Dr. Wolfgang Blank
Ja, sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren Abgeordnete! Moin! (Rainer Albrecht, SPD: Guten Moin!) Ich freue mich auf das Thema und insofern, ja, wirklich, also ich darf den Wunsch gerne erfüllen. Bevor wir hier in die Diskussion kommen, wer nun der erste Spieleentwickler war oder wer das Thema aufgerufen hat, muss ich eine Person nennen, die heute Mitglied des Landtages ist, aber leider nicht mehr anwesend. Ich weiß nicht, ob es bekannt ist, dass David Wulff 2007 mit seinem Geschäftspartner Paul Müller das Unternehmen Müller & Wulff gegründet hat und eine App, eine Spiele-App entwickelt hat, so einen Vorläufer des heutigen Gamings. Während er heute noch hier Mitglied im Landtag sein muss, (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) ist sein Partner, glaube ich, inzwischen dabei, irgendwo in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Racingteam zu unterhalten, (Heiterkeit bei Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Hat er wohl einiges falsch gemacht.) weil er sich mit dem Thema dann weiterentwickelt hat. (Zurufe von Rainer Albrecht, SPD, und Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Nee, also ich glaube, es ist ein wichtiges Thema, und insofern, wie gesagt, ich begrüße es außerordentlich. Und es hat verschiedenste Implikationen, (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD) nämlich nicht nur als Ablenkung im Freizeitbereich, es ist, in vielen Branchen hat das Gaming Einzug gehalten, in vielen gesellschaftlichen Sektoren. Es ist weit mehr als Spielen im digitalen Raum. Es ist ein mächtiges Werkzeug, das Wissenschaft, Bildung, aber auch Wirtschaft grundlegend verändert. Und auch bei uns an den Hochschulen, an den Universitätsmedizinen sind die Forschungsgruppen aktiv. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Es wird ja nicht mal an KI geforscht. Da gibts ja auch Defizite.) Es nutzen Forschende Games und Simulationen, um komplexe Phänomene zu analysieren und zu visualisieren. Da geht es um Moleküle, es geht um Klimamodelle. Spiele haben bewiesen, dass Gamification sogar dabei helfen kann, medizinische Rätsel zu lösen, an denen Supercomputer gescheitert sind. Im Bereich Bildung/Ausbildung ermöglichen Spiele interaktives Lernen. Wir haben Medienzentren an verschiedensten Standorten, die sich mit diesen Themen befassen, Problemlösungsfähigkeiten fördern, Teamarbeit, Kreativität. Ob in der Grundschule, in der beruflichen Weiterbildung, durch gut konzipierte Lernspiele wird Wissen erlebbar, verständlich und nachhaltig vermittelt. Und ja, auch die Wirtschaft profitiert. Die Gaming-Branche selbst ist ein Milliardenmarkt, Motor für Innovation. Technologien wie Künstliche Intelligenz, Virtual Reality, Cloud-Computing werden hier nicht nur entwickelt, sondern auch intensiv getestet und weiter genutzt. Es geht auch um Mitarbeitermotivation, Kundenbindung und Training. Übrigens, auch in der Politik wird Gaming als Tool genutzt. Gaming ist längst kein unpolitischer Raum mehr – Medium politischer Bildung, vielleicht auch Missbildung, ein Kommunikationskanal für Parteien, Spiegel gesellschaftlicher Fragen und Gegenstand politischer Regulierung. Wir kommen daran nicht vorbei. Und über den Bereich von E-Sports – jetzt ist meine Kollegin nicht da – haben wir gestern noch gesprochen. Auch das ist ein sehr spannender Bereich. Der Markt bewegt sich dafür im Bereich von wenigen Milliarden US-Dollar. Er solle bis ins Jahr 2035 bis auf circa 50 Milliarden US-Dollar wachsen. Wenn man die Jungs sieht, die da in China vor irgendwelchen Computerspielen sitzen, dann sind die inzwischen von Psychologen gecoacht, haben auch, ich sag mal, Ernährungsberater bei sich und müssen die Zeit gut überstehen. Rein aus Spaß an der Freude gibt es übrigens auch an unseren Universitäten bereits einschlägige Vereine und Angebote. Griffin Games in Greifswald, in Rostock gibt es die GameJAM. Es gibt auch Weiterbildungsangebote wie das Game Art Studium an der Designakademie in Rostock oder Game-based-Learning-Ansätze in verschiedenen Arbeitsgruppen an unseren Hochschulen. Es ist also kein reiner Zeitvertreib, es ist ein Innovationstreiber, ein Lernwerkzeug, wirtschaftlicher Faktor – klares Bekenntnis dazu, in allen Bereichen. Und das ist auch der Bereich, wieso ich dem Thema zwar, oder Grund, wieso ich dem Thema zwar sehr wohlgesonnen gegenüberstehe, aber dem eigentlichen Antrag wenig abgewinnen kann. Ich will auch sagen, warum, denn wir haben ja diese Ansätze bereits. (Zuruf von Jens-Holger Schneider, AfD) Wir müssen darüber nachdenken, wie wir sie weiter publik machen, weiter nutzen. Es steht bereits Interessenten offen, die gängigen Förderinstrumente zu nutzen, etwa in der Technologieförderung oder auch mit einem Gründerstipendium. Diese Programme sind flexibel genug, um auch Projekte aus dem Bereich der Spieleentwicklung zu unterstützen. Das können dann auch Vertical Slices sein. Es gab ein Unternehmen in Neubrandenburg, das sich damit befasst hat: DJAMACAT. In Anbetracht des breiten Einsatzes, aber auch vor dem Hintergrund der Gesamtlage des Haushaltes würde allerdings ein zusätzlich spezifisches Förderprogramm vor allem nur eines schaffen: mehr Bürokratie ohne wirklichen, sichtbaren zusätzlichen Nutzen. Allerdings, wir müssen das Thema salonfähig machen, wenn es das noch nicht sein sollte. Insofern freut es mich, ich hatte es schon gesagt, dass Herr Wulff – ja, freut es mich heute nicht, dass er jetzt gerade nicht da ist –, aber dass er unter uns weilt und sicher noch was davon erzählen kann. Was die vorgeschlagene Einrichtung eines Innovationszentrums für die Gamesentwicklung anbetrifft, so will ich das gerne auch aufnehmen, aber genauso auf die Aktivitäten im digitalen Innovationsraum verweisen. Ich erinnere mich aus eigener Erfahrung daran, dass das Thema Gaming ständiger Gegenstand der Aktivitäten in Digitalen Innovationszentren ist und war. Die DIZen bieten schon heute umfassende Unterstützung, Beratung, Netzwerke, Formate, Coworking Spaces, Zugang zu Investoren und auch für die IT- und Kreativwirtschaft. Die MV Game Jam gab es 2020, 2021, 2022, 2023, eine Oster Game Jam gab es erst vor Kurzem, 4. bis 6. April. Das heißt aber immer noch, genug ist nicht genug, da bin ich ja dabei. Im gleichen Atemzug ist aber auch die gut vernetzte und auch vom Land unterstützte Branche der Kultur- und Kreativwirtschaft zu nennen. Diverse Akteure aus der Branche sind bereits Dienstleister für Gamingunternehmen und generieren insgesamt, nicht nur die Gamer, aber insgesamt die Kreativwirtschaft immerhin ungefähr 900 Millionen Euro Umsatz im Land. Ich will Ihnen gerne anbieten, uns weiterhin gemeinsam für die Gamingbranche einzusetzen in Mecklenburg-Vorpommern. Darüber hinaus, beispielsweise steht über unsere Programme hinaus ein leistungsfähiges Förderprogramm des Bundes bereit mit 50 Millionen Euro jährlich für die Gamesbranche. Auch dieses Potenzial sollten wir nutzen, genauso wie einschlägige Programme auf EU-Ebene: Creative Europe, Digital Europe, Horizon Europe. Und lassen Sie mich zum Schluss noch mal zusammenfassen, wir erkennen die Bedeutung der Computerspielebranche an, werden weiterhin daran arbeiten, sie als Teil der Wirtschaft unseres Landes zu stärken. Ich bin überzeugt, dass wir durch unsere offenen Förderinstrumente, die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft und die gezielte Unterstützung wachstumsfähiger Kernbranchen das beste Angebot für die Gamingbranche aufweisen können. Und letztlich auch Danke für die Befassung heute im Landtag mit diesem Thema! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit oder, in der Gamersprache, THX und BB, danke schön und Bye-Bye! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
