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Thore Stein

AfD 14.03.2025 Sitzungen 8/101

Ja, sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kollegen, jetzt muss ich vielleicht nach dem Änderungsantrag der GRÜNEN meine Rede hier noch mal kurz umstellen, weil ich etwas durcheinandergekommen bin, aber da kommen wir gleich zu. Zum Antrag: Sehr geehrte Kollegen, Völker sind nicht nur Ausdruck gemeinsamer ethnischer Herkunft einer großen Anzahl von Menschen, sondern auch gemeinsamer Geschichte und vor allem auch gemeinsamer kultureller Prägung. Das immaterielle Kulturgut eines Volkes ist somit auch stets als Merkmal dieses Volkes zu betrachten. Und letztlich entwickelte jedes Volk, oft über Jahrhunderte, geprägt durch Umwelt, Lebensweise, aber auch Glauben, seine eigene spezifische Kultur. So viel vorab. Zu Ihrem Antrag: Im Feststellungsteil des vorgelegten Antrags wird uns dezidiert erklärt, was hier eben auch noch mal ausgeführt worden ist, was unumstritten und bekanntermaßen zum immateriellen Kulturerbe jener Menschen gehört, die eben durch gemeinsame Geschichte und Abstammung die Volksgruppen der Mecklenburger und Pommern bilden. Die Herausbildung dieser im Antrag genannten landestypischen kulturellen Traditionen geht daher auch oftmals Jahrhunderte zurück, und das ist eben auch ein wesentliches Merkmal, nämlich der zeitliche Bestand, die Überlieferung, die Entwicklung von Generation zu Generation. Und so wird der aufmerksame Leser dann doch schnell hellhörig bei Ihren Ausführungen im Text – das haben Sie hier eben am Pult nicht vorgetragen – zu modernen, weltoffenen „Ausdrucksformen wie die Hip-Hop- oder Demo-Szene“. Da der kurze Einwand: Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, Sie meinen wahrscheinlich die Tanzform – mit dem Doppel-P und dem Doppel bei Hip und Hop, die GRÜNEN haben es ja noch mal korrigiert, es wird mit einem P geschrieben –, aber ich nehme an, Sie meinen diese Tanzform. Und was nun dieser Hip-Hop, welcher seine Ursprünge in der afroamerikanischen Funk- und Soulmusik hat, die aus den städtischen Ghettos Nordamerikas hervorging, mit der norddeutschen Ostseeregion zu tun haben soll, das bleibt dann doch schleierhaft. Vielleicht können Sie dazu noch ausführen?! Aber eine Antwort wird wahrscheinlich darin zu finden sein, dass Ihnen eine kulturelle Überlagerung neben einer ethnischen gar nicht so fernliegt. Und bestätigt wird diese Vermutung dadurch, dass das immaterielle Kulturgut Mecklenburg-Vorpommerns nun zukünftig auch Kulturpraktiken von Menschen mit Migrationsgeschichte einschließen soll. Konkret werden Sie da nicht. Dabei ist es natürlich selbstredend nicht abzustreiten, dass auch hierzulande Kulturausprägungen existieren, die durch Zuwanderung von angrenzenden Volksgruppen beeinflusst wurden. Diese entsprangen aber stets einem doch ähnlichen Kulturkreis. Noch mal zurück zu Ihrem Antrag: Sie weisen darauf hin, dass neben der Bundesweiten Liste für Immaterielles Kulturerbe, die viele Einträge aus Mecklenburg-Vorpommern zwischenzeitlich beinhaltet, in anderen Bundesländern eben auch Landeslisten eingeführt worden sind. Zu nennen wären hier Bayern mit seiner Brautradition, eine wirklich schöne Tradition, dem Drechslerhandwerk, NRW mit dem rheinischen Karneval, der Martinstradition, das Saarland und sein Steigerlied, der Fastnacht an der Saar, Sachsen und das Köhlerhandwerk, seiner Sächsischen Staatskapelle oder auch Thüringen mit seiner Bratwurstkultur und dem Skatspielen, um hier einige Beispiele zu nennen. Wichtig – und da komme ich noch mal zu dem zurück, was ich eben ausgeführt habe –, es sind alles ureigene deutsche Traditionen, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben. Das ist eben auch ein ganz wesentliches Merkmal für immaterielles Kulturerbe. (Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD: Ist es nicht! Das ist falsch!) Und im weiteren Verlauf Ihres Antrags sind durchweg zu bejahende Aspekte aufgeführt. Eine Erfassung und Listung mag ein erster Schritt sein zur Stärkung der Sichtbarkeit des landeseigenen immateriellen Kulturerbes, welches in weiten Teilen im Übrigen auch korrespondiert mit dem materiellen Kulturerbe. Und hierzu wäre im Antrag durchaus auch etwas auszuführen gewesen, denn der Erhalt zahlreicher, dem immateriellen Kulturerbe zuzuordnenden Handwerkstraditionen zum Beispiel ist eben auch engstens verbunden mit dem baukulturellen Erbe in diesem Land. (Enrico Schult, AfD: Sehr richtig!) Und diese Handwerkstraditionen können eben nur durch die Bewahrung, die Sanierung und Restaurierung historischer Gebäude erhalten und weitergereicht werden. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Wenn niemand dieses Handwerk braucht, wird es zwangsläufig aussterben. Dass Sie zu diesem Aspekt im Antrag schweigen, verwundert mich dann persönlich eher weniger, steht es doch eher schlecht um die Bereitschaft, für den Erhalt unserer Baukultur Mittel freizugeben und Personal vorzuhalten. Das merken wir in jeder Haushaltsverhandlung. Eine weitere zentrale Forderung des Antrags ist die Stärkung der bereits eingebundenen Kulturverbände in Mecklenburg-Vorpommern zur Sicherung der Kontinuität und eine Erweiterung des Netzwerks. Die dazugehörige Entwicklung eines Konzeptes bis Mai 2026 mag dahin gehend auch zielführend erscheinen, dieses Konzept darf dann aber auch nicht einfach nur in der Schublade verschwinden. Und im Zusammenhang mit der Erstellung des Konzeptes mögen Sie doch auch einmal prüfen, wie es denn mit den Zuweisungen von Landesmitteln in diesem Bereich aussieht. Dieser ganze Antrag klingt sehr schön, aber letztlich müssen wir dann auch für den Bereich des materiellen und des immateriellen Kulturerbes sagen, da ist noch viel Luft nach oben, wenn es darum geht, eben dieses Kulturerbe dann auch mit den notwendigen Haushaltsmitteln zu unterstützen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Wir sind jedenfalls der Ansicht, dass der Antrag so in eine ganz gute Richtung geht. Allerdings aufgrund der doch in meinen Augen unnötigen Einflechtungen der Ausführungen, die ich anfangs gemacht habe, dass Sie wieder versuchen, eigentlich deutsche Kultur immer noch gleich zu erweitern, werden wir uns hier enthalten, (Zuruf von Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) nicht, weil wir es ablehnen, weil wir es als unnötig erachten und das nicht unbedingt brauchen. – Aber soweit erst mal herzlichen Dank dafür! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)

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