Dr. Harald Terpe
Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Gesellschaftliches, gemeinnütziges Engagement von Mitmenschen, oftmals getragen vom Motiv der Mitmenschlichkeit, hat es vermutlich schon lange gegeben, bevor der Begriff des Ehrenamtes überhaupt existiert hat, denn das gehört zur menschlichen Gesellschaft, glaube ich, dazu. Meine Erfahrung mit den Engagierten ist, dass sie oftmals ihr Ehrenamt im Stillen ausführen, ehrenhaft und mit selbstverständlicher Kontinuität. Das ist auch schon angesprochen worden. Und Frau Ministerpräsidentin hatte gesagt, es gibt viele, die länger als 20 Jahre im Ehrenamt sind. Ich konnte am letzten Wochenende eine Auszeichnung erleben, wo jemand 72 Jahre lang im Ehrenamt war – (Jens-Holger Schneider, AfD: Oh, Respekt!) beim Anglerverband –, aber das hat mich auch tief beeindruckt. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Eine abschließende Definition des Ehrenamtes gibt es nicht, aber Ehrenamt ist zumeist freiwillig und gemeinnützig, mildtätig, oftmals auch religiös motiviert. Und wussten Sie eigentlich, dass es auch Ehrenämter gibt, die nicht so ganz freiwillig sind? Das ist das Ehrenamt des ehrenamtlichen Richters. Und da kann man sich manchmal gar nicht verschließen, wenn man als ehrenamtlicher Richter aufgefordert wird. Und so ähnlich ist es, glaube ich, auch bei Wahlhelfern. Das ist auch ehrenamtlich und manchmal wird man dazu verpflichtet. (Enrico Schult, AfD: Selbst bei der Feuerwehr, selbst bei der Feuerwehr, Herr Dr. Terpe.) Ja, ja, ja! Über Jahrzehnte ist das Ehrenamt immer vielfältiger geworden. Das macht sich, glaube ich, auch im Titel dieser Aussprache bemerkbar. Es ist bunter geworden, vielfältiger. Aber ich möchte im Folgenden doch auf einige Bereiche noch mal eingehen, damit das auch klar ist: Wo sind denn diese 600.000 Ehrenamtlichen alle tätig? Das ist ja eine Zahl, die einen nahezu, ja, erschlägt, so groß. Bei sechs Millionen Einwohnern 600.000, das ist sehr viel. Und da habe ich gleich zu Anfang natürlich das, woran die Menschen am ehesten denken, den Bereich des Bevölkerungs- und Brandschutzes. Freiwillige Feuerwehren sind natürlich bekannt. (Vizepräsidentin Beate Schlupp übernimmt den Vorsitz.) Es sind die großen Verbände DRK, Malteser, ASB, Johanniter bekannt, die sich dort engagieren. Und wenn man mal bei einer Auszeichnungsveranstaltung oder Preisverleihung des Ehrenamtes gewesen ist, dann merkt man, dass auch in diesen Verbänden neben dem, was sie sozusagen regelmäßig machen, viel Begleitengagement, viel Begleitehrenamt ist bei der Betreuung von psychisch Kranken und so weiter. Also das ist von denen, die sozusagen in diesen großen Verbänden tätig sind, sehr, sehr vielfältig. Ehrenamt gibt es im Naturschutz, zum Beispiel im größten Naturschutzverband in Mecklenburg-Vorpommern, im Anglerverband – ich habe die Auszeichnung im Anglerverband erwähnt –, aber eben auch bei BUND und NABU, im medizinisch-pflegerischen Bereich, zum Beispiel Ehrenamtliche von der Caritas. Von der Diakonie, vom DRK, auch den ganzen Verbänden, aber eben auch in Hospizvereinen oder in den zahlreichen Selbsthilfegruppen wird Ehrenamt geleistet, oder für mich, weil ich es aus der Familie auch kenne, ehrenamtliche Arbeit im Kinderschutz. Das läuft alles neben manchmal nicht gut ausgebildeten staatlichen Strukturen, wo wir dann auch sagen müssen, Ehrenamt ersetzt dort Sachen, die manchmal eigentlich auch staatlich geleistet werden müssten. Im Vereins- und Breitensport, in Kulturvereinen wird sehr viel Ehrenamt betrieben. Wer zum Beispiel weiß, dass der letzte intakte Köhlerhof Mitteleuropas in Rostock ist, ohne eine ehrenamtliche Vereinsarbeit wäre der Erhalt des Köhlerhofs gar nicht denkbar. (Beifall Julian Barlen, SPD, und Daniel Peters, CDU) Und ich erinnere an Jugendverbände, Seniorenbeiräte, Sozialvereine, eine Auszeichnung, die ich in Rostock erlebt habe, wo sich Leute in den Stadtteilen engagieren, dafür, dass morgens die Kinder Brot mit in die Schule bekommen, ein Frühstück mit in die Schule bekommen. Das ist großartiges Ehrenamt. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Daniel Peters, CDU – Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sehr richtig!) Also vielen Dank all diesen Ehrenamtlichen, aber natürlich auch herzlichen Glückwunsch der Ehrenamtsstiftung für zehn Jahre Arbeit! Und da sind wir bei einem Bereich, den ich natürlich noch mal ansprechen muss. Das ist genau das, was auch gebraucht wird, dass eine gewisse hauptamtliche Struktur auch sozusagen ein Korsett einzieht, und zwar nicht ein Korsett, was begrenzen soll, sondern was stützen soll das Ehrenamt. Und ich glaube, die Vorrednerinnen und -redner sind darauf eingegangen. Also herzlichen Glückwunsch für diese engagierte Arbeit, auch von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN! Und lassen Sie mich noch mal betonen: Zum Ehrenamt gehören hauptamtliche Begleitstrukturen, und wir Bündnisgrüne werden uns in Zukunft auch dafür einsetzen, weiter einsetzen – das haben wir immer schon gemacht – für die Verbesserung bei der Aufwandsentschädigung für das Ehrenamt. Das ist eine wichtige Frage, die immer wieder auch notwendig ist, und in diesem Sinne vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der Gruppe der FDP und Daniel Peters, CDU)
