Christian Albrecht
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir befinden uns in einem Zeitalter, in dem Daten nicht mehr nur Werkzeuge der Wissenschaft sind, sondern zu einem zentralen Motor von Innovation, Wirtschaft und gesellschaftlicher Entwicklung geworden sind. Doch Daten entfalten ihren Wert nicht von selbst. Sie müssen systematisch gesammelt, dokumentiert, analysiert und langfristig verfügbar gemacht werden, damit sie wiederverwendbar sind und Mehrwert schaffen können. Das Forschungsdatenmanagement, oder kurz FDM, ist hierbei kein reines technisches Detail oder Randthema. Das ist ja, glaube ich, auch in den Redebeiträgen bisher deutlich geworden. Es ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Mecklenburg-Vorpommern ein wettbewerbsfähiger Forschungsstandort bleibt und dass wir als Gesellschaft die Potenziale moderner Wissenschaft ausschöpfen können. Hier geht es um einen Antrag, der Mecklenburg-Vorpommern in die Lage versetzen soll, diese Herausforderungen anzunehmen und unser Land fit für die digitale Zukunft zu machen. Doch warum brauchen wir ein starkes Forschungsdatenmanagement? Forschungsdatenmanagement umfasst ja erst einmal alle Prozesse, die sicherstellen, dass Daten während ihres gesamten Lebenszyklus von der Erhebung über die Speicherung bis zur Archivierung und Wiederverwertung gut organisiert und zugänglich sind. Und jetzt ist meine Rede weg, da muss ich kurz gucken. (Enrico Schult, AfD: Improvisieren, Herr Albrecht, improvisieren! – Jan-Phillip Tadsen, AfD: Gute rhetorische Übung!) Ja, das kann ich sonst ganz gut, aber das ist ja die erste von acht Seiten. So, lassen Sie mich das anhand konkreter Beispiele verdeutlichen. In der Gesundheitsforschung werden immer mehr Daten benötigt, um Krankheiten besser zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln. Wenn nun ein Patient zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern an einer seltenen oder neuen Krankheit leidet, könnten anonymisierte Daten aus anderen Regionen helfen, Muster zu erkennen, die Behandlung zu verbessern. Oder denken Sie an unsere Küstenregionen. Sie sind besonders stark vom Klimawandel betroffen. Daten zu Meeresspiegelveränderungen, zu Sturmfluten oder zu Temperaturentwicklungen sind für die Klimaforschung unverzichtbar, um Modelle zu entwickeln, die uns helfen, angemessen auf diese Veränderungen zu reagieren. Ein nachhaltiges Forschungsdatenmanagement ermöglicht es, diese Daten über Jahre hinweg zu sammeln und zu analysieren, auch über die Landesgrenze hinaus. Unternehmen, die datenbetriebene Technologien entwickeln, profitieren enorm von offenen und gut strukturierten Forschungsdaten. So könnten Start-ups in Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel Algorithmen für die Agrartechnik entwickeln, die auf öffentlich zugänglichen Umweltdaten basieren. Diese Technologien könnten beispielsweise helfen, Ernteerträge zu steigern oder den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren. Jetzt – und das klang auch schon an – hat Mecklenburg mit dem Projekt „Datenkompass M-V“ bereits einen wichtigen Schritt unternommen, um das Forschungsdatenmanagement in unserem Land zu stärken. Über 80 Expert/-innen aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft haben hier gemeinsam ein Konzept entwickelt, das uns zeigt, wie wir ein zukunftsfähiges und nachhaltiges Forschungsdatenmanagement aufbauen können. Das Konzeptpapier schlägt verschiedene Maßnahmen vor, die will ich jetzt aber mit Blick auf die Zeit gar nicht im Einzelnen noch mal wiedergeben. Trotz dieser Fortschritte gibt es noch Defizite. Auch das klang ja schon an. Viele Hochschulen und Forschungseinrichtungen Mecklenburg-Vorpommerns verfügen nicht über die notwendigen technischen Infrastrukturen, wie etwa Datenrepositorien. Außerdem werden elektronische Laborbücher oder Tools für die Langzeitarchivierung von Daten benötigt. Umfragen zeigen weiterhin, dass viele Forschende in Mecklenburg-Vorpommern nur begrenzt mit modernen FDM-Tools und -Methoden vertraut sind. Dies betrifft insbesondere die Erstellung von Datenmanagementplänen, die Dokumentation nach den FAIR-Prinzipien, das steht für Findable, Accesible, Interoperable und Reusable, also auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwertbar, und den Umgang mit rechtlichen Fragen wie etwa Datenschutz und Urheberrecht. Die Grundlage wissenschaftlicher Arbeit ist nicht nur die Generierung neuer Erkenntnisse, sondern auch die Möglichkeit, diese Erkenntnisse für die Nachwelt zu sichern, sie nachvollziehbar zu machen und für andere Forschende zugänglich zu halten. Derzeit gibt es im Landeshochschulgesetz noch keine verbindlichen Vorgaben für das Forschungsdatenmanagement. Das kann dazu führen, dass jede Hochschule ihre eigenen Standards entwickelt, was die Zusammenarbeit und die Vergleichbarkeit von Daten erschweren könnte. Es gibt also konkrete Punkte, an denen man ansetzen kann und muss, denn die digitale Transformation macht natürlich auch vor der Wissenschaft nicht halt. Förderorganisationen, Verlage und internationale Partner fordern zunehmend den Nachweis eines professionellen Datenmanagements. Auch das klang ja hier schon mehrfach an. Und wenn Mecklenburg-Vorpommern hier nicht Schritt hält, riskieren wir den Verlust von Fördergeldern. Förderprogramme, wie Horizon Europe der EU, setzen voraus, dass Daten nach höchsten Standards verwaltet werden. Wir riskieren also einen Wettbewerbsnachteil im nationalen und internationalen Vergleich. Andere Bundesländer, wie Schleswig-Holstein oder Niedersachsen, sind uns bereits einen Schritt voraus. Wir riskieren weiterhin den Verlust von jungen Talenten, denn die gehen dahin, wo sie die besten Rahmenbedingungen haben. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, bringen wir nun gemeinsam mit der SPD diesen Antrag ein, und dieser Antrag ist ein entscheidender Schritt in Richtung einer modernen, vernetzten und nachhaltigen Wissenschaftslandschaft. Ich bitte also um Ihre Zustimmung für die Wissenschaft, für die Wirtschaft und für die Menschen in unserem Land. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
