Hannes Damm
Ja, sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Abgeordnete der Demokratischen Fraktionen, den Antrag, den wir gerade beraten, der war ja gestern quasi schon in den Haushaltsdebatten Thema, mit dem Hinweis darauf, dass es im Nachtragshaushalt eigentlich darum gehen sollte, Einsparpotenzial zu finden. Statt sich neue Ausgabemöglichkeiten auszudenken, wurde schon Kritik am Vorschlag deutlich, jetzt jedoch auch noch eine Förderung für die Entwicklung von Computerspielen zu fordern. Allerdings, und da deckt sich unsere Einschätzung des vorliegenden Antrags mit den Aussagen auch meines Kollegen Dr. Terpe von gestern, manchmal macht es Sinn, gerade dann zu investieren, wenn das Geld knapp ist, weil sich aus der Investition ein deutlicher Mehrwert gegenüber dem Status quo erwarten lässt. Und genauso ist es halt bei der Gamesförderung. Mecklenburg-Vorpommern hat eigentlich fast alle Voraussetzungen, die es braucht, um auch für Unternehmen – da sind wir unterschiedlicher Meinung –, die in der Gamesbranche aktiv sind, interessant zu sein. Es braucht ja keine Lieferketten, keine Schwerindustrie, keine Rohstoffe und kaum Infrastruktur. Was fehlt, ist neben der flächendeckenden Versorgung mit schnellem Internet wohl nur ein Förderprogramm, das der Branche den Einstieg hier bei uns im Land ermöglicht, denn gerade für junge oder kleine Unternehmen ist der Einstieg in die Gamesproduktion oft nur mit Unterstützung möglich. Das heißt nicht, dass man jahrelang mit quasi institutioneller Förderung Unternehmen am Leben hält, die sich von alleine nicht tragen. Aber es ist ja auch in anderen Branchen, zum Beispiel, wo es zum Beispiel Gründerförderungen gibt, nicht der Fall. Und auch in dem Fall hier könnten wir davon profitieren. Die Forderungen nach Gründungsstipendien wie für die Spieleentwicklung sind daher sinnvoll aus unserer Sicht, denn solange andere Bundesländer uns davon ausnehmen, haben wir schlicht das Nachsehen. Das große Geld, das verdient werden kann, wenn ein Spiel tatsächlich so erfolgreich wird, wird dann in anderen Ländern verdient und eben auch versteuert. Ja, das DIZ Neubrandenburg hat sich seit Jahren auch speziell der Unterstützung der Gamesindustrie verschrieben. Der MV Game Jam Anfang April ist ein Beispiel dafür, was schon geleistet wird, zum Beispiel die Vernetzung der Akteure im Land. Aber gerade die im Antrag geforderten Aus- und Weiterbildungsprogramme sowie die technischen Beratungsangebote, die kann das DIZ eben nicht leisten. Mecklenburg-Vorpommern kann und sollte hier aus unserer Sicht mehr tun, sollte sich nicht nur aktiv als Standort für die Gamesentwicklung bewerben, sondern auch ein eigenes Förderprogramm entwickeln. Und wenn es im Moment für ein eigenes Programm nicht reicht, warum dann nicht den Austausch mit entsprechenden Institutionen in anderen Bundesländern suchen? Gamecity Hamburg wäre da zu nennen, eine Initiative, die es bereits seit 2003 gibt, oder das Medienboard Berlin-Brandenburg, welches seit Anfang August 2022 Gamesprojekte auf Grundlage einer eigenen Förderrichtlinie unterstützt. Auch in Ostdeutschland, bei unseren Nachbarn, ist das möglich. Gute Beispiele gibt es genug, jetzt muss man es halt wollen. Und ja, es mag insbesondere für SPD-Mitglieder ungewohnt sein, eine Branche zu fördern, in der der gewerkschaftliche Organisationsgrad eher gering ist. Aber daran ließe sich ja arbeiten, sobald die Arbeitskräfte erst mal in M-V sind. Wäre es dann nicht wünschenswert, wenn in Zukunft auch mal ein Spiel aus M-V auf Ihren Bildschirmen oder bei denen Ihrer Kinder erscheint? Ich fände das jedenfalls wirklich ziemlich cool, und wir stimmen dem Antrag daher zu. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
