Barbara Becker-Hornickel
Sehr geehrte Frau Präsidentin, vielen Dank! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete, ich habe immer das Gefühl, wenn es um solche Gesetze geht, die sich mit Unterricht beschäftigen, haben wir ganz verschiedene Dinge im Kopf. Jeder erinnert sich auch an die eigene Schulzeit. (Zuruf vonseiten der Fraktion der SPD: Genau!) Ich möchte meine Schulzeit, sehr verehrte Kollegin Hoffmeister, nicht zu Zeiten, die Sie angesprochen haben, gehabt haben wollen. Ich bin selber zwölf Jahre zur Schule gegangen. Ich habe die Schulzeit meiner Kinder beobachtet und habe jetzt die Schulzeit meiner Enkel, die in einer Gesellschaft unterrichtet werden, die sich doch sehr unterscheidet von dem, was ich persönlich erlebt habe. Aber zu diesem Gesetz: Ich denke, es ist wirklich ein sehr wichtiges Gesetz. Es geht ja nicht nur, nein, es geht überhaupt, es geht um die Bildung, es geht um die Zukunft unseres Landes, um die Zukunft unserer Kinder, Kindeskinder, denke ich. Und diese Zukunft darf nicht durch halbherzige Lösungen aufs Spiel gesetzt werden. Ob Regionale Schulen, Gymnasien oder Grundschulen – jede Schulform hat ihre spezifischen Herausforderungen. Ich vermisse im Gesetz die Maßnahmen, um diese Vielfalt auch in der Praxis zu stärken. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Es ist gut, dass Regionalschullehrerinnen und -lehrer verstärkt sonderpädagogische Inhalte in ihrem Studium haben. Aber warum nicht die Gymnasiallehrer? Auch an Gymnasien gibt es Schüler mit Lernschwierigkeiten wie LRS oder einem Bedarf an inklusiver Förderung. Ein modernes Lehrerbildungsgesetz muss diese Realität anerkennen und auch entsprechend handeln. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Dagmar Kaselitz, SPD) Mit 11 Prozent Seiteneinsteigern und 30 Prozent der neu eingestellten Lehrkräfte als Quereinsteiger sind sie ein fester Bestandteil unseres Schulsystems. Doch Hand aufs Herz: Ist das IQ M-V tatsächlich vorbereitet, diese Menschen angemessen zu begleiten? Auch das müsste sich hier in diesem Gesetz wiederfinden. Wir begrüßen den berufsbegleitenden Vorbereitungsdienst als Schritt in die richtige Richtung. Aber was nützt die beste Idee, wenn sie nicht mit den nötigen Ressourcen hinterlegt ist? Auch hier vermisse ich die konkrete Verankerung im Gesetzentwurf. Die hohen Abbruchquoten – jeder hat darüber gesprochen –, insbesondere im Regionalschullehramt, sind nun einmal sehr alarmierend. Die Studieneingangsphase, so zeigen wissenschaftliche Studien, ist der Schlüssel. Im Gesetzentwurf fehlen auch hier Maßnahmen, um die Studenten vom ersten Semester an zu unterstützen, Praxisphasen weiter auszubauen, damit angehende Lehrkräfte früh die Realität des Schulalltags erleben und dadurch motiviert bleiben. Die schon zitierte Universität Greifswald macht es vor. Mit einem hohen Anteil an Praxisphasen und nahezu keinen Abbrechern im Grundschullehramt zeigt sie doch, wie es geht. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Doch anstatt diese Erfolge landesweit auszurollen, bleibt der Gesetzentwurf an dieser Stelle bemerkenswert still. Das kann doch nicht alles sein! Die Verbesserung des Referendariats und der Einstellungsverfahren ist ein notwendiger Schritt, um den Lehrerberuf attraktiver zu machen, keine Frage, doch Attraktivität bedeutet mehr als Anrechnungsstunden oder ein vereinfachtes Bewerbungsverfahren. Attraktivität entsteht, wenn wir den Lehrerberuf wieder als gesellschaftliche Schlüsselrolle durch gesellschaftliche Wertschätzung, Anerkennung und Respekt verstehen. (Torsten Renz, CDU: Sehr richtig!) Und attraktiv bedeutet auch, dass wir den Lehrkräften Freiheit und Eigenverantwortlichkeit zugestehen. Fortschritt entsteht nicht durch staatliche Bevormundung, sondern durch die Motivation und den Gestaltungswillen jedes Einzelnen. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP – Zuruf von Torsten Renz, CDU) Wir sprechen uns für die Überweisung dieses Gesetzentwurfs aus, selbstverständlich. Ich freue mich auf die Diskussion im Wissenschaftsausschuss, aber wir stellen klare Forderungen für Nachbesserungen: mehr Ressourcen für die Begleitung von Quereinsteigern, konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Abbruchquoten im Lehramtsstudium, eine bessere Verzahnung der Studieninhalte zwischen den Schulformen, um die Realität des inklusiven Unterrichts zu reflektieren, mehr Mut zu Innovation, insbesondere durch den Ausbau von Praxisphasen und eine stärkere Unterstützung in der Studieneingangsphase. Ich denke, Mecklenburg-Vorpommern hat durchaus die Chance, ein Vorbild in der Lehrerbildung zu werden. Doch dazu brauchen wir ein Gesetz, das nicht nur gute Absichten formuliert, sondern diese auch in konkrete, finanzierte und zukunftsweisende Maßnahmen umsetzt. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP)
