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Jutta Wegner

GRÜNE 29.01.2025 Sitzungen 8/96

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleg/-innen! Und täglich grüßt das Murmeltier! Heute ist mal wieder das Thema Gendern dran bei der AfD. Ich frage mich ernsthaft, wovor Sie eine solche Angst haben, dass Sie der Entwicklung von Sprache mit immer neuen Verboten begegnen wollen. (Heiterkeit bei Stephan J. Reuken, AfD: Was?!) Niemand zwingt Sie doch, zu gendern und somit respektvoll allen Menschen in unserer Gesellschaft zu begegnen. (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD – Beifall Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Nein, Ihnen ist es wichtiger, mit Verboten, (Horst Förster, AfD: Es geht um Schulpraxis.) heute für Lehrer/-innen, Schüler/-innen und alle anderen Menschen im Schulbetrieb, (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Menschen zu gängeln, ihnen Angst vor Konsequenzen zu machen, wenn sie ihren eigenen Weg gehen wollen. (Stephan J. Reuken, AfD: Darauf muss man erst mal kommen!) Sie wollen eine uniforme Gesellschaft schaffen, die bloß nicht selber denkt. (Zurufe von Horst Förster, AfD, und Paul-Joachim Timm, AfD) Dabei ist es Ihnen auch egal, dass doch gerade die Entwicklung eines selbstständig denkenden Menschen, der eigenverantwortliche Entscheidungen treffen kann, Ziel der schulischen Bildung ist. (Petra Federau, AfD: Wer nicht gegendert hat in Schulen, hat schlechte Noten bekommen. Das ist die Realität!) Sie müssen gar nicht das gesamte Schulgesetz lesen, ein Blick in die ersten Paragrafen reicht schon. Aber Lesen und Verstehen ist ja auch nicht immer dasselbe. Dann lieber Gendern verbieten, ist ja so ein schönes Aufregerthema! Damit erobert man Stammtische und kann in den sozialen Medien Stimmung machen. Da kann ich mich nur über den Vorsitzenden des Landesschülerrates, Felix Wizowsky, freuen, der Sie in einer Stellungnahme per E-Mail ausdrücklich auffordert, es zu unterlassen, ihn in Ihrem Antrag zu zitieren. Nicht einmal diesen Respekt sind Sie bereit, Schüler/-innen zu zollen. Einen Änderungsantrag habe ich jedenfalls nicht gesehen. Weil Felix Wizowsky und der Landesschüler/-innenrat aber viel differenzierter denken als Sie, möchte ich mit Ihrer Erlaubnis, Frau Präsidentin, aus seiner Mail zitieren, (Stephan J. Reuken, AfD: Haben Sie das noch nicht begriffen?) die uns ja auch alle erreicht hat: „Wir sprechen uns ausdrücklich dagegen aus, in dieser Begründung genannt zu werden. Die Aussagen der AfD-Fraktion sind von Doppelmoral und Unwissenheit geprägt. Sie argumentiert mit einer ‚... ideologisch motivierten Forcierung des Gebrauchs vermeintlich geschlechtergerechter Morphologie ...‘, fordert jedoch gleichzeitig eine Festlegung auf die eigene, wertebasierte Sprache und Schrift. Dies stellt einen offensichtlichen Widerspruch dar. Es wird suggeriert, dass in unseren Schulen ein Problem mit Gendern existiere. Diese Darstellung ist jedoch weit entfernt von der Realität. Sprache entwickelt sich stetig. Sie formt und verändert sich durch gesellschaftliche Prozesse. Kein Staat, keine Ideologie und keine Partei darf diesem natürlichen Sprachwandel bewusst entgegenwirken.“ (Stephan J. Reuken, AfD: Nichts daran ist natürlich. Gar nichts!) „Die derzeitige Situation an unseren Schulen“ (Enrico Schult, AfD: Jetzt hören Sie mal genau zu!) „erlaubt es allen Schülerinnen und Schülern“, (Enrico Schult, AfD: Ah!) „nach eigenem Ermessen zu entscheiden“, (Enrico Schult, AfD: Nach eigenem Ermessen!) „wie sie sich sprachlich ausdrücken möchten“, (Enrico Schult, AfD: Und das in der Schule, Frau Wegner?! Das ist doch nicht Ihr Ernst! – Glocke der Vizepräsidentin) „ohne durch starre Vorgaben eingeschränkt zu werden.“ (Heiterkeit bei Enrico Schult, AfD: Im Deutschunterricht kann jeder schreiben und sprechen, wie er will?!) „Der Landesschülerrat begrüßt diese Freiheit ...“ Sie haben doch bestimmt noch Redezeit, Herr Schult. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) „Der Landesschülerrat begrüßt diese Freiheit der sprachlichen Entfaltung ausdrücklich. Es ist nicht die Aufgabe der Politik“, (Beifall Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) „uns durch ideologisch und parteipolitisch motivierte Bestrebungen Vorschriften zu unterbreiten, wie sich Sprache zu entwickeln hat und wie nicht. Wir setzen uns für eine offene und freie Sprachentwicklung ein, die Vielfalt und Individualität respektiert.“ Ende des Zitats. (Beifall Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Petra Federau, AfD: Ist das peinlich! – Stephan J. Reuken, AfD: Das ist doch gar nicht wahr!) Ich kann mich nur freuen, dass die Schulen in unserem Land Schüler/-innen ins Leben entlassen, (Petra Federau, AfD: Pippi Langstrumpf! Meine Güte!) die so differenziert denken. (Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ganz genau.) Den Ausführungen kann ich eigentlich nicht mehr viel hinzufügen. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass der Landesschülerrat die Situation im Kern erfasst. Die Denkverbotspolitik der AfD beginnt mancherorts bereits zu wirken. Es gibt schon Verwaltungen, in denen die Gemeinde- und Stadtvertretungen ihren Mitarbeiter/- innen das Gendern verbieten. (Petra Federau, AfD: Na Gott sei Dank!) Gleichzeitig werden an immer mehr Orten von Neubrandenburg bis Rostock (Am Rednerpult leuchtet die rote Lampe.) queere Menschen und ihre Schutzräume immer wieder angegriffen. Anstatt die Vielfalt in unserer Gesellschaft zu beschneiden, müssen wir sie schützen und ... Ich darf jetzt nicht weiterreden, aber wir lehnen Ihren Antrag ab. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Alle Reden von Jutta Wegner Protokoll ↗