Bettina Martin
Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Zunächst möchte ich mich auch bedanken für diesen Antrag, der in der Tat ein klares Signal ist, dass Mecklenburg-Vorpommern auf diese Zukunftstechnologie setzt. Und insofern danke für diese Initiative! Mecklenburg-Vorpommern insgesamt setzt bereits seit vielen Jahren auf die Fusionsforschung und die daraus langfristig ableitbaren Technologiepotenziale für energetische Anwendungen. Und M-V hat das auch schon zu Zeiten getan, als von außen noch gesagt wurde, na ja, eher geunkt wurde, ob das nicht eher was für Träumer und Schwärmer ist. Und sogar in einer Zeit, als es erheblichen Widerstand auch eben bei uns im Land gab gegen diese Zukunftstechnologie, nämlich nach dem Unfall in Fukushima, war es die jetzige Ministerpräsidentin, damalige Sozialministerin Manuela Schwesig, die sich politisch sehr stark für die Durchsetzung eben der Weiterführung der Förderung dieser Zukunftstechnologie auch einsetzte. Dieses Engagement, was Mecklenburg-Vorpommern, was die Landesregierung über viele Jahre jetzt eingebracht hat, zeigt heute Früchte, denn aktuell nimmt das Thema bundesweit und weltweit erheblich Fahrt auf. Wir haben es gerade gehört: Was lange Zeit so als reine Zukunftsmusik ohne konkrete, ja, sagen wir, oder zumindest ohne kurzfristige Umsetzungsperspektiven betrachtet wurde, ist durch die Energiekrise, durch den Energiekrieg, (Harry Glawe, CDU: Mal Herrn Gomolka nicht vergessen!) durch den Klimawandel in seiner Bedeutung grundlegend verändert worden. (Zuruf von Harry Glawe, CDU) Und jetzt gilt die Kernfusion also neben den erneuerbaren Energien oder eben zusammen mit den, in Ergänzung zu den erneuerbaren Energien als potenziell einzige realistische und langfristige Alternative für sichere, günstige und vom Import unabhängige Energiequellen. Und daher noch mal danke für diesen Rückenwind an die Regierungsfraktionen, denn dieser Antrag, der ja im Grunde unsere Forschungsaktivitäten, unser Engagement hier im Land noch mal unterstreicht, das ja weltweit, und das nicht nur in der wissenschaftlichen Fachwelt, hoch beachtet ist. Denn Mecklenburg-Vorpommern steht durch seine Investitionen schon jetzt mit an der Spitze. Wir sind Standort des Fusionsexperiments „Wendelstein 7-X“ – wir haben es gerade gehört –, und damit verfügt unser Bundesland über den weltweit erfolgreichsten Fusionsreaktor, der nach dem Stellarator-Konzept arbeitet. Wir haben damit wirklich einen hochexzellenten Standort. Absolute Spitzenwissenschaftlerinnen und Spitzenwissenschaftler aus der ganzen Welt kommen dorthin, um dort zu forschen. Und ich glaube, da können wir auch wirklich drauf stolz sein und darauf auch natürlich weiter setzen. In einer Allianz zwischen Max-Planck-Gesellschaft und Helmholtz-Gemeinschaft einerseits und Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit dem Bund andererseits haben wir das Projekt zu einem weltweiten Erfolg werden lassen. Und es wurde auch ordentlich investiert. Um da mal, ja, eine neue Dimension zu zeigen: Von 1995 bis 2025 flossen insgesamt 1,8 Milliarden Euro in das Max-Planck-Institut für Plasmaforschung, in das IPP an seinem Standort in Greifswald. Um mal zu sagen, wie in etwa auch das Verhältnis von Bundesmitteln/Landesmitteln und EU-Förderungen ist, sage ich mal die Zahlen: Rund 1,3 Millionen Bundesmittel, über 311 Millionen EU-Projektförderungen und insgesamt 200 Millionen Euro Landesmittel sind geflossen. Und was auch hoch attraktiv für das Land ist, dass nämlich Großforschungseinrichtungen im laufenden Geschäft institutionell im Verhältnis 90 : 10 gefördert werden. Und in den vergangenen 30 Jahren ist die Kernfusion mit Plasmen im Magneteinschluss damit eben über viele Jahre auch erforscht worden. Und es gibt aber auch ein zweites Standbein, das wir gerade ausbauen. Und diese andere Methode – auch das haben wir gerade gehört –, die das Fusionsplasma allein durch Laserenergie entzündet, das wurde lange als nicht so sehr vielversprechend angesehen, bis jetzt jüngst in den USA ein erfolgreiches Durchbruchexperiment im Grunde der Startpunkt war für weltweite Aktivitäten. Und auch in diesem Bereich ist die Forschung in M-V bereits vorne mit dran. Wir haben schon aus der DDR-Zeit eine unglaublich starke Physik an der Universität Rostock. Und Wissenschaftler, die weltweit gefragt sind, arbeiten in Rostock an der Physik, um gerade auch in diesem Hochenergiedichtebereich aktiv zu sein. Mir hat zum Beispiel Professor Kraus, der wirklich weltweit gefragt ist, gesagt, er ist sehr bewusst nach Rostock gekommen, weil das wirklich einer der, sage ich mal, heißesten Standorte im Moment ist, wenn es um Laserfusion geht. Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen haben gemeinsam dieses Potenzial auch in diesem Bereich der Fusionsforschung erkannt. Im August 24 haben Manuela Schwesig, die Ministerpräsidentin, und der Ministerpräsident aus Sachsen, Kretschmer, eine Absichtserklärung unterzeichnet zur Gründung eines Instituts für Hochenergiedichtephysik am Standort Rostock, das sogenannte HEDI. Und damit sind wir ein Commitment eingegangen, dass wir hier wirklich weiter an der Spitze forschen wollen und damit auch ein zweites Standbein entwickeln – einerseits die Kernfusion mit Plasmen im Magneteinschluss und andererseits eben die Laserfusion. Und man muss hier klar sagen, es ist noch nicht ausgemachte Sache, in welche Richtung wirklich die Anwendung dann geht. Insofern wollen wir da in beiden Bereichen auch mit oben dabei sein und weiter auch diese Stärke ausbauen. Ich möchte hier auch noch mal erwähnen, dass auch bereits die jetzt ausgeschiedene Bundesregierung mit dem Programm „Fusion 2040“ sehr stark schon darauf sich ausrichtete. Wir waren da auch mit in den Gesprächen im damaligen BMBF, und ich bin wirklich sehr froh, dass es jetzt gelungen ist, auch im Rahmen der Koalitionsverhandlungen mit der neuen Bundesregierung da auch ein sehr, sehr klares Commitment im Koalitionsvertrag zu verankern. Ich war da ein sehr gutes Team mit den Bayern, dem bayerischen Forschungsminister in der AG zu Forschung und Innovation, wo wir sehr klar verankert haben das Thema Fusionsforschung, eine Stärkung der Fusionsforschung. Und für uns ist klar, dass, den Auftrag, den wir sehr gerne annehmen als Landesregierung, hier auch jetzt im Laufe der nächsten Monate sehr klar darauf zu drängen, dass das Potenzial, das wir jetzt auch vom Bund her in der Fusionsforschung, in der Unterstützung der Fusionsforschung erwarten können, dass da auch ein erhebliches Maß auch in Mecklenburg-Vorpommern an Unterstützung und Förderung landet. Da bin ich mir auch mit dem bayerischen Forschungsminister einig. „Wendelstein“ immerhin ist ein gemeinsames Projekt. Insofern ist da wirklich viel Potenzial. Ich danke noch mal für diesen, für diesen tollen Antrag, bin sehr froh, dass es gelingt und uns gelungen ist, die Forschung in beiden Bereichen auf feste Füße zu stellen. Wir, wie gesagt, durch die Absichtserklärung zum HEDI sind da auch zu allen „Schandtaten“ bereit und freuen uns auf die Entwicklung. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
