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Hannes Damm

GRÜNE 12.12.2024 Sitzungen 8/94

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete der demokratischen Fraktionen! Durch meine eigene wissenschaftliche Arbeit vor der Zeit im Landtag zieht sich ein roter Faden. Ob am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald, der Universität Oxford und Jena oder dem CERN, überall habe ich große physikalische Datenbanken ausgewertet und dabei manchmal auch schmerzlich gelernt, Forschungsergebnisse können immer nur so gut sein wie die Daten, auf denen sie beruhen. Und damit Forschung unabhängig reproduzierbar werden kann, müssen die benutzten Daten langfristig verfügbar und zugänglich bleiben. Daher ist es kein Zufall, dass, wenn man heute bei der DFG, beim BMBF oder auch der EU Gelder für Forschungsprojekte beantragt, ein wichtiger Aspekt eines erfolgreichen Antrages immer die Beschreibung der Erhebung, Speicherung und Zurverfügungstellung der verwendeten Daten ist. Leider sieht in der Praxis das heute oft so aus, dass einzelne Institute, Arbeitsgruppen oder Lehrstühle sich jeweils eigene Systeme zur Datenhaltung ausdenken, diese entwickeln und betreiben, gerade in kleinen Strukturen, wie sie bei uns in Mecklenburg-Vorpommern eher die Regel sind. Das funktioniert oft genau so lange, bis die zuständige Person die Arbeitsgruppe oder Einrichtung verlässt, das Projekt nicht weiterfinanziert wird oder der erwünschte Abschluss erreicht ist. Für das nächste Projekt wird dann neu über Datenmanagement nachgedacht, neue Strukturen werden aufgebaut, neue Personen eingearbeitet, alte Datenbanken häufig nicht weiter gepflegt. Dass dies kein nachhaltiger Zustand ist, ist sicher jedem klar. Die daraus folgende Erkenntnis, dass Forschungsdatenmanagement eine zentrale Infrastrukturaufgabe ist, scheint sich jedoch erst langsam und erst jetzt durchzusetzen. Das im Antrag erwähnte Projekt „Datenkompass M-V“ hat in den letzten Jahren wichtige Vorarbeiten für eine zukunftsfähige Aufstellung des Forschungsdatenmanagements in M-V gemacht, Unterstützung bei der Planung von Datenmanagement für die Antragstellung, Workshops und Weiterbildungen, in denen der Umgang mit Forschungsdaten vermittelt wurde, und landesweite Vernetzungstreffen. Damit hat das Projekt Menschen zusammengebracht, die in den unterschiedlichsten Zusammenhängen und Institutionen Daten erheben, diese auswerten und auch wieder teilen. Die Liste der Beteiligten ist entsprechend lang. Unsere Universitäten und Hochschulen sind dabei, das FBN in Dummerstorf, genau wie das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Plasmatechnologie und das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung, das IOW in Warnemünde, und vor allem – und das ist zentral für langfristige Infrastrukturprojekte dieser Art – auch die Universitätsbibliotheken als originäre Ansprechpartner für den langfristigen Erhalt von Wissen sind dabei. Das elementare Ergebnis des Projekts ist das bereits erwähnte Konzept für eine Landesinitiative zum Forschungsdatenmanagement in Mecklenburg-Vorpommern. Wir verstehen den Antrag so, dass er genau dieses Konzept zur Umsetzung empfiehlt, suchen dann aber die finanzielle Untersetzung auch vergeblich. Inhaltlich, werte Kolleg/-innen der SPD und LINKEN, lieber Dirk Stamer, hat das Vorhaben unsere volle Unterstützung. Beim Geld fordern wir Sie aber auf nachzubessern, damit den schönen Worten auch große Taten folgen können. Zusammenfassend lässt sich sagen, mit einer Stärkung der Struktur des Forschungsdatenmanagements in Mecklenburg-Vorpommern stärkt man nicht nur die Qualität der Forschung selbst, man schafft damit auch endlich eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Mecklenburg-Vorpommern sich in Zukunft leichter zu einem attraktiven Forschungsstandort weiterentwickeln kann. Oder anders ausgedrückt, wenn wir Forschungsdatenmanagement nicht als grundlegende Infrastrukturaufgabe ansehen und auch entsprechend fördern, dann sehen wir in Zukunft einfach alt aus, wenn es um die Vergabe von Förderprogrammen für Wissenschaft und Innovation geht. Das wollen wir dringend helfen zu verhindern. Dem Überweisungsantrag in den Wissenschafts- und vor allem auch Finanzausschuss stimmen wir damit zu. Ansonsten hat der Antrag auch so, wie er ist, unsere Unterstützung. Allerdings noch mal die Aufforderung, es muss eine finanzielle Unterstützung geben, sonst nützen all die schönen Worte nichts. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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