Stefanie Drese
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wir behandeln in dieser Debatte ein sehr wichtiges Thema, ein Thema, das konkret zur Lebenswirklichkeit von beinahe uns allen und natürlich ganz besonders zum realen Alltag von Kindern und Jugendlichen gehört. Ich finde es deshalb ausgesprochen positiv, dass wir uns heute mit Computerspielen, damit verbundenen In-Game-Käufen und mit Lootboxen beschäftigen, die über sogenannte In-App-Käufe hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Noch mal ganz kurz für uns alle, eine Lootbox ist ein virtueller Behälter in Computerspielen, der zufällige Gegenstände enthält, die für das weitere Fortkommen im Spiel relevant sind. Und ich finde, sehr geehrte Damen und Herren, der vorliegende Antrag ist von der Substanz, von der Tiefe und von der Aufzählung möglicher Maßnahmen zur gesetzlichen Regulierung von Lootboxen und vor allem zum Jugendschutz eine ganz hervorragende Initiative. Das darf man auch mal sagen, und dafür gebührt den antragstellenden Fraktionen ein Dankeschön von mir. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Kinder und Jugendliche wachsen mit digitalen Medien auf. Digitale Spiele zählen mittlerweile zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen. Für einige wird aus dem Zeitvertreib aber auch eine exzessive Beschäftigung. Aktuelle Studien zeigen, dass 60 Prozent der Kinder regelmäßig, also mindestens einmal die Woche digital spielen. Bei den Jugendlichen liegt dieser Anteil bei 72 Prozent und zeigt für die vergangenen Jahre einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. Die Nutzung von digitalen Spielen kann die Hand-Augen-Koordination verbessern, die Entwicklung von Problemlösungsstrategien fördern und die visuell räumlichen Fähigkeiten steigern. Dennoch stehen diesen Vorteilen wohlgemerkt zeitlich begrenztem und kindgerechtem digitalen Spielen auch viele Nachteile entgegen, insbesondere, wenn Kinder und Jugendliche ohne Begleitung im digitalen Raum agieren, denn dann ist die Gefahr besonders hoch, eine Sucht zu entwickeln. Viele Onlinespiele haben suchtfördernde Glücksspielelemente und sind so konzipiert, dass Spielende mit täglichen Aufgaben und Belohnungen zum Weiterspielen und ständigem Wiederkommen animiert werden. Die Kritik in diesem Zusammenhang an den Lootboxen ist nicht neu, aber sie wird größer. Und das ist auch gut so, denn Lootboxen, oft optisch als Schatztruhe dargestellt, haben ein hohes Suchtpotenzial mit gesundheitlichen, sozialen und finanziellen Folgen für viele Gamer. Dennoch werden Lootboxen in Deutschland – im Gegensatz übrigens zu anderen EU-Ländern – nicht als Glücksspiel reguliert. Deshalb stehe ich absolut hinter dem Anliegen dieses Antrags. Wir müssen in allen Bereichen viel mehr Maßnahmen gegen Suchtgefahren ergreifen, präventiv und regulativ. Viele Puzzleteile tragen dazu bei, Missbrauch und Sucht zu bekämpfen. Zurück zu den Lootboxen. Aber hier sind erste Schritte gemacht. Mit der Novelle des Jugendschutzgesetzes im Jahr 2021 hat der Bund auf das Problem reagiert und nicht nur die Konfrontationsrisiken, sondern auch die Interaktionsrisiken gesenkt. Anbieter von digitalen Medien haben für die Altersfreigabe durch die obersten Landesjugendbehörden unter anderem auf Kostenfallen, Chatfunktionen oder Gewaltdarstellung hinzuweisen und altersgerechte Voreinstellungen zu ermöglichen. Dies ermöglicht wiederum Eltern eine verantwortungsvolle Entscheidung, zu welchen Spielen sie Kindern und Jugendlichen Zugang gewähren. Eltern müssen dieser Verantwortung dann aber auch gerecht werden. Auch die Landesregierung hat die Glücksspielsucht ins Visier genommen. Wir fördern die Glücksspielsuchtprävention. Wir haben über unsere fabelhafte Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen, kurz LAKOST, eine eigene Landesfachstelle Glücksspielsucht eingerichtet und fördern regionale Schwerpunktberatungsstellen für Betroffene und Angehörige. Bei den von der LAKOST veranstalteten Elternabenden zur Aufklärung über die Gefahren von Mediensucht und Möglichkeiten der Suchtprävention berichten die Erziehungsberechtigten regelmäßig von vermuteten Abhängigkeiten ihrer Kinder von Onlinespielen, aber auch über durch Kinder und Jugendliche getätigte Käufe im Zusammenhang mit Lootboxen, zum Teil in Höhe mehrerer Tausend Euro. Dies verdeutlicht die realen Probleme im Zusammenhang mit Lootboxen und die praktische Relevanz der Forderung im Antrag. Ich halte eine Ausgabenbegrenzung in Videospielen mit In-App- beziehungsweise In-Game-Käufen als einen zentralen Schritt, um die durch Glücksspiel hervorgerufenen finanziellen Probleme und die dadurch benannte Spirale aus Armut, Perspektivlosigkeit und eventueller Illegalität zu vermeiden. Die Idee der Nutzung von Einnahmen aus entsprechenden In-App- beziehungsweise In-Game-Transaktionen für Lootboxen für die Glücksspielsuchtprävention begrüße ich ebenfalls. Hinsichtlich der Medienbildung an Schulen in M-V bedarf es einer grundsätzlichen Diskussion, um dem Spannungsfeld und der Anforderung aus medienpädagogischer, suchtpräventiver und kriminalitätsvorbeugender Perspektive gerecht zu werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Antrag schlägt substanzielle und strukturelle Änderungen im Sinne von Verhaltensprävention vor. Das entspricht auch einer zentralen Forderung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen zur Gewährleistung von Verhaltensprävention im digitalen Raum, einschließlich der Abgrenzung von Computerspielen und Glücksspiel. Die aufgeführten Maßnahmen im Antrag können die bestehenden Angebote im Land, vornehmlich im Bereich von Verhaltensprävention von Kindern und Jugendlichen sowie Eltern, komplementieren. Gleichzeitig möchte ich anerkennen, dass über viele der aufgeführten Forderungen ein ressortübergreifender und ausschussübergreifender Austausch notwendig ist, etwa zum Glücksspielrecht, zum Medienrecht, zum Werberecht und Europarecht. Zum Abschluss möchte ich Ihnen einen ersten Vorschlag machen. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Suchthilfe der Gesundheitsministerkonferenz der Länder existiert eine Unterarbeitsgruppe Glücksspiel. Wir sind dort aktives Mitglied und können wesentliche Forderungen aus dem Antrag dort platzieren. Und wir können uns zügig als Sozialministerium auf Bundesebene für eine klare gesetzliche Regulierung von Lootboxen und glücksspielähnlichen Mechanismen in Videospielen vor allem mit Blick auf Gesundheitsförderung, Suchtprävention und Jugendschutz einsetzen. Deswegen nochmals herzlichen Dank für die Debatte heute! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
