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Dr. Harald Terpe

GRÜNE 11.12.2024 Sitzungen 8/93

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Wälder sind in Mecklenburg-Vorpommern – auch in Deutschland insgesamt – maßgeblicher Teil unserer grünen Lunge. Sie sind Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, wenn wir sie gesund halten, Garant für gutes Wasser, Erholungsort für uns Menschen und unverzichtbarer Kohlenstoffspeicher im Kampf gegen die Klimakrise. Es besteht darüber hinaus eine starke emotionale Bindung, die auch bei den Rednerinnen und Rednern deutlich geworden ist. Doch der Zustand der Forsten in Deutschland ist alarmierend. Das zeigt die aktuelle Bundeswaldinventur deutlich. Die zunehmende Belastung durch den Klimawandel setzt ihnen massiv zu. Die Folge sind Trockenstress und zunehmender Befall durch Borkenkäfer, der ebenfalls von der menschengemachten Erderhitzung profitiert. Und so zeigen uns die in weiten Teilen absterbenden Forsten, was wir unserer Erde und uns selbst antun, wenn wir nicht konsequent die Treibhausgase reduzieren. Naturnaher Wald ist eigentlich einer unserer besten Partner, wenn es darum geht, die Folgen der Erderhitzung zu mildern. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Regenwald, will ich meinen, wäre besser.) Er ist in einem vitalen Zustand eines unserer effektivsten Kühlaggregate der Natur und er ist einer unserer größten natürlichen CO -Speicher. Wir hörten es ja bereits an den 2 hohen Zahlen, 8,6 Tonnen pro Hektar pro Jahr Wald. Und dabei ist ja noch nicht mal berechnet, dass weitere 8 Tonnen pro Hektar dazukommen im Waldboden. Das wird ja nachher auch noch mal eine Rolle spielen in meiner Rede. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ich dachte, Sie haben schon angefangen.) Doch wir müssen bundesweit konstatieren, dass er sich vielfach von einem Kohlenstoffspeicher zu einer Kohlenstoffquelle gewandelt hat. Seit 2017 ist der deutsche Wald – und auch das zeigt die Bundeswaldinventur – zu einer CO -Emissionsquelle geworden. Das geschieht vor 2 allem durch den Verlust an lebendiger Biomasse und durch die kaum zunehmende Kohlenstoffeinlagerung in den Waldböden. Hier haben wir die Bedeutung des Waldbodens wieder. Um diese dramatische Entwicklung zu stoppen, müssen wir endlich das ganze Ökosystem Wald sehen. Wald ist nicht in erster Linie dazu da, um unsere Wirtschaftsinteressen zu befriedigen, sondern er ist die ursprüngliche Form der Natur unserer Breiten. Und da komme ich auf den Redebeitrag auch. Ich finde, es ist nicht gut, wenn man die Sachen gegeneinander ausspielt, auf der einen Seite sagt, also die Wirtschaftlichkeit muss rausgeholt werden und dabei die Natürlichkeit vernachlässigt. Und umgekehrt ist es natürlich auch nicht so. (Sandy van Baal, FDP: Geht beides zusammen.) Um diese dramatische Entwicklung zu stoppen, müssen wir endlich das ganze Ökosystem betrachten. Der Biologe und Waldexperte Professor Dr. Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde drückt es so aus, und wenn ich zitieren darf mit der Genehmigung der Präsidentin: (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Schriftlich einholen! – Thore Stein, AfD: Braucht man nicht.) „Es muss verstärkt für die Einsicht geworben werden, dass eine Waldbewirtschaftung scheitern muss …, die das ökologische Primat nicht anerkennt. Es sind die ökologische Funktionstüchtigkeit und Leistungsfähigkeit der Wälder, die darüber bestimmen …, welche Produkte in welchem Umfang ökonomisch genutzt werden können. Keinesfalls darf weiterhin zugelassen werden, dass die Nachfrage des Marktes darüber bestimmt, wie mit Waldökosystemen umgegangen wird.“ Zitatende. Die Bundesregierung hat das erkannt und stellt mit dem Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ 200 Millionen Euro jährlich bereit. Ich glaube, wenn man das runterrechnet – ist ja für zwei Jahre –, dann bedeutet es 1 Million für unseren Landeshaushalt, wenn man nach dem Königsteiner Schlüssel geht. Das ist die größte finanzielle Unterstützung für Waldumbau und Klimaanpassung in der Geschichte der Bundesrepublik. Und wenn wir einiges dazutun im Lande Mecklenburg-Vorpommern, dann ist es ja noch wirksamer. Damit dieses Geld auch gut angelegt ist, braucht es eine offene und fachgerechte Analyse, wie die Bewirtschaftung der Wälder ihren Zustand beeinflusst. Das passiert im Rahmen der Bundeswaldinventur noch nicht, und deshalb muss auch sie weiterentwickelt werden. Damit dieses Geld auch gut angelegt ist, braucht es ein ... Ach so, das hatte ich schon. Dass sich auch einige Dinge zum Guten wandeln, gibt Hoffnung, darauf hat der Minister ja auch schon hingewiesen. So nehmen unsere Wälder wieder mehr Fläche ein, wo wir gelernt haben, dass wir seine Ökosystemdienstleistungen für sauberes Wasser, saubere Luft und Klimaschutz brauchen. Unsere Wälder werden vielfältiger, wenn wir lernen, sie so wachsen zu lassen, wie es uns die Natur vormacht: mit zahlreichen Baumarten in Mischbeständen, die deutlich widerstandsfähiger auf Veränderungen der Umwelt reagieren. Unsere Wälder werden mehr durch Naturverjüngung, besser begründet, weil wir gelernt haben, dass ortsansässige Mutterbäume genetisch an die lokalen Boden- und Klimabedingungen angepasst sind. Ihr Nachwuchs hat deshalb höhere Überlebenschancen und Resilienz gegen Stressfaktoren wie Trockenheit, Frost oder Schädlinge. Und billiger ist diese Methode auch noch. Wenn wir jetzt speziell auf Mecklenburg-Vorpommern schauen, hat insbesondere die Landesregierung allerdings etliche Dinge noch zu machen. So ist es keine gute Idee, Wald zu roden, um Gewerbegebiete (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Oder Windkrafträder aufzustellen.) und Straßen anzulegen, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ach so!) vor allem, wenn es Alternativen gibt. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ich dachte …) Dies soll aber mit Förderung des Landes beispielsweise in Grabow passieren. Und auch hat die Landesregierung noch nicht gelernt, dass ein Landeswassergesetz, über das wir seit mehr als zwölf Jahren nur reden, dem Wald nicht hilft. Wann endlich legen Sie eines vor, Herr Minister Backhaus, sodass endlich die Entwässerung auch von Wald effektiv abgestellt wird? Denn ebenso hat die Landesregierung Schwierigkeiten, die FFH-Waldlebensräume und die streng geschützten Arten der Wälder so zu behandeln, dass sich in vielen Fällen ihr schlechter Zustand verbessert. Insbesondere den Moorwäldern, den Wäldern der sogenannten Weich- und Harthölzer und den alten bodensauren Eichenwäldern geht es seit Jahrzehnten schlecht. Diese Wälder sind ökologisch besonders wertvoll und müssten eigentlich als Hotspots der Biodiversität und als Rückzugsräume für seltene Arten dienen. Wir brauchen also deshalb ein Landeswassergesetz, denn es gibt Waldbesitzer, die für den Aufwuchs von Mischwäldern mit einheimischen Laubbäumen seit Jahrzehnten eigentlich alles richtig gemacht haben, aber trotzdem, wegen regionalem Wassermangel drohen diese Wälder quasi zu verdursten. Es braucht auch ein neues Landeswaldgesetz. Darüber ist ja schon auch gesagt worden, dass natürlich das Bundeswaldgesetz gescheitert ist. Aber wir haben ja auch die Möglichkeit, mit gutem Beispiel voranzugehen. Insgesamt, sehr geehrte Damen und Herren, es sind wichtige Schritte zu einer besseren Waldbehandlung in Mecklenburg-Vorpommern bereits gegangen. Mut macht auch das Engagement des früheren Chefs des Lübecker Stadtwaldes, Knut Sturm, im hiesigen Landwirtschaftsministerium. Sturm prägte 13 Jahre als Bereichsleiter des Lübecker Stadtwaldes das bekannte „Lübecker Modell“ einer naturnahen Waldnutzung, das Pate für die Bewirtschaftung der 5.000 Hektar Wald meiner Heimatstadt Rostock gestanden hat. Und deswegen ist das für mich auch ein gutes Weihnachtsgeschenk. Und an dieser Stelle, weil die Zeit auch vorbei ist, bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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