Bettina Martin
Das hoffe ich auch sehr. Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Vor Ihnen liegt eine tiefgreifende, eine große Reform der akademischen Lehrkräftebildung. Nach der Reform des Referendariats folgt nun die Reform des Lehramtsstudiums, und die gesamte Lehrkräftebildung, (Torsten Renz, CDU: Genau!) also von der ersten bis zur dritten Phase, (Zuruf von Torsten Renz, CDU) wird nun in einem Guss, in einem neuen Gesetz geregelt. Mit einem breiten Maßnahmenpaket gehen wir die Probleme an, denn wir brauchen an unseren Schulen in Mecklenburg-Vorpommern zügiger und besser ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, die neue Kompetenzen mitbringen, um den Herausforderungen heterogener Klassenzusammensetzungen, des gesellschaftlichen und technologischen Wandels besser begegnen zu können, denn das Lehramtsstudium in seiner bisherigen Form ist zu theoretisch, zu starr, zu unflexibel, ist zu lang und zu überfrachtet. Mit dieser großen Reform der Lehrkräftebildung werden wir das ändern und setzen heute einen der politischen Schwerpunkte der Regierungskoalition für diese Legislaturperiode in die Tat um. Wir schaffen eine moderne Ausbildung, die die angehenden Lehrkräfte auf ihre wichtigen Aufgaben in unserer Schule besser vorbereitet. Wir sorgen dafür, dass mehr junge Menschen, die sich wünschen, Lehrer oder Lehrerin zu werden, ihren Wunsch in die Tat umsetzen können und nicht auf halbem Wege aus Frust ihr Studium einfach abbrechen. Wir machen die Lehrkräftebildung attraktiver, mit einem stärkeren Fokus auf die Praxiserfahrung und mit einer besseren Studierbarkeit. Und wir werden mit den neuen Regelungen auch neue Zielgruppen für ein Lehramtsstudium anziehen. Und dafür investiert die Landesregierung erheblich in die Lehrkräftebildung an den Hochschulen, und das trotz der angespannten Situation im Landeshaushalt, 25 Millionen Euro zusätzlich aus dem Landeshaushalt, außerdem fast 13 Millionen aus dem Zukunftspakt für Studium und Lehre. Und auch die Hochschulen steuern etwas bei, (Zuruf von Torsten Renz, CDU) wobei wir davon ausgehen, dass ein Teil des Geldes, was von den Hochschulen mit draufgelegt wird, sich eben aus der Reform selbst auch heraus refinanziert. Insgesamt werden so in den kommenden fünf Jahren 50 Millionen Euro in eine moderne und attraktive Lehrkräftebildung in M-V fließen. Zusammen mit den Hochschulen legen wir in diesem Land einen Schwerpunkt auf die Lehrkräftebildung. Und das ist auch richtig so! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Denn – und diese Zahl habe ich in der Tat hier auch schon mal genannt – bis 2030 brauchen wir mindestens 2.450 neue Lehrkräfte. Wir brauchen ausreichend motivierte und hervorragend ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer für die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen. Dabei wird uns diese Reform helfen. Und dafür lohnt sich jeder Euro, den wir investieren, meine Damen und Herren. Mit dieser Reform werden wir eines der modernsten Lehrkräftebildungsgesetze in der Bundesrepublik haben. Die Ergebnisse der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission, die auf Bundesebene im vergangenen Jahr auch vorgelegt wurden, diese Ergebnisse sind direkt auch in diesen Gesetzentwurf eingeflossen. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Mein Haus hat diese Reform über lange Zeit direkt auch mit allen Beteiligten besprochen, vorbereitet, in einem langen, intensiven Beteiligungsprozess. Alle Beteiligten wurden miteinbezogen, ihre Einwände, ihre Ideen ausgewogen und auch intensiv diskutiert miteinander. Und dafür möchte ich an dieser Stelle auch mal allen Danke sagen, die sich daran beteiligt haben. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Sowohl nach der Ressort- als auch nach der Verbandsanhörung haben wir viele wichtige Impulse aufgenommen. Das gilt beispielsweise für die Sonder- und Inklusionspädagogik. Da haben wir nachjustiert. Pflichtanteile wurden wieder aufgenommen, es wurden Wahlmöglichkeiten im neuen Profilbildungsbereich und die Möglichkeiten der Schwerpunktsetzung in den Lehrämtern an Grund- und beruflichen Schulen eingeführt. Und natürlich wird es auch weiterhin eigene Lehramtsstudiengänge für Sonderpädagogik in der Primarstufe und der Sekundarstufe I geben. Damit liegt nun insgesamt ein ausgewogenes Konzept für die Sonder- und Inklusionspädagogik vor, und es wird damit nicht weniger, sondern mehr sonderpädagogische Kompetenz an den Schulen geben. Ich habe in der Ersten Lesung und den Ausschusssitzungen die vielen Maßnahmen, die dieses Reformpaket ja auch umfasst, bereits umfassend erläutert und mit Ihnen diskutiert. Ich will mich deswegen nur auf noch ein paar Highlights konzentrieren. Es wird in Zukunft mehr Bildungswissenschaft geben, es wird mehr Fachdidaktik geben, denn das ist das wichtige Rüstzeug für die Lehrkräfte. Dafür werden wir bei den Fachwissenschaften reduzieren, denn die Studierenden – und das sagen sie uns ja auch immer wieder – wollen ja nicht Professorin oder Professor werden, sondern sie wollen Lehrer werden in den Schulen, bei den Kindern und bei den Jugendlichen. Und so ist es, dass wir die Fachwissenschaften reduzieren, aber selbstverständlich – und das möchte ich hier auch noch mal betonen – KMK-konform. Wir werden auch bei den Fachwissenschaften, sowohl bei der Regionalschule als auch im Vergleich zu den Gymnasialschulstudiengängen in anderen Ländern, etwa im Mittelfeld liegen. Insofern wird es selbstverständlich ein KMK-konformer Abschluss sein. Das heißt, die Abschlüsse werden bundesweit anerkannt. Das sage ich an alle, die da immer noch dran zweifeln. Es wird in Zukunft einen stärkeren Fokus auf die Praxis geben. Diese Praxis wird besser begleitet werden durch Mentorinnen und Mentoren, durch Hochschullehrende. Und es wird in Zukunft weniger Hürden und mehr Flexibilität geben beim Hochschulzugang, zum Beispiel für Berufsschullehrkräfte. Das möchte ich hier auch unbedingt erwähnen, dass wir hier die Hürden abbauen, dass wir hier auch noch attraktiver werden, weil die Berufsschullehrkräfte werden gerne in der Diskussion immer wieder vergessen. Und die sind besonders wichtig, weil da haben wir einen ganz besonderen Bedarf im Land. Und noch einen Punkt will ich aus dem Maßnahmenpaket auch herausgreifen. Wir werden die sogenannte Studierbarkeit verbessern. Das klingt so ein bisschen spröde, aber was heißt das genau: Zum Beispiel werden wir die Lehramtsstudierenden in den ersten Semestern, gerade im MINT-Bereich, extra in Seminaren unterrichten und eben nicht mehr gemeinsam mit den Bachelorstudierenden. Und damit werden sie besser auch auf ihren Lehrerberuf schon von Anfang an vorbereitet.
