Torsten Koplin
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Diesen Antrag braucht man eben doch. Der beste Beweis ist die Diskussion um diesen Antrag, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Der Antrag soll zwei Ziele erfüllen, zum einen – die Ministerin hat es gesagt –, zum Thema sensibilisieren. Ich werde noch mal auf die Dimension des Themas gleich zu sprechen kommen. (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Also es ist die eine Aufgabe zu sensibilisieren. Das Zweite ist natürlich auch, in diesem Gremium – wir sind das Parlament – darüber zu beraten, in welcher Art und Weise wir den Gesundheitsschutz absichern wollen. (Katy Hoffmeister, CDU: Das steht doch da nicht drin.) Und dann sagen Sie, Frau Kollegin Hoffmeister, na ja, braucht man nicht, worüber wollen wir diskutieren? Über die Erwartungshaltung, die wir jeweils haben – und es ist ja auch deutlich geworden an dem sehr fundierten Redebeitrag von Kollegin Klingohr –, die Erwartungshaltung, die wir damit verbinden, gehört hier auch auf den Tisch. Was natürlich, also es zieht einem wirklich fast die Schuhe aus, der Redebeitrag der AfD, die also völlig die Dimension des Problems verkennt und versucht, das sozusagen ins Lächerliche zu ziehen und dann darauf hinzuweisen, dass Menschen in die Sonne fahren im Urlaub. Auch da gibt es Gesundheitshinweise. (Horst Förster, AfD: Was nützen die?!) Und mit der Hitzeschutzplanung ist hier überhaupt keine Reglementierung, Maßregelung und so weiter verbunden, wie Sie das jetzt versuchen, da schon als Legende zu stricken. Es geht darum, sich auseinanderzusetzen mit der Herausforderung, vor der wir stehen. Also ich persönlich habe vor zwei/drei Jahren von Hans Joachim Schellnhuber, dem ehemaligen Direktor des Potsdamer Instituts für Klimaforschung, (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Wir wissen, wer das ist.) ein Buch gelesen. Ich finde es sehr interessant, immer noch lesenswert, (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Eine Räuberpistole ist das.) obwohl er das 2016 geschrieben hat mit Daten von 2014/2015. Und ich habe gestern Abend spät noch mal drin geblättert, und der fünfte Bericht des IPCC, also fundierte Datenlage, spricht davon, dass wir in diesem Jahrhundert Temperatursteigerungen im Durchschnitt von zwei Grad bis übers nächste Jahrhundert hinaus, bis langfristig acht Grad zu erwarten haben. Die „taz“ hat vor einiger Zeit sehr populärwissenschaftlich mal aufgemacht, was das denn heißen würde. Finde ich sehr interessant, würde das ganz schnell mal wiedergeben wollen. Bei einem Anstieg von – 0,5 Grad, sind wir schon drüber: mehr extreme Wetterereignisse, erleben wir, – 1 Grad: instabile Essensversorgung, – 1,5 Grad, sind wir auch schon drüber, wie wir wissen, Hitzewellen, Fluten, Dürren, kriegen wir frei Haus geliefert über die Medien, – 2 Grad: tödliche Hitzewellen und Essensknappheit, – 3 Grad: Dürre und Hungersnöte bei Milliarden Menschen, – 4 Grad: Hunderte überschwemmte Städte, – 5 Grad: ein Großteil der Erde wird unbewohnbar. Das ist die Dimension, (Horst Förster, AfD: Für Meck-Pomm, ja!) das ist die globale Dimension. (Horst Förster, AfD: Für Mecklenburg-Vorpommern, davon reden wir ja.) Und wir wissen auch, was sich in unserem Land abspielt. Es ist vom WHO-Regionaldirektor Hans Kluge vor einiger Zeit deutlich gemacht worden, im Jahr 2022 4.500 Menschen, die nachweislich durch Hitze gestorben sind. Die Dimension ist aber noch größer – das ist ja vorhin auch gesagt worden –, andere Erkrankungen steigen in ihrer Fallzahl, und das betrifft zum Beispiel auch Allergien. Bei Allergien guckt man ja öfter drüber weg, ja, hat sich erhöht die Anzahl, Allergien führen aber in vielen Fällen zu asthmatischen Erkrankungen. Und wir wissen wiederum aus den Gesundheitsdaten und den Erhebungen bundesweit, dass allein bei asthmatischen Erkrankungen 250.000 Todesfälle im Jahr zu verzeichnen sind in jüngster Zeit. Also das ist die Dimension, über die wir reden. Und weil das hier gesagt wurde, na ja, Sahelzone und so weiter und man passt sich an, der Professor Hanns-Christian Gunga von der Charité hat in dem Buch „Mensch, Erde!“ von Eckart von Hirschhausen mitgeteilt … (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ach, Hirschhausen, der Gute!) Ne, das ist ein Populärwissenschaftler, (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Ach!) kann man sich ja auseinandersetzen, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Superquelle!) wie man sich überhaupt mit Wissenschaft auseinandersetzen sollte, sehr geehrte Damen und Herren von der AfD! Nur, dass Sie wissenschaftsfeindlich sind, das ist das Problem, das Sie haben. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Und der sagt, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Wenn das ein richtiger Wissenschaftler wäre!) der sagt, anders, als viele glauben, passen sich Menschen nämlich nicht an (Horst Förster, AfD: Und ändern ihre Pläne, was?) an die Temperaturveränderungen. Also was wir dann machen können, ist, präventiv zu handeln. Und dieses Vorhaben, das heute hier vorgestellt wird, über das wir, Frau Hoffmeister, gerne mit Ihnen inhaltlich weiter diskutiert hätten, ist eine Präventionsmaßnahme, und als solche nehmen Sie die auch bitte zur Kenntnis. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
