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Hannes Damm

GRÜNE 14.03.2025 Sitzungen 8/101

Das nehme ich gerne, Frau Präsidentin. Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete der demokratischen Fraktionen! Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers. Darauf hat 1910 bereits Jean Jaurès, der Vater der französischen Sozialdemokratie, hingewiesen. Und er hatte recht. Tradition ist kein Zustand oder gar Gegenstand, den wir bewahren und in Kunstharz konservieren können, sondern ein lebendiger sozialer Austausch im Hier und Jetzt, in dem wir durch unsere vielfältigen Interessen unablässig miteinander engagiert sind. Eben darum ist Tradition ein immaterielles Kulturerbe, (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) ein kommunikativer Prozess, in dem wir ständig Bräuche und Werte übermitteln, überprüfen, übernehmen, überarbeiten und manchmal, ja, auch einfach übergehen, wenn sich überkommene Traditionen überlebt hat. Ihr gesellschaftlicher Sinn muss sich bewähren und immer neu verhandelt werden. Es müssen sich Menschen dafür starkmachen und Mehrheiten dafür finden oder Minderheitenrechte dafür eingefordert werden. Und es ist erst dieser diskursive Austausch, diese Aneignung von Tradition, die das Bedürfnis derer stiftet, eine vorläufige Gruppenidentität sozusagen, die sich auf diese Werte und Bräuche verständigen und sie mit Leben füllen, die also das Feuer weitergeben. Mecklenburg-Vorpommern ist reich an kulturellen Traditionen, die unser Land prägen und Identität stiften. Von der niederdeutschen Sprache über traditionelle Handwerkstechniken bis hin zu regionalen Festen – unser immaterielles Kulturerbe ist lebendig und vielfältig. Und es ist ein großer Erfolg, dass bereits mehrere kulturelle Ausdrucksformen aus M-V auf der Bundesweiten Liste des Immateriellen Kulturerbes vertreten sind. Doch anders als in vielen anderen Bundesländern fehlt es in M-V bislang an der eigenen Landesliste. Und richtig, ob Heimatverbände, Museen, ehrenamtliche Initiativen – sie alle leisten wertvolle Arbeit, um unsere kulturelle Tradition lebendig zu halten. Daher muss das Land ihre Arbeit besser vernetzen und fördern und sie bei der Anerkennung und Bewerbung auf Landes- und Bundesebene aktiv unterstützen. Schulen, Universitäten und außerschulische Bildungseinrichtungen sollten unser immaterielles Erbe an kommende Generationen weitergeben können. Wir begrüßen deshalb die im Antrag vorgesehene Zusammenarbeit mit dem Beirat für Niederdeutsch und Heimatpflege sowie die geplante Entwicklung eines umfassenden Förderkonzepts. Als Bündnisgrüne-Fraktion setzen wir uns zudem dafür ein, auch moderne interkulturelle Traditionen, die unser Bundesland bereichern, weiterzuentwickeln. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE) Das Kulturerbe M-V ist eben kein starres Gebilde. Es lebt, es verändert sich, und es spiegelt die Vielfalt der Menschen wider, die hier bei uns leben. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE) Und das mögen Sie nicht verstehen, aber auch Fischerteppiche hat man hier noch nicht in der Steinzeit geknüpft. Das hat sich halt entwickelt. Von den antragstellenden Fraktionen und der Landesregierung erwarten wir daher, dass sie den vorliegenden Forderungsteil im Entwurf zum kommenden Doppelhaushalt 26/27 wirksam auch untersetzen: qualifizierte kulturelle Bildung, interkultureller Austausch, kein Ehrenamt ohne Hauptamt. Und all das muss eben planbar ausfinanziert sein. Denn nur im regen Austausch mit neuen Generationen und anderen Kulturen sowie der Erneuerung der Traditionen unserer aktuellen Herausforderungen eignen wir uns unser Erbe tatsächlich erst an und teilen wir unseren Reichtum mit anderen. Nur sollten wir auch gut zuhören, weil sonst eben aus einem Musikstil schnell Babynahrung wird. Dazu unser Änderungsantrag, den wir hiermit zurückziehen, jetzt, wo die Regierung das auch schon erkannt hatte, wie man denn Hip-Hop richtig schreibt. Ich bin froh, dass die Beatboxer/-innen, um die es ja heute als elementarer Bestandteil des Hip-Hop in M-V zu Recht auch geht, es eben nicht nur tanzen, sich dann nicht mehr, dieses Ding lesen und sich fragen müssen: „Bst d bkfft, bst, bst d bkfft?“, ja?! (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Und kulturelle Bildung, auch die eigene, und kultureller Austausch sind die Lebensversicherung für unsere Tradition und Motoren für unsere gemeinsame Zukunft. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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