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Christian Brade

SPD 12.12.2024 Sitzungen 8/94

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Gäste auf der Tribüne! Bis vorhin hatte ich mich eigentlich gefreut auf eine schöne Aussprache über das Thema Sport und vielleicht auch über den Stellenwert des Sports in unserer Gesellschaft. (Horst Förster, AfD: Es geht um Haltung!) Dass sich das Ganze reduziert auf zwei Kleine Anfragen an die Landesregierung, damit habe ich heute früh noch nicht gerechnet. Schade drum, denn Sport ist einfach so viel mehr (Torsten Renz, CDU: 2,8 Millionen nicht mehr fließende Investitionen!) als nur ein bisschen Beton und Förderung des allgemeinen Sports in der Gesellschaft. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Denn Sport ist unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft, (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) ein Motor für Gesundheit, Integration und Gemeinschaft, (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) hier werden Werte wie Fairness, Teamgeist und Ausdauer gelebt. Die heutige Aussprache macht deutlich, dass wir über Parteigrenzen hinweg, so, wie wir es immer gemacht haben eigentlich, die immense Bedeutung des Sports anerkennen. Dabei ist unser gemeinsames Ziel, die Rahmenbedingungen für den Sport nachhaltig zu verbessern. Dafür brauchen wir moderne Sportstätten, ganz klar eine zielgerichtete Sportförderung und eine verlässliche Unterstützung unserer Eliteschulen des Sports. Ich bin der Landesregierung und den Kolleginnen und Kollegen aller Fraktionen dankbar, dass wir uns gemeinsam für eine stete Erhöhung der Mittel im aktuellen Haushalt eingesetzt haben. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Mit 21 Millionen Euro haben wir in diesem Jahr den Sport unterstützt. Das ist eine Steigerung um satte 24 Prozent im Gegensatz zum vergangenen Jahr. 2025 werden es noch einmal knapp 3 Millionen Euro mehr sein. Den schwierigen Haushaltslagen zum Trotz hat der Sport Priorität in Mecklenburg-Vorpommern. Dass das auch in Zukunft so bleibt, dafür sind wir alle partei- und fraktionsübergreifend verantwortlich. (Enrico Schult, AfD: Sehr richtig!) Und Sport ist Aufgabe von uns allen, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Torsten Renz, CDU: Sind Sie denn auch fraktionsübergreifend der Auffassung, dass die Richtlinie endlich in Kraft gesetzt werden muss?) Herr Renz, nach fünfmal habe ich Sie verstanden, dass die Richtlinie in Ordnung gebracht werden muss. Ich glaube, das ist auch bei der Ministerin angekommen. (Torsten Renz, CDU: Okay!) Insoweit ist das verstanden. (Torsten Renz, CDU: Okay, das ist doch mal ein Wort! – Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Herr Renz, ein sechstes Mal brauchen wir es nicht. (Torsten Renz, CDU: Das ist doch mal ein Wort!) Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sport muss jedoch nicht nur gefördert, Sport muss gelebt werden – von uns allen, jeden Tag. Und auch hier haben wir eine kleine Sportstätte, das Schweriner Schloss, man mag es kaum glauben. (Heiterkeit bei Enrico Schult, AfD: Für Gladiatorenkämpfe! – Torsten Koplin, DIE LINKE: Hm!) Wir haben hier eine wunderbare Marmortreppe. (Horst Förster, AfD: Genau, genau!) Und wenn ich so hochgehe, wer kommt mir dann entgegen? Weiß ich nicht. (Torsten Koplin, DIE LINKE: Wir alle.) Ich sehe immer die lange Schlange vorm Fahrstuhl. (Horst Förster, AfD: Genau!) Ist das der richtige Weg, um Sport zu leben jeden Tag, (Enrico Schult, AfD: Richtig!) um uns alle ein bisschen fitter zu halten? Ein großes Fragezeichen! (Beifall Enrico Schult, AfD) Sport ist mehr als nur Bewegung, er ist der Schlüssel zur besseren Gesundheit, einem aktiveren Lebensstil. Geld allein reicht da jedoch nicht aus. Kein noch so hoher Etat macht aus einem jungen Menschen einen Elitesportler. Es braucht Engagement, Vorbilder und Strukturen, die motivieren und begleiten. Apropos Vorbilder: Wer kennt noch Sigrun Wodars? (Sebastian Ehlers, CDU: Ich. – Torsten Renz, CDU: Ich, 800-Meter-Läuferin.) Wunderbar, da sind noch einige dabei, die den Sport genauso lieben wie ich. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Genau, geboren in Neu Kaliß, (Zuruf von Daniel Peters, CDU) geboren in Neu Kaliß, trainierte in Eldena, wurde 1987 Weltmeisterin in Rom im 800-Meter-Lauf (Torsten Renz, CDU: Ach, guck an!) in 1 Minute 55 und ein paar Zerquetschte. Und übrigens, das ist bis heute noch deutscher Rekord, keine Frau ist seitdem schneller gelaufen hier in diesem Land. Und da frage ich mal, wo steht dann ihr Denkmal, wie verehren … (Torsten Koplin, DIE LINKE: In Neubrandenburg.) Richtig, in Neubrandenburg! (Torsten Koplin, DIE LINKE: „Walk of Sport“. – Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Aber vor Ort in Eldena, fragen Sie mal die Leute! (Sebastian Ehlers, CDU: Wir sind das einzige Land ohne Medaille.) Das ist das Problem. Wie gehen wir mit Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern um, wie gehen wir mit unserer Sportgeschichte um? Wie leben wir das Ganze? Das ist doch mal die Frage. (Zuruf von Daniel Peters, CDU) Wer kennt Finn Große-Freese? (Torsten Renz, CDU: Marita Koch kenne ich noch. – Zuruf von Marcel Falk, SPD) Marita Koch, aber bei Finn Große-Freese hört es auf. Das ist der jüngste Teilnehmer bei den Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii. (Unruhe bei Marcel Falk, SPD, und Torsten Renz, CDU) Kommt von hier, ist geboren in Rostock, trainiert in Neubrandenburg. (Beifall Enrico Schult, AfD) Also da sollten wir noch mal an uns arbeiten, wie wir auch mit Athleten umgehen in der Öffentlichkeit. Und auf der anderen Seite, wenn in New York ein Baseballspieler den Verein wechselt, also von einer Straßenseite auf die andere, da gibts 800 Millionen Dollar. Das wird gehypt in der Presse, als wäre das ein Weltwunder. Und das ist doch mal das Verständnis von Sport. (Zuruf von René Domke, FDP) Die Fußball-WM 2034, die geht nach Saudi-Arabien. Das wird abgefeiert, (Torsten Koplin, DIE LINKE: Aber nicht bei uns. – Zurufe von Sebastian Ehlers, CDU, und Torsten Renz, CDU) und da frage ich mich, warum. (Sebastian Ehlers, CDU: Da feiert eben keiner ab.) Können die alle zaubern, oder was ist da los? (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Vielleicht sollten wir beim Thema Sport einfach noch mal unseren Wertekompass justieren und einfach mal gucken, was uns wichtig ist. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, AfD, DIE LINKE, Barbara Becker-Hornickel, FDP, und Dr. Eva Maria Schneider-Gärtner, fraktionslos) Und wenn sportbegeisterte Triathleten einen Wettkampf (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) hier in der Landeshauptstadt durchführen wollen, wird die Latte der behördlichen Auflagen so hoch gelegt, dass die Veranstalter nur noch unten durchlaufen können. (Torsten Renz, CDU: Was sind denn das für Zustände?!) Genehmigungen, Absperrungen der Wettkampfstrecke kosten so viel Aufwand und Geld, dass dieses kaum noch zu stemmen ist. Das Ergebnis ist, der Wettkampf findet nicht mehr statt. (Torsten Renz, CDU: Was tust du als Politiker dagegen?) So ergeht es auch vielen Laufveranstaltungen. Und das ist keine Frage von Geld, das ist eine Frage von Bürokratie. Und wir hören in allen Bereichen, lasst uns mal die Bürokratie abbauen. Hier ist es ein kleiner Anfang, in der Wirtschaft geht es weiter. Aber das wäre mal ein Zeichen, hier ein bisschen vernünftiger mit den Sportvereinen umzugehen, (Heiterkeit bei Torsten Renz, CDU: Da wäre schon mal eine Richtlinie gut, ne?!) die ehrenamtlich Veranstaltungen und Wettkämpfe organisieren. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Auf der anderen Seite, Herr Renz, stehen jedes Wochenende bei den Fußballprofivereinen Hundertschaften an Polizisten, sichern diese Veranstaltungen ab, und, wie ich meine, das alles auf Kosten der Gesellschaft. Und gerade deshalb müssen wir uns alle in die Pflicht nehmen – als Eltern, Lehrer, als politische Vertreter und als Gesellschaft insgesamt –, denn nur gemeinsam können wir die Grundlage schaffen, damit Sport nicht nur gefördert, sondern auch gelebt wird. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Dabei beginnt die Begeisterung für Sport schon früh – in der Kita, in der Schule, in den ersten Momenten, in denen Kinder Spaß an der Bewegung haben. Es ist unsere Aufgabe, diese Begeisterung von Anfang an zu fördern. Dafür müssen wir auch die Bildungskonzeption in den Blick nehmen und an den Wurzeln anfangen, den Sport und seine Förderung zu reformieren. Ein entscheidender Faktor für eine gelungene Bewegungsförderung ist die Qualität der Ausbildung von Lehrkräften und Erziehern in unserem Land. Aktuell unterrichten in Mecklenburg-Vorpommern rund 2.680 Lehrkräfte das Fach Sport, doch lediglich 57 Prozent verfügen über eine spezifische Qualifizierung in diesem Bereich. Besonders an Grundschulen liegt der Anteil mit 44 Prozent deutlich niedriger. Das zeigt, wie wichtig es ist, die Lehrerausbildung zu stärken und Anreize für eine sportpädagogische Spezialisierung zu schaffen. Auch in der Erzieherausbildung wird Sport zwar thematisch integriert, ist jedoch kein eigenständiges Fach. Dabei sind Kompetenzen im Bereich der Bewegungsentwicklung essenziell, um Kinder frühzeitig für den Sport zu begeistern und ihre körperliche sowie soziale Entwicklung zu fördern. Und hier spreche ich von der berühmten Rolle vorwärts, die die Kinder in der 1. Klasse manchmal nicht mehr schaffen. (Enrico Schult, AfD: Müsste man das nicht zu Hause machen, Herr Brade? – Zuruf von Horst Förster, AfD) Hier müssen wir gemeinsam ansetzen, um Bewegung und Sport in der Ausbildung stärker zu verankern und den Fachkräften die nötigen Werkzeuge an die Hand zu geben. (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD) Damit schließen wir eine zentralere Lücke in der Förderung und schaffen von Beginn an die Grundlage für eine lebenslange Begeisterung für Bewegung.

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