landtag-mv.de ↗

Elke-Annette Schmidt

Die Linke 14.03.2025 Sitzungen 8/101

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Mecklenburg-Vorpommern ist ein Land voller kultureller Schätze, die über Generationen hinweg weitergegeben werden. Und dabei sprechen wir beispielsweise von unseren wunderschönen Reetdachhäusern, der Kunst des Zeesbootsegelns und den lebendigen Traditionen wie dem Barther Kinderfest oder dem Malchower Volksfest. Auch hier gestatten Sie mir den Werbeblock für Letzteres. Als Malchowerin bin ich darauf natürlich ganz besonders stolz, und ich kann nur jede und jeden einladen, am ersten Juliwochenende nach Malchow zu kommen. Das ist ein wunderbares Fest mit zwei Festumzügen. Und vor allen Dingen, dieses Fest lebt von den Menschen in unserer Stadt, die das organisieren gemeinschaftlich und gemeinschaftlich feiern. Seien Sie recht herzlich eingeladen! Unser Antrag fordert die Einführung einer eigenen Landesliste für immaterielles Kulturerbe analog zu anderen Bundesländern wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Dies ist ein klares Bekenntnis zur Vielfalt und zur kulturellen Identität unseres Landes. Warum ist das wichtig? Weil Kultur eben nicht nur aus Gebäuden, Gemälden oder Denkmälern besteht. Kultur ist lebendig, sie wird von Menschen weitergetragen, entwickelt sich weiter, prägt unser Zusammenleben und macht uns einzigartig. Es gibt zwar bereits eine bundesweite Liste, auf der viele Traditionen aus unserem Land vertreten sind, von der Niederdeutschen Bühne bis zur Reetdachdeckerei, eine eigene Liste würde diesen wichtigen Ausdrucksformen aber noch mehr Anerkennung verschaffen. Das Verfahren zur Aufnahme in die Liste des Immateriellen Kulturerbes ist anspruchsvoll und vielschichtig. Eine Initiative, ein Verein oder eine Gemeinschaft, die eine Tradition bewahrt, stellt zunächst einen Antrag an die zuständige Stelle des Landes. Dieser Antrag muss unter anderem belegen, dass die kulturelle Ausdrucksform nicht nur eine lange Geschichte hat, sondern auch heute aktiv praktiziert wird und von einer lebendigen Trägergemeinschaft weitergegeben wird. Nach der Einreichung wird der Antrag von einem Fachkomitee geprüft, das die kulturelle Bedeutung, die Authentizität und die Gefährdung der Tradition bewertet. Ein besonderes Augenmerk liegt also darauf, dass das Kulturerbe nicht nur ein Relikt der Vergangenheit ist, sondern auch gegenwärtig eine gesellschaftliche Relevanz besitzt und an kommende Generationen weitergegeben wird. Und sie entwickelt sich eben. Und es gibt eben auch neue Formen, Herr Stein, die hier zu betrachten sind. (Thore Stein, AfD: Na welche?) Nach erfolgreicher Prüfung und Aufnahme in die Landesliste kann die Kulturform zudem für die Bundesliste und sogar die UNESCO-Liste vorgeschlagen werden. Was bringt nun die Aufnahme in die Liste? Der Status als immaterielles Kulturerbe bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Zum einen steigert er die öffentliche Sichtbarkeit und Wertschätzung der Tradition. Eine anerkannte Kulturform erhält leichter Zugang zu Förderprogrammen, kann gezielter in Bildungs- und Forschungsprojekte eingebunden werden und profitiert von einem höheren touristischen Interesse. Zudem stärkt die Aufnahme das Bewusstsein der Trägergemeinschaften für die Bedeutung ihrer eigenen kulturellen Praxis. In vielen Fällen hilft die offizielle Anerkennung, Nachwuchs zu gewinnen und die Weitergabe des Wissens zu sichern. Die Träger der Kulturform erhalten auch Unterstützung bei der Dokumentation und Archivierung ihres Erbes, sodass es eben nicht in Vergessenheit gerät. Dieser Antrag ist weit mehr als ein symbolischer Akt. Er bedeutet Anerkennung für die zahlreichen Gruppen und Gemeinschaften, die unser immaterielles Kulturerbe bewahren. Er schafft eine Grundlage für gezielte Förderung und Unterstützung. Und er sorgt dafür, dass unser kulturelles Erbe eben nicht in Vergessenheit gerät. Denn was heute selbstverständlich scheint, wie eben das Zeesbootsegeln, das Tonnenabschlagen, das niederdeutsche Theater, ist in Wahrheit das Ergebnis jahrhundertealter Tradition. Doch ohne Schutz und Förderung besteht immer die Gefahr, dass solche Traditionen verloren gehen. Gerade in einer Zeit, in der Globalisierung und Digitalisierung vieles verändert, wollen wir uns aktiv für unser kulturelles Erbe einsetzen, aber eben auch die Vielfalt berücksichtigen und auch auf neue Formen schauen. Eine eigene Landesliste bietet die Möglichkeit, nicht nur Traditionen sichtbar zu machen, sondern sie auch gezielter zu unterstützen. Ich möchte noch ganz kurz, bevor meine Zeit abläuft, auf den Änderungsantrag eingehen. Hier ist ein Versehen passiert. Es handelt sich tatsächlich um eine alte Version, die hochgeladen wurde durch die Verwaltung. Das ist schon geändert worden, und natürlich ist inhaltlich da nichts gegenzusetzen. Ich bitte um Unterstützung unseres Vorschlages. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

Alle Reden von Elke-Annette Schmidt Protokoll ↗