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Jutta Wegner

GRÜNE 14.05.2025 Sitzungen 8/105

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Um zunächst einmal positiv zu beginnen, möchte ich gern wiederholen, was bereits mein Kollege Hannes Damm in der Ersten Lesung hervorgehoben hat: Viele Veränderungen für Studierende sind absolut sinnvoll und richtig. Wenn in den Fachwissenschaften die angehenden Lehrkräfte nicht gemeinsam mit den angehenden Naturwissenschaftler/-innen studieren, ist das gut. Dies wird aller Voraussicht nach einige neue Lehrkräfte in den MINT-Fächern akquirieren, da das Studium an dieser Stelle nun deutlich praxisnäher ausgestaltet wird. Darüber hinaus sehen wir es jedoch kritisch, dass Praxisphasen zwar qualitativ gestärkt werden, der Gesetzentwurf bezüglich der notwendigen Ausweitungen der Praxiserfahrungen jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Natürlich ist es essenziell, den Studierenden nach ihren Praktika an der Universität die Möglichkeit zu geben, ihre Praxiserfahrungen zu reflektieren. Im Grunde sollte dies selbstverständlich sein. Dennoch greift es unseres Erachtens zu kurz, den Lehrkräfteberuf bis zum Referendariat weitestgehend theoretisch zu erlernen. Lehramtsstudierende sollten von Anfang an im Schulalltag hospitieren und mit steigender Zahl von Semestern auch selbst regelmäßig begleitete Unterrichtserfahrungen sammeln. Dafür bedarf es aber eines engen Mentorings. Dass Lehramtsstudierende heute bereits ganze Klassen in Teilen allein übernehmen und als Hilfslehrkräfte noch mitten in der Ausbildung völlig überfordert werden, ist dezidiert nicht das, was wir wollen. Diese gängige Praxis schreckt junge Menschen eher ab, anstatt sie zu motivieren. Darauf verwiesen auch die Vertreter der Studentischen Lehramtskonferenz der Uni Rostock in der Anhörung. Junge Studienanfänger stellen sich bereits am Anfang ihrer Ausbildung die Frage, ob sie selbst das Potenzial einer Lehrkraft besitzen. Erst viel zu spät wird diese im Studium beantwortet und sollte frühzeitiger behandelt werden. Das Referendariat allein reicht nicht aus, um theoretisches Wissen in einen guten Unterricht zu übersetzen. Das landesweite Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung bestätigte diese Aussage ebenfalls und wies darüber hinaus darauf hin, dass beispielsweise in der beruflichen Bildung die meisten Studierenden nach den Praxisphasen verloren gehen. Ist dies ein alleiniger Verweis auf eine nicht ausreichende Ausbildung oder eventuell auch ein Hinweis darauf, dass der berufliche Alltag und die Rahmenbedingungen viele junge Menschen vom Lehrkräfteberuf zurückschrecken lassen? Unserem Erachten nach ist es beides. Selbst in einem Bundesland mit einem optimalen Lehramtsstudium stünden die Absolventen am Ende vor einem kaputtgesparten Bildungssystem, heterogenen Klassen, schlechter Ausstattung und Fachkräftemangel. (Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: So ist es.) Letzteres ließe sich beheben, würden wir die Schulen mit Material, Räumen und vor allem Personal so ausstatten, dass Lehrkräfte überhaupt erst die Voraussetzungen für einen guten Unterricht hätten. Viele bemühen sich, aus dem wenigen Vorhandenen das Beste zu machen, viele landen aber auch schnell selbst im Burn-out. Damit möchte ich mich mit dem zweiten zentralen Kritikpunkt meiner Fraktion zuwenden, der mangelnden sonderpädagogischen Ausbildung der angehenden Lehrkräfte. Wir haben nicht nur die Inklusionsstrategie der Landesregierung und darüber hinaus das mittelbis langfristige Ziel, Inklusion im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen, wir haben auch nach Ansicht aller Expert/-innen und Praxiserfahrenen den zunehmenden Fakt heterogener Klassen. Von der Grundschule über die Regionalschule bis in die Gymnasien stehen die Lehrkräfte nicht mehr einheitlich lauschenden Schüler/-innen gegenüber – wenn es diese denn jemals gab –, sondern Kindern, deren Bedarfe, sei es hinsichtlich von Lese-Rechtschreib-Schwächen, Dyskalkulie, emotional-sozialer Auffälligkeiten oder ADHS, divers sind. Darauf müssen die Studierenden pädagogisch, fachlich und emotional vorbereitet werden. In der Anhörung bedauerte die Uni Greifswald beispielsweise, dass die Anzahl der Leistungspunkte in den sonderpädagogischen Fächern insbesondere für die angehenden Regionalschullehrer/-innen reduziert wurde. Damit fehlen vertiefte Kenntnisse, um sonderpädagogische Unterstützungsbedarfe zu erkennen und darauf aufbauend präventiv und inklusiv ausgerichtete Maßnahmen auszuwählen und anzuwenden. Insbesondere im Grundschulbereich seien entsprechend die inklusions- und sonderpädagogischen Schwerpunkte zwingend in verpflichtende Module für alle Studierenden umzugestalten, (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) denn Leidtragende sind am Ende nicht nur die angehenden Lehrkräfte, sondern auch die Kinder. Nur, wenn diese so unterstützt werden, wie sie es benötigen, können sie ihr volles Potenzial entfalten. Wir brauchen Fachkräfte statt Schulabbrecher und Schulen, in denen die Kinder gesehen werden, anstatt zwischen Lehrplänen und überforderten Lehrkräften zerrieben zu werden. Da der Gesetzentwurf einige Verbesserungen enthält, an vielen Stellen aber noch lange nicht ausreichend durchdacht ist, wird sich meine Fraktion enthalten. Ich bitte aber um Zustimmung zu unserem Entschließungsantrag. – Vielen herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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