Dirk Stamer
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich ganz besonders, Ihnen heute diesen gemeinsamen Antrag der Fraktionen der SPD und DIE LINKE mit dem Titel „Zukunftssichere Forschung – Künstliche Intelligenz stärken“ vorstellen zu können. Wir leben in einer Zeit, in der digitale Technologien in nahezu alle Bereiche unseres Lebens vordringen. Es ist entscheidend, dass wir die Chancen, die die Künstliche Intelligenz auch für Mecklenburg-Vorpommern bietet, gut und auch verantwortungsvoll nutzen. Künstliche Intelligenz ist vermutlich die zentrale Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts, die große Potenziale für Forschung und Lehre, aber auch Wirtschaft und Gesellschaft bereithält. Sie verändert Wirtschaft und Arbeitsprozesse. In der Forschung ergeben sich neue Forschungsfragen und Ansätze zur Lösung komplexer gesellschaftlicher Herausforderungen. Es ist für Deutschland als führender Wissenschaftsstandort essenziell, die Chancen zu nutzen, die die Künstliche Intelligenz bietet, um Innovationen voranzutreiben und somit auch den Wohlstand, unseren Wohlstand nachhaltig zu sichern. Die Bandbreite des Einsatzes von KI ist sehr groß – von verbesserten Diagnosen in der Medizin über intelligente Energiesysteme bis hin zu digitalen Werkzeugen für Wissenschaft und Verwaltung. KI-gestützte Lösungen können unsere Wettbewerbsfähigkeit als Wissenschaftsland und Wirtschaftsstandort erheblich stärken. Wie unser Antrag betont, haben unsere Hochschulen längst erkannt, welche Potenziale die Künstliche Intelligenz bietet. So hat die Universität Greifswald das Institute of Data Science ins Leben gerufen, um Data-Science- und KI-Kompetenzen universitätsweit zu vermitteln. Die Universität Rostock bündelt Forschung im Bereich der KI im Zentrum AI for Smart Technologies mit den vier Forschungsfeldern wie innovative medizinische Versorgungstechnologien, digitale maritime Technologien, intelligente und nachhaltige Energieversorgung sowie digitale Hermeneutik. Die Hochschule Stralsund geht ebenfalls voran und hat beispielsweise das Institute for Applied Computer Science eingerichtet mit den Forschungsschwerpunkten in der angewandten Informatik, Künstliche Intelligenz und medizinische Entscheidungsfindung. Außerdem gibt es vielfältige Forschungsprojekte im Land, zum Beispiel in unseren Universitätsmedizinen, die bereits KI-Technologien für eine verbesserte Krankenversorgung einsetzen, zum Beispiel KI-gestützte bildgebende Diagnostik, KI-assistierte Robotik oder smarte Implantate. Das alles macht eines deutlich: Mecklenburg-Vorpommern ist längst im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz angekommen. Mit unserem Antrag wollen wir dafür sorgen, dass diese Stärken konsequent weiter ausgebaut werden, denn KI ist nicht nur ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wissenschaftslandschaft, die KI-Forschung ist auch von zentraler Bedeutung für die Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Was wollen wir konkret mit diesem Antrag erreichen? (Zuruf aus dem Plenum: Das frage ich mich auch.) Die Verankerung in den Zielvereinbarungen. KI soll als zentrale Zukunftstechnologie in den Zielvereinbarungen zwischen dem Land M-V und unseren Hochschulen für die kommende Planungsperiode 26 bis 30 festgeschrieben werden. Das schafft eine Verbindlichkeit und Planungssicherheit für alle handelnden Akteure. Transferkompetenz stärken. Das bestehende Zentrum für Künstliche Intelligenz, in M-V an der Universität Rostock angesiedelt, ist ein Leuchtturm im wichtigen Bereich des Transfers von KI-Kompetenzen von der Wissenschaft in die Wirtschaft hinein. Und die in diesem Zentrum wahrgenommenen Aufgaben, den Transfer insbesondere in kleine und mittlere Unternehmen zu unterstützen und darüber hinaus noch weiter bekanntzumachen und Kooperationen zu unterstützen, müssen unser Ziel sein. Das Zentrum für Künstliche Intelligenz bietet hoch spezialisierte Lösungen für hauptsächlich kleine oder mittlere Unternehmen an, und diese Fokussierung passt natürlich einerseits hervorragend zu unserer hauptsächlich aus kleinen und mittleren Unternehmen bestehenden Wirtschaftsstruktur in M-V und stellt darüber hinaus gegenüber Transferzentren in anderen deutschen Ländern ein Alleinstellungsmerkmal dar, da sich diese anderen Zentren insbesondere auf Großunternehmen fokussieren. Zum Dritten, Forschungsdatenmanagement verbessern. Mit dem Datenkompass M-V und dem Gesundheitsforschungsstärkungsgesetz haben wir bereits wichtige Schritte unternommen, den Zugang zu hochwertigen Daten und deren Nutzung in der Forschung zu erleichtern. Und dieser Weg muss konsequent weitergegangen werden, und deshalb muss das Thema des Forschungsdatenmanagements im Landeshochschulgesetz und in der Hochschulentwicklungsplanung Berücksichtigung finden. Darüber hinaus ist uns auch ganz besonders wichtig, einen verantwortungsvollen Umgang mit KI-Systemen zu haben, zu pflegen und weiterzuentwickeln. Eine ethische, transparente und wertebasierte Anwendung von KI muss eine Selbstverständlichkeit sein und bleiben. Dies ist uns ein ganz wichtiges Anliegen, denn auch Datenschutz und gesellschaftliche Kontrolle sind für uns nicht verhandelbar. Dies ist eine wichtige Grundlage, um Vertrauen in diese neue Technologie zu erzeugen und Vorurteile abzubauen. Darüber hinaus wollen wir weiterhin die MV-Präsidentschaft in der Wissenschaftsministerkonferenz nutzen. Wir fordern in unserem Antrag die Landesregierung auf, sich für eine bundesweite KI-Offensive einzusetzen und gemeinsam mit Bund und EU nach europäischen Lösungen zu suchen. Ich bin sicher, dass KI-Infrastrukturen sich nur in einer guten europäischen Partnerschaft aufbauen lassen, wenn wir im globalen Wettbewerb insbesondere mit den USA und China bestehen wollen. Hier müssen insbesondere Fragen der Infrastruktur, rechtliche Rahmenbedingungen und Förderprogramme für Länder und Hochschulen adressiert werden. Unsere Hochschulen im Land sind innovativ und haben gezeigt, wie schnell sie auf technologische Trends reagieren können. Jetzt ist es an der Zeit, diese Initiativen zu bündeln und weiter zu verstetigen, damit wir konkurrenzfähig bleiben. Denn KI-Entwicklung ist kein kurzer Sprint, sondern vielmehr ein Langstreckenlauf. Durch die vorgesehene Verankerung in den Zielvereinbarungen und die Stärkung des Forschungsdatenmanagements schaffen wir einen soliden Rahmen, den wir schrittweise weiterentwickeln können und wollen, gemeinsam mit Bund und Europäischer Union. Viele merken immer kritisch an, dass wir ja doch keine Chance im Bereich der KI gegen so mächtige Player wie die USA hätten. Mag dies im breiten Massenspektrum, Massenmarkt vielleicht stimmen, sind gerade aber zwei Stoßrichtungen für uns ganz besonders wichtig, die wir mit diesem Antrag unterstützen wollen. Zum einen müssen wir anstatt Produkten für die breite Masse hoch spezialisierte Lösungen anbieten und somit Nischen sowohl im Bereich der Wirtschaft als auch im Bereich der Wissenschaft konsequent besetzen. Zum anderen müssen wir unsere Wirtschaft dabei unterstützen, Automatisierungspotenziale und auch Innovationspotenziale zu heben und somit die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Dann kann auch KI für uns hier im Land gelingen. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, unser Antrag „Zukunftssichere Forschung – Künstliche Intelligenz stärken” ist ein klares Bekenntnis zur Innovationskraft unserer Hochschulen und darüber hinaus auch ein Appell, sich bietende Chancen von KI verantwortungsvoll zunutze zu machen. Ich bitte Sie daher um Zustimmung zu unserem Antrag und bedanke mich für die Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
