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Dirk Stamer

SPD 11.12.2024 Sitzungen 8/93

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir beraten heute hier in der Ersten Lesung den Gesetzentwurf der Landesregierung des Lehrkräftebildungsgesetzes. Die Reform des Lehrkräftebildungsgesetzes stellt für uns einen ganz zentralen Baustein für die Zukunft unserer Bildungspolitik dar. Wir wollen damit das Lehramtsstudium deutlich attraktiver, deutlich praxisnäher gestalten und so für mehr Lehrkräfte an unseren Schulen sorgen. Und dies ist auch ein ganz dringend notwendiger Schritt. Uns als SPD-Fraktion liegt gute Bildung am Herzen und daher stehen auch wir selbstverständlich hinter diesem Gesetzentwurf. (Torsten Renz, CDU: Ist ja ganz neu.) Ich bin auch froh, Herr Renz, dass wir nun endlich auch hier im Parlament über den Gesetzentwurf debattieren können, (Torsten Renz, CDU: Da bin ich auch froh, nachdem das so lange gedauert hat. – Zurufe von Andreas Butzki, SPD, und Sebastian Ehlers, CDU) denn das gibt mir hier auch die Möglichkeit, etwas zu dieser unsäglichen Kampagne der CDU der letzten Monate gegen diesen Gesetzentwurf sagen zu können, denn schon lange, bevor das Gesetz auch nur im Kabinett war, haben Sie ganz bewusst Verunsicherung in diesem Land geschürt. (Unruhe vonseiten der Fraktion der CDU) Sie haben ganz bewusst falsche Behauptungen in den Raum gestellt, um daraus politisches Kapital zu schlagen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Sebastian Ehlers, CDU: Was war denn falsch? – Torsten Renz, CDU: Welche Behauptung war denn falsch? – Glocke der Vizepräsidentin) Und wie bereits angekündigt, … (Sebastian Ehlers, CDU: Aha! – Zuruf von Torsten Renz, CDU) Gedulden Sie sich, Herr Renz! … kommen wir nun wieder von der Fiktion zur Realität, vom Mythos zum Logos, (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) von Falschaussagen zur Wahrheit, ohne Hetze, aber mit Fakten. (Sebastian Ehlers, CDU: Hetze?! Wo haben wir denn gehetzt?) Mythos 1: die befürchtete Abschaffung des Gymnasiums. Was wir in diesem Land nicht brauchen, meine Damen und Herren, sind Fake News. Von nichts anderem kann man aber bei der CDU-Kampagne der letzten Monate sprechen. In der Pressemitteilung vom 24. Mai dieses Jahres behaupteten Sie, Herr Peters, keine Ausbildung eines Gymnasiallehrers bedeute irgendwann zwangsläufig die Auflösung des Gymnasiums. (Sebastian Ehlers, CDU: Der nächste Schritt, ja.) Am 18.04. haben Frau Hoffmeister und Herr Renz gemeinsam eine PM herausgegeben. „Erst kommt die Einheitslehrkraft,“ stand dort geschrieben, „dann kommt die Einheitsschule, dann die Abschaffung des Gymnasiums.“ (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Heute ist der 11. Dezember, und wir haben nun erst die Erste Lesung des Gesetzes. Sie haben also schon ein halbes Jahr, bevor dieses Gesetz überhaupt im Landtag war, dazu Falschaussagen verbreitet. (Zuruf von Ann Christin von Allwörden, CDU) Und das ist ein Tiefpunkt einer politischen Diskussion und nicht konstruktiv. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Sie haben einen Gesetzentwurf kritisiert und dazu eine teure Kampagne gestartet, obwohl Sie den Inhalt noch gar nicht kennen konnten. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD – Ann Christin von Allwörden, CDU: Der gleiche Text.) Sie haben auch damit, (Ann Christin von Allwörden, CDU: Der gleiche Text. – Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) und Sie haben damit ganz bewusst Eltern in diesem Land versucht zu verunsichern, (Zuruf von Ann Christin von Allwörden, CDU) um daraus politisches Kapital zu schlagen. (Vizepräsidentin Elke-Annette Schmidt übernimmt den Vorsitz.) Aber nun kommen wir wieder zu unserem Gesetz: (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Nein, wir schaffen keine Schulart ab, und schon gar nicht das Gymnasium. Und unsere Gymnasien bleiben fester Bestandteil (Sebastian Ehlers, CDU: Na ja.) unserer bewährten Schullandschaft, (Ann Christin von Allwörden, CDU: Aber auch ohne Gymnasiallehrer.) also eine tragende Säule dieses unseres Bildungssystems. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Mit unserem Gesetz stärken wir hingegen alle Schularten, indem wir unsere Ausbildung deutlich verbessern. Wir wollen damit erreichen, dass jede Lehrkraft das ideale Rüstzeug hat, um unseren Kindern die Inhalte im Unterricht optimal beizubringen. Davon profitiert jede einzelne Schulart, auch das Gymnasium. Mythos 2: die Legende vom Einheitslehrer. Nachdem Sie nun genug Angst vor einer vermuteten Abschaffung des Gymnasiums geschürt haben, haben Sie sich etwas ganz Neues ausgedacht, und zwar das Gespenst des Einheitslehrers, ein neues Wort, um auch wieder hier Verunsicherung zu schüren. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Ich möchte hier noch einmal deutlich klarstellen, diese Reform zielt keinesfalls darauf ab, alle Lehrerinnen und Lehrer über einen Kamm zu scheren. Was wir hier tun, ist, die universitäre Lehrkräfteausbildung mit der Einführung des Stufenlehramts so zu verändern, dass Studierende für die Sekundarstufen ausgebildet werden, für Sek. 1, Sek. 2, nicht mehr wie vorher nach Schularten, sondern nach Klassenstufen. Hier wird nur die Klassifikation der Lehrerinnen und Lehrer angepasst, das ist kein Einheitslehrer. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Denn was machen wir damit? Wir ermöglichen ihnen einfach mehr Flexibilität. Das heißt, Studierende müssen sich nicht mehr mit Beginn des Studiums festlegen, ob sie später an einer Regionalen Schule oder an einem Gymnasium unterrichten wollen. Erinnern Sie sich bitte an die Radisch-Studie vor einigen Jahren. Wir verlieren laut dieser Studie eine größere Anzahl an Studierenden aus dem Studium, weil sie mit falschen Vorstellungen ein Studium begonnen haben. Viele junge Erwachsene wissen zu dem Zeitpunkt ihres Abiturs oft nicht zu einhundert Prozent, was sie einmal in ihrem Leben arbeiten möchten. Und mit unserer Gesetzesänderung können sie nun im Studium Erfahrungen sammeln in beiden Bereichen, um anschließend eine gute und fundierte Entscheidung treffen zu können. Das ist kein Einheitslehrer, sondern das ist ein durchdachtes Modell, das in anderen Bundesländern, unter anderem Hamburg, Bremen und Berlin, bereits erfolgreich praktiziert wird. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) So, und wenn Lehrkräfte später doch in einer anderen Schulform unterrichten wollen, ist das künftig deutlich leichter möglich als bisher. So können wir auf verschiedene Bedarfe an unterschiedlichen Schularten deutlich besser reagieren und das Ziel erreichen, dass möglichst viel Unterricht abgedeckt wird. Außerdem geht es auch darum, die Ausbildung so zu gestalten, dass angehende Lehrkräfte besser auf die Herausforderungen moderner Schulrealitäten vorbereitet sind – Kollegin Barbara Becker-Hornickel hat es gesagt –, unabhängig davon, an welcher Schulform sie später unterrichten wollen und werden. Mythos 3: das angebliche Absenken des Niveaus. Ein weiterer Kritikpunkt, insbesondere aus den Reihen der CDU, ist die angebliche Absenkung des Niveaus der Lehrkräfteausbildung. Und diese Behauptung ist nicht nur unbegründet, sondern sie ist auch gefährlich, denn die Inhalte orientieren sich an den Beschlüssen – die Inhalte unseres Gesetzentwurfes – der Kultusministerkonferenz, und bleiben selbstverständlich bundesweit anerkannt. Das Niveau wird nicht gesenkt. Wir setzen lediglich etwas andere Schwerpunkte im Studium und wir bringen hohes Fachwissen mit der Fähigkeit, dieses zu vermitteln, in ein deutlich besseres und pragmatischeres Verhältnis. Denn bisher – wir haben es schon gehört – ist der fachwissenschaftliche Anteil im Lehramtsstudium in Mecklenburg-Vorpommern überdurchschnittlich hoch. Viele Studierende klagen über extrem hohe fachliche Anforderungen im Studium, ohne diese Anforderungen später im Berufsleben tatsächlich zu benötigen oder davon zu profitieren. Meine Damen und Herren, Lehrerinnen und Lehrer wollen keine Professorinnen und Professoren in theoretischer Mathematik werden. Sie wollen unseren Kindern das Rechnen, Lesen und Schreiben beibringen, und zwar so, dass alle Kinder es verstehen. Und an dieser Stelle möchte ich auch noch einmal ganz deutlich sagen, dass Lehrerinnen und Lehrer für uns Akademiker sind, auch wenn die fachlichen Anteile der Ausbildung ein wenig abgesenkt werden zugunsten von mehr Pädagogik, Didaktik und Bildungswissenschaften, denn das ist zeitgemäß, das ist sinnvoll und erhöht am Ende die Unterrichtsqualität an unseren Schulen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Das Ziel dieser Reform ist es also, gerade die Qualität der Lehrerbildung zu steigern. Wir investieren in die Qualität der Ausbildung und das wird sich am Ende für uns alle auszahlen. Mythos 4: die befürchtete … (Torsten Renz, CDU: Wie viele gibt es denn?) Die Anzahl der Mythen basiert auf Ihrer Kampagne, Herr Renz. (Torsten Renz, CDU: Wie viele gibt es denn bei Ihnen?) Ja, dann müssen wir mal gucken, wie viel ich da rausgelesen habe aus Ihrer Kampagne. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Ja, machen Sie das mal ruhig. Mythos 4: die befürchtete geringere Nachfrage bei Studieninteressierten. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Es wird teilweise die Befürchtung geäußert, dass diese Reform das Lehramtsstudium unattraktiver für junge Leute, die vor der Entscheidung stehen, ob und wo sie ein Lehramtsstudium aufnehmen, machen könnte, und diese Befürchtungen sind vollkommen unbegründet. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Mit dem neueren, flexibleren Studienaufbau, der intensiveren Betreuung in der Studieneingangsphase, dem früheren Praxisbezug und der Möglichkeit von Quereinstiegsmastern sprechen wir ganz gezielt neue Zielgruppen an, zum Beispiel Bachelorabsolventinnen und -absolventen, die sich erst nach ihrem Erststudium für den Lehrerberuf entscheiden. Zudem erleichtern wir die Anerkennung ausländischer Lehrkräfte, indem wir auch Ein-Fach-Lehrämter ermöglichen. Und damit machen wir unser Lehramtsstudium nicht nur attraktiver, sondern sichern auch die Zukunftsfähigkeit unseres Bildungswesens. Wir wollen, dass die Lehrkräftebildung in Mecklenburg-Vorpommern wettbewerbsfähig und zukunftsorientiert ist. Und genau das soll durch diese Reform erreicht werden. Ich lade Sie dazu herzlich ein, gemeinsam mit uns daran konstruktiv mitzuwirken, denn genau das erwarten die Bürgerinnen und Bürger von Ihnen. Sie erwarten hingegen nicht skurrile und lebensmittelverschwenderische Kochshows mit wirklich unappetitlichen Endergebnissen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Sie erwarten, sie erwarten keine Fake News in Pressemitteilungen, sie erwarten keine Angstmacherei, denn wer Politik mit Angst betreibt, hat zu einem Thema wenig inhaltlich beizutragen. (Torsten Renz, CDU: So wie Herr Scholz gerade. So wie Herr Scholz gerade jetzt bei dem Thema, ne?!) Meine Damen und Herren, diese Reform ist genau der richtige Schritt, um die Ausbildung unserer Lehrkräfte zukunftssicher zu gestalten. Sie schafft die Grundlage für eine moderne, für eine gerechte und leistungsfähige Lehrkräftebildung und letztlich für die gute Ausbildung der Schülerinnen und Schüler in diesem Land. Lassen Sie uns gemeinsam diesen Weg zusammen gehen zum Wohle unserer Kinder, unserer Lehramtsstudierenden und somit dieser gesamten Gesellschaft! Daher bitte ich Sie um Zustimmung zur Überweisung in die Ausschüsse und danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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