Dr. Monique Wölk
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Sehr geehrte Damen und Herren! Es weihnachtet und wir sprechen über den Wald. Denken wir zur Weihnachtszeit an den Wald, so verbinden viele damit sicherlich den Gedanken an den geschmückten Tannenbaum, (René Domke, FDP: Fünf Umsatzsteuersätze hat ein Tannenbaum.) an den besonderen Tannenduft, der mit dem Weihnachtsbaum Einzug in Haus oder Wohnung hält und der zu einem behaglichen Fest einfach dazugehört. Vielleicht denken einige aber auch an den gemeinschaftlichen Familienausflug zum Forsthof, um die Weihnachtstanne direkt beim Förster zu kaufen oder sie gleich selbst zu schlagen. Andere mögen an die letzte Weihnacht denken, die sie nicht im Wohnzimmer unter dem Tannenbaum, sondern möglicherweise sogar im verschneiten Winterweihnachtswald mit ihren Lieben verbracht haben. Es liegt also durchaus nahe, zur Weihnachtszeit über den Wald und seine weitere Entwicklung zu sprechen. Es gibt aber auch noch einen anderen Grund, jetzt zur Weihnachtszeit über den Wald in unserem Land zu reden, denn im Oktober dieses Jahres wurden die Ergebnisse der Bundeswaldinventur für das Jahr 2022 vorgestellt. Und lassen Sie es mich vorweg auf den Punkt bringen, der Vergleich mit den Bundesergebnissen zeigt, dass es dem Wald in unserem Land gut geht und dass der Prozess des langfristigen Waldumbaus in Richtung eines klimaresilienten Mischwaldes, der sich durch Naturverjüngung erneuert und widerstandsfähiger wird, Wirkung zeigt. Und das ist für unser Land sehr wichtig und deshalb führen wir heute die Aussprache zum Zustand und zur Entwicklung unseres Waldes beziehungsweise über unser Land auf dem Weg zu klimaangepassten Wäldern. Alljährlich zur Weihnachtszeit nutzen wir unseren Wald als Rohstofflieferant für das weihnachtliche Großereignis, um unsere persönlichen Weihnachtsvorlieben zu erfüllen. Und auch über das weitere Jahr hinweg dient uns der Wald auf ganz unterschiedliche Weise mit essenziellen Funktionen, die wir oft gar nicht wahrnehmen oder einfach als gegeben hinnehmen, ohne dass wir uns darüber klar sind, wie grundlegend diese Funktionen für unser Wirtschaften, für unser Landwirtschaften und für unser gesellschaftliches Leben beziehungsweise auch Überleben ist. Dabei geht es neben den Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Nutzung des Waldes und damit auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum vor allem um die sogenannten Ökosystemdienstleistungen. Der Wald trägt immens zum Klimaschutz in unserem Land bei, indem er CO bindet, 8,6 Tonnen pro Hektar 2 und Jahr in M-V. Und bei einer Waldfläche von – nach der neuen Bundeswaldinventur – 586.000 Hektar sind das im Jahr gut 40 Millionen Tonnen, eine ganze Menge. Und wir können davon ausgehen, dass dieser Betrag weiter steigt, denn das Land setzt sein Aufforstungsprogramm fort und unterstützt damit die Waldmehrung, ganz zu schweigen von dem Potenzial, das in der Naturverjüngung liegt und in der Vergangenheit – die Bundeswaldinventur hat es nun gezeigt – einen wichtigen zusätzlichen Beitrag zur Waldmehrung in M-V geleistet hat. Eine weitere Funktion des Waldes besteht in seinem Naturschutzbeitrag. Er bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen und sichert damit unsere Artenvielfalt, sprich unsere Biodiversität im Land. Er hält unsere Luft rein, er trägt dazu bei, dass Sauerstoff produziert wird, und – ganz besonders wichtig – im Sommer kühlt er unsere Landschaft. Er schützt vor Erosion, er bildet neuen Humus und damit fruchtbaren Boden. Er schützt vor Hochwasser und dient als Wasserreservoir, in dem Wasser im Boden aufgenommen und gespeichert wird, gefiltert wird und dem Grundwasser zugeführt wird. Er kann als Nahrungslieferant dienen, und nicht zuletzt hat der Wald in unserem Land eine wichtige gesellschaftliche Funktion, er dient der Erholung, er dient der Gesundheit und er dient der touristischen Wertschöpfung. Sie sehen und Sie wissen es, der Wald ist eine immens wichtige Grundlage für unser Leben in M-V, für unser Wirtschaften, für unser gesamtes Land. Um diese ökologischen, ökonomischen und sozialen Funktionen des Waldes zugleich zu berücksichtigen und zu fördern, bedarf es strukturreicher Mischwälder und einer naturgemäßen Waldnutzung und Waldwirtschaft. Wir haben uns in M-V auf den Weg gemacht, genau dies zu erreichen, indem wir auf das Konzept der Dauerwaldbewirtschaftung setzen, auf Naturverjüngung, auf den Verzicht von Kahlschlägen und auf den Verbleib von Totholz im Wald. Wie hat sich aber nun der Wald, gemessen an diesen Zielen, in den letzten Jahren entwickelt? Die Bundeswaldinventur, die alle zehn Jahre durchgeführt wird, gibt darüber Aufschluss. Es handelt sich hier um ein Gemeinschaftsprojekt von Bund und Ländern, das vom Thünen-Institut für Waldökosysteme koordiniert wird, mit verschiedensten Fachleuten organisiert und schließlich umgesetzt wird. Bundesweit – und das muss man wirklich mit großer Besorgnis zur Kenntnis nehmen –, bundesweit hat die Waldinventur gezeigt, dass unsere Wälder nicht gesund sind, dass sie nicht weitergewachsen sind, dass sie im Grunde genommen von ihrer Größe her über die ganze Bundesrepublik gerade einmal stabil geblieben sind und dass sie zu einer Kohlenstoffquelle geworden sind, nicht mehr, wie wir bisher immer dachten, eine Kohlenstoffsenke sind. Das liegt unter anderem an den gravierenden Auswirkungen der Sommerdürre. Sie erinnern sich an die Jahre 2018 und 2019. Auch wir in M-V hatten große Probleme. Auch in den weiteren Jahren hatten wir mit Hitzeperioden im Sommer große Probleme und Erfahrungen. Aber diese beiden Jahre waren bundesweit besonders schlimm. Und auch im Anschluss daran kam es zu weiteren Kalamitäten, Borkenkäferbefall, Stürme und so weiter und so fort. Der Wald hatte schwer zu kämpfen und hat bundesweit sehr gelitten. In M-V haben wir tatsächlich Glück gehabt, denn die Maßnahmen, die wir eingeleitet haben, haben dazu beigetragen, dass wir diese Schäden natürlich noch sehen, aber dass wir sie halbwegs gut überstanden haben. Die Waldfläche in M-V hat sich insgesamt gegen den Bundestrend vergrößert. Sie beträgt nun 25 Prozent der Landesfläche, das sind 584.000 Hektar. Und damit ist sie im Vergleich zur letzten Inventur um 5.700 Hektar größer geworden. In M-V ist der Wald weiterhin eine Kohlenstoffsenke, keine Quelle, und er trägt mit 8,6 Tonnen CO -Speicherung pro Hektar und Jahr dazu bei, dass 2 unsere Wälder den Kohlenstoff aus der Luft filtern und im Boden binden. Der Anteil der Nadelbäume ist erstmals unter 50 Prozent in unseren Wäldern gesunken, das heißt, die Diversifizierung, der Waldumbau in Richtung eines stärkeren Anteils von Laubbäumen hat funktioniert. Besonders hervorzuheben ist, dass eben Buchen, Eichen, Erlen und Birken mehr geworden sind. Und auch die weiteren Merkmale unseres Waldes in M-V zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind. Das Durchschnittsalter unseres Waldes ist um sechs Jahre gestiegen, die Baumbestände sind weniger einheitlich, sie sind diversifizierter, sie sind vielfältiger, sie sind mehrschichtiger. Die strukturarmen Bestände haben sich verringert auf 32 Prozent – eine Verringerung um 8 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre. Die einschichtigen Reinbestände, die Bestände, die für Schadensereignisse besonders anfällig sind, findet man in M-V nur noch auf 13 Prozent der Waldfläche. Und auch hinsichtlich der Nutzung bescheinigt uns die Bundeswaldinventur aus dem Jahr 22 eben einen vorausschauenden, nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wald. Der Holzvorrat pro Hektar ist genauso angewachsen wie der Gesamtvorrat im Wald. Auch hier ist der Anstieg im Laubbaumsegment hervorzuheben, zum Beispiel im Buchenbestand. Und auch der Waldnaturschutz ist insgesamt auf einem hohen Niveau. 12,5 Prozent der Waldfläche liegen außerhalb der Nutzung, ein Flächenanteil, der sich in den letzten zehn Jahren um 15.000 Hektar erhöht hat. Das sind die Flächen, die zu unseren Nationalparken gehören, das sind die Naturschutzgebiete oder die Naturschutzreservate. Und weitere 30,7 Prozent unserer Waldfläche werden extensiv oder gar nicht genutzt, und damit stehen diese Flächen eben auch dem Naturschutz zur Verfügung. Im Vergleich mit den Bundesergebnissen zeigt es sich also, dass es dem Wald gut geht, dass der Prozess des langfristigen Waldumbaus in Richtung eines klimaresilienten Mischwaldes, in Richtung Naturverjüngung, in Richtung Widerstandsfähigkeit Wirkung zeigt. Unsere Wälder werden vielfältiger und strukturierter, sie gewinnen an Stabilität, die Biodiversität wächst, der Waldnaturschutz ist auf einem hohen Niveau. Das Dauerwald-Konzept, das wir in diesem Land umsetzen, geht also auf. Und auch die Aufforstungsinitiativen im Rahmen des Landesprogramms „Unser Wald in M-V“, übrigens die größte bundesweite Aufforstungsinitiative, die es bisher gab, zeigt Wirkung. Es wurden über 800 Hektar neue Waldflächen aus Mitteln der Initiative und unter Beteiligung von Vereinen, Verbänden und Schulklassen angelegt. Es wurden 3,5 Millionen standortgerechte, klimafeste Bäume und Sträucher gepflanzt. Bis zum Ende der Legislatur sollen es 5 Millionen sein. Damit unser Wald in 100 Jahren Klima und Wetter immer noch trotzen kann, müssen wir diese Schritte aber konsequent weitergehen. Waldumbau, Waldschutz und Waldmehrung müssen Hand in Hand gehen. Die Reform des Landesjagdgesetzes dazu war ein wichtiger Schritt. Es hat dazu beigetragen, dass wir unsere Wälder zukünftig stärker vor Verbiss schützen können und ihnen damit mehr Chancen geben, sich klimafest entwickeln zu können. Zusammengefasst, die Wälder in M-V sind auf dem richtigen Weg, aber wir müssen diesen Weg weiter beschreiten mit aller Konsequenz. Ich freue mich jetzt auf die Aussprache zu den Ergebnissen der Bundeswaldinventur und darüber, wie wir unsere Wälder weiterhin gesund erhalten und an die klimatischen Veränderungen anpassen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
