landtag-mv.de ↗

Hannes Damm

GRÜNE 15.05.2025 Sitzungen 8/106

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete der Demokratischen Fraktionen! Es freut mich außerordentlich, für meine Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eine Zustimmung zu dem Antrag zur „Spitzenforschung in M-V – Plasma- und Fusionsforschung stärken“ ankündigen zu können, und es hat zwei Gründe: erstens, dass wir es geschafft haben, einen gemeinsamen Änderungsantrag mit SPD und LINKE, ja, in letzter Minute sozusagen noch zu erzielen, mit einer – neben fachlichen Korrekturen, die ich mir natürlich als Plasma- und Fusionsforscher nicht nehmen lassen konnte – wichtigen Klarstellung für uns GRÜNE, nämlich, dass die Kernfusion nicht geeignet ist, um die Verfehlungen der Klimaziele der Vereinten Nationen in den nächsten Dekaden zu verhindern. Dafür kommt sie nämlich leider zu spät. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Denn wenn Fusionsforschung zum relevanten Einsatz der Technologie in Kraftwerken geführt haben wird, sind die Klimaziele längst unerfüllbar verpasst. Das heißt nicht, ausdrücklich nicht, dass man als Menschheit die Fusion nicht erforschen und einsetzen möchte und sollte, ganz im Gegenteil, kann sie doch in Zukunft wichtiger Teil eines fossilfreien Energiesystems sein. Dennoch muss weit vor der massenhaften Verfügbarkeit von Fusionsenergie die vollständige Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien gelungen sein. Ein Zuwarten auf die Fusion ist nicht vertretbar, wenn man die Lebensgrundlage der Menschheit erhalten will. Dass wir das mit SPD und LINKEN noch mal gemeinsam klarstellen konnten, ist für uns GRÜNE natürlich zentral, denn wir GRÜNE haben in den letzten neun Jahren seit oder wegen meinem Parteieintritt eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Kernfusion geführt. (allgemeine Heiterkeit) Es zeigt übrigens wieder einmal, (Julian Barlen, SPD: Bescheiden!) dass, (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der SPD – Julian Barlen, SPD: Bescheiden wie immer!) dass GRÜNE sich in ihrer Politik eben nicht von Ideologie, sondern von Fakten leiten lassen, denn mit Blick auf unseren Parteiursprung, auch in der Antiatomkraftbewegung, war es sicherlich kein Automatismus, dass wir uns heute mit Beschluss eines Antrags auf unserem Bundesparteitag 2024 – Herr Barlen, dann ja, auch aus meiner Feder – klar pro Kernfusionsforschung positioniert haben. Es ist aber auch kein Verrat an den Wurzeln, da es in den 1950er-Jahren, also dem Beginn der Antiatomkraftbewegung, schlicht noch überhaupt keine Kernenergieforschung gab. Das erste theoretische Konzept von Lyman Spitzer 1951 zum Stellarator und im selben Jahr von den Russen Sacharow und Tamm, auch 1951, das sind die Ursprünge dieser Forschung. Und da kann man jetzt auch keinem vorhalten, dass man das noch nicht absehen konnte, auch wir GRÜNEN nicht. Seither gab es in der Tat einen rasanten Fortschritt. Allerdings – das sage ich selbstkritisch auch als Fusionsforscher, allerdings nicht aus der Letzten Generation – haben wir da zu früh viel zu viel versprochen, und das ist eben total gefährlich. Deswegen komme ich auch auf diesen zweiten Teil noch mal zurück, wo wir GRÜNE gesagt haben oder sagen wollten, die Lasertechnologie an sich hat in den letzten zehn Jahren eine rasante Entwicklung vollzogen. Die Technologie der Laserfusion jedoch – bei „rasanter Entwicklung“ kann man sich noch streiten, beim Bedeutungszuwachs würde ich das wirklich mal zweischneidig sehen. Das Problem ist hier, diesen Fehler haben die Magnetfusionsforscher gemacht, am Ende des letzten Jahrhunderts zu viel zu versprechen. Und dann kam berechtigt die Frage: Ja, wo ist denn das jetzt? Warum haben wir denn jetzt Fördermittel reingesteckt? Und deswegen möchte ich an dieser Stelle auch noch mal ein bisschen zur Bedächtigkeit raten. Ja, wir sollten Fusion, wenn sie da ist, einsetzen, wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist, weil es eben keine Jahrtausende strahlende radioaktive Abfälle gibt. Wir sollten sie einsetzen, weil keine Gefahren von Kernschmelze und damit keine Atomreaktorkatastrophen wie in Tschernobyl oder Fukushima drohen. Aber ja, wir müssen auch Ja zu den Erneuerbaren sagen, wichtig hier, die nicht in finanzieller Konkurrenz mit den privatwirtschaftlichen, also der privatwirtschaftliche Ausbau der Erneuerbaren nicht in finanzieller Konkurrenz mit der staatlichen Forschung an der Fusion steht. Und wenn wir Ja sagen zur Fusionsforschung, dann gibt es da auch noch einen weiteren Grund dafür, nämlich die Geopolitik. Das wurde im Antrag ja auch kurz erwähnt. Wenn wir die Forschung nicht staatlich machen, nicht hier in Europa machen, dann werden Staaten wie China vorangehen. Machen sie bereits, sie drohen bereits, Europa technologisch abzuhängen. Und dann müssen wir, wenn es eingesetzt werden soll, auch wenn wir es nicht selbst erforschen, das von China abhängig einkaufen. Das wollen wir auch nicht. Wir brauchen aber auch Lösungen für die Lithium-Verfügbarkeit, Tritium-Zugriff in dieser Welt, wo wir in Deutschland momentan gar keine Möglichkeit haben, das zu erzeugen. Damit muss ich sagen, also die Gründung in Rostock, die darf zu keiner weiteren Verschärfung der Fachkräftekonkurrenz, die es ja auch mit Start-ups bereits heute gibt, im Fusionsforschungsbereich führen, weil wir eben diese Magnetfusionsforschung auch brauchen. Und da hoffe ich auf eine gute Zusammenarbeit zwischen HEDI und IPP, auch unter wohlwollender Begleitung des Landes, damit eben nicht die Laser- die Magnetfusion aussticht – wobei man klar sagen muss, die Laserfusion ist noch weit hinter der Magnetfusion hinterher –, sondern wir haben ein Interesse daran, das auch zu erforschen, da Grundlagenforschung zu betreiben. Wie so oft geht es aber dann nur gemeinsam, nicht in Konkurrenz, sondern in Zusammenarbeit. Und dann gelingt es uns auch, im Bereich der Laser-, nicht der Hochenergiedichtephysik, aber der Laserphysik vielleicht auch hier in Mecklenburg-Vorpommern führend zu werden, Spitzenforschung zu betreiben. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Hannes Damm Protokoll ↗