Barbara Becker-Hornickel
Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ja, schönes Thema, immer wieder ein Aufreger. Bei uns geht es quer durch die Familie. Meine Tochter gendert bis zum Gehtnichtmehr. (Zuruf von Horst Förster, AfD) Meine Enkelin fragt mich: Warum spricht meine Mutter so komisch? (allgemeine Heiterkeit) Also am Ende, ich habe sie ja jetzt eine Woche, Riesenfreude, kann ich ja gerne mal das Thema mit allen diskutieren. Aber wir sind ja jetzt hier im Landtag von M-V und ich denke, eines ist ganz klar geworden: Das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung, wie es der Rat für deutsche Rechtschreibung vorgibt, ist auch in unserem Land das, wonach sich gerichtet wird. Eine zusätzliche Regelung hier im Landtag empfinde ich als völlig schlicht und einfach unnötig. Und die Bildungsministerin hat uns ja vorgetragen, was alles geht. Auch in meinen Augen ist eigentlich alles geregelt. Und das generische Maskulinum – das sind Probleme, dieses schwere Wort mir zu merken –, das alle Geschlechter umfasst, ist eine neutrale grammatikalische Ausdrucksweise, die wir als FDP durchaus auch unterstützen, aber wir lehnen generell Verbote ab. Und natürlich kennen wir auch die Artikel, die hier angesprochen wurden, auch was Felix Wizowsky gesagt hat, aber es muss doch alles in einen Kontext gebracht werden. Es geht doch darum, lerne ich eine Sprache oder gebrauche ich eine Sprache? Je älter ich werde, Sprache ist doch nun mal etwas Lebendiges, etwas, was wächst. Und unser Augenmerk liegt nicht auf Verboten, sondern auf der Qualität von Lehrmaterialien. (Horst Förster, AfD: Die Einhaltung von Regeln ist was anderes als Verbote.) Für Schulbücher steht nicht die Gendersprache im Vordergrund, sondern die Bereinigung von stereotypen Rollenbildern. Moderne Lehrmaterialien sollen Vielfalt abbilden und Schülern zeigen, dass alle Möglichkeiten offenstehen, allen Schülern, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Lebensweg. Und ich sagte es schon, Sprache – ein lebendiges Instrument, kein starres Korsett. Wenn ich daran denke, wie meine Großmütter noch gesprochen haben – nicht, dass man sich gerade im Mittelalter fühlte, aber die haben auch mit mir Auseinandersetzungen gehabt: Kind, wie redest du? Also bestimmt keine Fäkalsprache, um Gottes willen, ich kenne da so viele Ausdrücke überhaupt nicht. Ich denke mal, während wir hier Genderzeichen diskutieren, stehen wir doch vor ganz anderen Herausforderungen: – Lehrermangel, heute schon gefallen, es fehlen gut ausgebildete Lehrkräfte, die einen modernen, zeitgemäßen Unterricht umsetzen können. – Fehlende Digitalisierung, die Schulen hinken bei der Ausstattung und dem Umgang mit digitalen Lehrmitteln hinterher. (Zuruf von Christian Brade, SPD) – Und Unterstützung für Schüler mit sprachlichen Defiziten, ja, hier müssen wir investieren. Die sollen doch erst mal ein richtiges Deutsch lernen. Aber wie sie sich nachher äußern, das ist doch die Sache jedes Einzelnen. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Wir lehnen diesen Antrag ab, er ist überflüssig. Ich freue mich auf die nächste Woche zwischen drei verschiedenen Sprachbildern. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der FDP) Und lassen Sie uns für ein Bildungssystem in Mecklenburg-Vorpommern arbeiten, das auf Freiheit, Vielfalt und Neutralität setzt und damit die besten Voraussetzungen für unsere Schüler schafft. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, FDP und Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
