Barbara Becker-Hornickel
Nein. Weil Frauen in Deutschland im 19. Jahrhundert nicht zum Studium zugelassen waren, ging Franziska Tiburtius in die Schweiz, um ihr Medizinstudium aufnehmen zu können. 1871 begann sie mutig ihr Medizinstudium in Zürich gegen alle Widerstände, gegen den Willen vieler Professoren und Kommilitonen. Am 16. Februar 1876 promovierte sie mit der Note „Sehr gut“ zur Doktorin der Medizin. In Berlin eröffnete sie eine Praxis für Frauen. Sie arbeitete nach ihrer Profession, aber durfte ihren Doktortitel in Deutschland nicht führen. Die Komponistin Emilie Louise Friederika Mayer wurde 1812 in Friedland geboren. Dort lebte sie und führte ihrem verwitweten Vater den Haushalt. Nach dem Suizid des Vaters entschloss sie sich, 28-jährig zum Kompositionsstudium nach Stettin zu gehen. Später war Emilie Mayer die am häufigsten aufgeführte Komponistin ihrer Zeit. Ihre Werke wurden zu ihrer Lebzeit unter anderem in Brüssel, Lyon, Budapest, Halle, Leipzig und München aufgeführt. Sie hinterließ ein umfangreiches musikalisches Werk, aber – eine Frau – ihre Werke waren Jahrzehnte für die Öffentlichkeit verloren. In jüngster Zeit werden ihre Werke wieder aufgeführt. Was Frauen bewältigen, hat sich in und nach Kriegen gezeigt. Frauen haben die Arbeit der Männer übernommen, sie haben die Kinder aufgezogen, sich um die Alten gekümmert, sie haben Zerstörung und Fluchten bewältigt, unendliches Leid ertragen. Frauen haben die Trümmer des Krieges weggeräumt, als viele Männer gefallen oder in Kriegsgefangenschaft waren, sie haben Verantwortung übernommen, als es keinen anderen gab, der es tat. Doch kaum war der Wiederaufbau geschafft, wurden sie wieder an den Rand gedrängt. Nach wie vor stoßen Frauen auf Widerstände, wenn sie in Führungspositionen vordringen, wenn sie Macht beanspruchen, wenn sie Freiräume für sich einfordern, weil sie das ganze Leben wollen. Männer geben Macht ungern ab, das zeigt die Geschichte immer wieder. Wer immer privilegiert war, dem kommt Gleichberechtigung manchmal wie Diskriminierung vor. (Beatrix Hegenkötter, SPD: Ja.) Wir müssen genau dafür sorgen, für Freiräume, für Chancengerechtigkeit, für eine Gesellschaft, in der Frauen nicht nur dann gefragt sind, wenn es Krisen gibt. Und im familiären Umfeld müssen Frauen die Kraft haben, sich Freiräume zu schaffen. Die Paare … Wir Frauen erziehen unsere Söhne, das muss ich auch mal sagen. (Beifall Mandy Pfeifer, SPD) Männer müssen bereit sein, ihren Teil an Sorgearbeit zu übernehmen. Und noch einmal in aller Deutlichkeit, es gibt keine Rabenmütter – eigentlich ein Kompliment, gerade den Rabenvögeln wird eine hohe Intelligenz bescheinigt und sie kümmern sich ausgezeichnet um ihren Nachwuchs. In unserem Land gibt es einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Doch die Realität zeigt, dass dieser Anspruch nicht immer eingelöst werden kann. Gewalt gegen Frauen, Unterdrückung und Femizide sind an der Tagesordnung. Dazu heute Nachmittag noch mehr. Und noch ein Wort – die Beschneidung von Frauen, (Horst Förster, AfD: Ja.) ein grausames Ritual, das Millionen von …
