als Belastung gesehen wird, (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sie können auch nicht gegen unseren Antrag sein.) sondern auch als wirtschaftliche Chance. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Und zu guter Letzt, Herr Damm, die Maßnahmen, die Sie zur Ausweitung der Landeswaldfläche vorschlagen, halte ich schlichtweg für unrealistisch. Sie können vielleicht gleich in Ihrer Rede erklären, wie Sie und wo Sie und mit welchen finanziellen Mitteln Sie die Waldfläche im Land von 25 auf 40 Prozent ...
