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Jutta Wegner

GRÜNE 10.04.2025 Sitzungen 8/103

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, es ist wichtig und richtig, sich mit dem Thema „Handynutzung in unseren Schulen“ auseinanderzusetzen. Das Handy und andere digitale Endgeräte gehören zum Leben unserer Kinder und sind auch nicht mehr wegzudenken. Dennoch müssen wir auch über die Risiken sprechen und wie wir damit umgehen. Aber komplexe Herausforderungen lassen sich nicht mit einfachen Antworten lösen. Wir haben alle eine Meinung zu dem Thema, gehören diese Geräte, es ist schon gesagt, doch auch zu unserem Alltag und sind Fluch und Segen zugleich. Aber gerade deshalb müssen wir uns damit auseinandersetzen, welche Folgen Handynutzung für unsere Kinder haben kann und hat. Deshalb ist eine aktive Medienbildung so wichtig, um unsere Kinder und Jugendlichen im Netz nicht ungeschützt zu lassen. Wir brauchen im Unterricht bereits ab der Grundschule eine verstärkte Auseinandersetzung zu Medienkompetenz und Perspektiven zu den Themen Cybermobbing, Desinformation und kindgerechten Onlineräumen. Wir brauchen Lehrkräfte, die gemeinsam mit den Schüler/- innen sich mit dem Thema auseinandersetzen, gerade auch, weil es Eltern gibt, die ihre Kinder zwar mit Warnweste und Auto bis an das Schultor bringen, sie vor Drogen und Alkohol schützen, die Gefahr in den sozialen Medien aber nicht erkennen. Nur so können Schülerinnen und Schüler einen verantwortlichen Umgang mit den Medien lernen. Hierzu brauchen die Lehrkräfte Zeit, gute Fortbildungen und ein Medienbildungskonzept, um in einen vertrauensvollen Austausch mit ihren Schüler/-innen zu kommen. Pauschale gesetzliche Verbote, wie sie hier beispielsweise die AfD einfordert, bringen uns nicht weiter. Denken wir doch an unsere eigene Schulzeit. Verbote haben uns doch nur herausgefordert, sie zu umgehen. Schulen müssen digitale Lebensrealitäten ernst nehmen, (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD) pädagogisch ab der Grundschule intensiv begleiten und dürfen Handys nicht einfach nur ausklammern. Dazu müssen Schulen und Elternhäuser Hand in Hand arbeiten. Nur mit präventiver Arbeit und einer hohen Sensibilisierung der Eltern kann den Herausforderungen der digitalen Welt begegnet werden. Dabei muss allen bewusst sein, Schulen allein können die Probleme nicht lösen, denn mit einem Handyverbot in der Schule ist das Problem doch nicht gelöst. Es verlagert sich nur in die Freizeit und dort drohen die gleichen Gefahren, vor denen wir unsere Kinder schützen wollen, dann doch immer noch. Mobbing, unbegrenzter Zugang zu sozialen Medien und damit verbundene Ängste bis hin zu möglicherweise gar Depressionen sind Themen, vor denen uns die Wissenschaft warnt. Anstatt über ein generelles Handyverbot an Schulen zu debattieren, sollten wir eher über wirksame Regulierung von Social Media beziehungsweise geeigneten Schutzräumen und verbindliche Verantwortlichkeiten der Anbieter sprechen. Die aktuellen Regeln reichen offensichtlich nicht, wenn schon Grundschüler/-innen Zugriff auf Bilder und Filme haben, (Zuruf von Horst Förster, AfD) die ganz bestimmt nicht für ihre Augen bestimmt sind und die sie auch noch nicht einordnen können. (Horst Förster, AfD: Das ist so schnell nicht machbar, das sehen Sie doch.) Von gesundheitsschädlichen Videos über Pornografie bis hin zu verstörenden Kriegsbildern kommen unsere Kinder durch ein nicht ganz wahrheitsgetreues Häkchen bei der Altersangabe an alles heran. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Klimahysterie haben Sie vergessen!) Ein effektiver Kinder- und Jugendschutz im Internet sieht anders aus. An dieser Stelle sind wir politisch gefordert, entsprechende Regularien zu finden. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Für eine gute Handhabung der digitalen Medien bedarf es aber nicht nur des Erlernens des Umgangs mit den Schattenseiten, sondern auch das Erkennen der Potenziale, die in der Digitalisierung liegen. Ein bewusster Umgang mit digitalen Technologien muss geübt werden, und zwar bereits auch in der Grundschule. Insbesondere im Umgang mit Jugendlichen ist es dafür aus unserer Sicht wichtig, in den Schulen Raum für die notwendigen Aushandlungsprozesse, ein Bewusstsein für Gefahren, das Erkennen von Desinformationen sowie die Kompetenzerweiterungen im Umgang mit digitalen Medien zu schaffen. Nur so können die daraus abgeleitete Selbstbestimmung und ein selbstverantwortlicher Umgang im digitalen Raum erlangt werden. Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Mitbestimmung und Augenhöhe anstatt auf Bevormundung. Nur dann können aus ihnen selbstverantwortliche Erwachsene heranwachsen. In den Schulen müssen dafür die Medienregeln gemeinsam und partizipativ in der Schule erarbeitet und in der Hausordnung festgelegt werden. Das ist übrigens auch ein wichtiger Moment, um demokratische Teilhabe, Aushandlungsprozesse und Gesehenwerden zu erlernen. Ein pauschales Verbot und ein Top-Down-Verfahren ist somit spätestens ab Klasse 5 weder alters- noch zeitgemäß. Darüber hinaus bieten Smartphones beziehungsweise digitale Medien Potenziale für die Teilhabe, kulturelle Ausdrucksformen und Kreativität. Wichtig sind dafür vor allem sichere Onlineräume. Schule und entsprechend fortgebildete Lehrkräfte können dabei helfen, sichere und gute digitale Räume zu entdecken und zu gestalten. Eine besondere Situation haben wir aber in den Grundschulen. Lösungen, die für ältere Schülerinnen und Schüler passen, sind nicht eins zu eins auf diese Altersgruppe übertragbar. Sie sind besonders leicht erreichbar, aber auch besonders gefährdet. Ich sage aber auch hier Ja zu einer aktiven und bewussten Medienbildung sowie dem gemeinsamen sowie partizipativen Erarbeiten von Regeln im Umgang mit dem Thema – (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) das tun die Grundschüler im Übrigen jetzt schon in ihren Klassenräumen – und wie sie miteinander zusammenleben, arbeiten und leben wollen. Dieses Thema wird uns noch eine Weile begleiten. Im Bildungsausschuss, wir haben es eben schon gehört, wird es eine öffentliche Sachverständigenanhörung dazu geben. Wir werden uns dort intensiv und sachkundig mit dem Thema beschäftigen. Ich freue mich auf neue Erkenntnisse und gute Hinweise zum Umgang mit dem Thema. Das unterscheidet mich vermutlich von Ihnen, Herr Schult. Sie haben ja gesagt, Sie wüssten schon alles. Das nehme ich für mich nicht in Anspruch. (Horst Förster, AfD: Ausreichend viel. Das ist was anderes!) Meine Meinungsbildung ist noch nicht abgeschlossen. Was ich aber sicher weiß, ist, dass der Antrag der AfD keine geeignete Lösung enthält. Meine Fraktion lehnt ihn deshalb ab. Im Antrag der FDP sind viele Gedanken enthalten, mit denen meine Fraktion übereinstimmt, deshalb stimmen wir Ihrem Antrag zu. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)

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