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Christian Albrecht

Die Linke 11.12.2024 Sitzungen 8/93

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf fassen wir nun den Bereich der ersten Phase der Lehrerbildung an, nachdem ja das Bildungsministerium bereits eine Novelle zur zweiten und dritten Phase auf den Weg gebracht hat. Wenn wir dieses Gesetz durch das parlamentarische Verfahren gebracht und hoffentlich dann mit großer Mehrheit beschlossen haben, haben wir in summa ein ganz zentrales Anliegen des Koalitionsvertrages eingelöst – die große Reform der Lehrerbildung. Dass die Reform notwendig ist, das klang ja hier schon mehrfach an, denn die Kritik am Status quo hier im Bundesland ist auch groß. Und ich selbst habe ja auch hier in Mecklenburg-Vorpommern das Gymnasiallehramt durchlaufen, das Studium, so kann ich also auch aus eigenem Erleben berichten, wie die Mängel sind. Ich könnte da jetzt endlose Anekdoten erzählen, das spare ich mir jetzt. Das deckt sich aber ganz wesentlich mit dem, was ja immer wieder in Studien und Umfragen unter den Studierenden herauskommt. Und der Kern der Kritik ist immer derselbe: Dieses Lehramtsstudium ist überladen mit Fachwissenschaften, bildungswissenschaftliche, pädagogisch-didaktische Inhalte kommen zu kurz und zu spät, die Übergänge ins Referendariat sind nicht gut gewährleistet, es findet zu wenig Praxis statt. Und dann kommt im Referendariat ganz oft der Praxisschock, was mit erheblichem Stress einhergeht. Viele haben dort dann schon den ersten Burn-out, bevor sie dann überhaupt richtige, endausgebildete Lehrer oder Lehrerinnen geworden sind. Ich habe das in der Vergangenheit immer so formuliert zu sagen, dass wir in diesem Land Lehramtsstudierende zu tollen wissenschaftlichen Mitarbeitern ausbilden, aber eben nicht zu Pädagogen. (Zuruf vonseiten der Fraktion der SPD: Richtig!) Unterm Strich muss man sagen, dass viele Studierende das ja ähnlich gesehen haben. Das hat sich ja dann auch Ausdruck verliehen in den Abbrecherquoten – das ist hier schon mehrfach zitiert worden –, bis zu 70 Prozent, wobei man da auch sagen muss, dass es nicht so ist, wie von der AfD insinuiert, dass das Leute sind, die am Studium scheitern, die Prüfungen nicht schaffen und deswegen ausscheiden, sondern ganz oft ist das einfach eine Erwartungshaltung, die sich nicht erfüllt hat, (Heiterkeit bei Enrico Schult, AfD) die Erwartungshaltung, dass man eben Lehr- und Lerninhalte da bekommt, dass man auf das Lehrerdasein vorbereitet wird (Enrico Schult, AfD: Macht es das besser, Herr Albrecht? Macht es das besser?) und dann feststellt, dass eben dieses Studium das nicht ganz erfüllen kann. Und das versuchen wir aber zu adressieren, weil Sie haben ja gesagt, es ist ein Problem, die Prüfungslast abzusenken, man müsste hier eine Bestenauslese machen, (Zuruf von Horst Förster, AfD) und ich sage, nein, wir müssen dieses Lehramtsstudium darauf ausrichten, wie dann auch später der Lehrberuf sein wird. Bei diesen Abbrechern scheiden halt nicht alle aus, viele ändern auch einfach ihre Fächerkombination, weil sie dann festgestellt haben in Religion, dass sie dann neben dem Latinum noch ein Graecum und ein Hebraicum brauchen, und dass es vielleicht doch ein bisschen viel ist, und sagen, gut, dann mache ich doch lieber was anderes als Religion. Und die verlieren dann Zeit, bleiben aber erhalten. Ganz viele wechseln aber auch komplett den Studiengang und sind damit als Lehrkraft verloren. Sie kennen weiterhin die Radisch-Studie, die auch noch mal diese Kritik, die ich jetzt auch noch mal kurz ausgeführt habe, sehr stark in den Zusammenhang mit diesen Abbrecherquoten dann bringt. Insofern war hier ein großer Handlungsbedarf, und insofern bin ich auch sehr dankbar und froh, dass heute dieser Gesetzesentwurf vorliegt, der ja viele dieser Punkte adressiert, um eben die Abbrecherquoten zu senken, das Studium attraktiver und dann später auch berufsnäher zu gestalten, die angehenden Lehrkräfte besser auf den Unterrichtsalltag vorzubereiten, und – das ist ein netter Nebeneffekt, aber auch nicht ausschlaggebend – Lehrerinnen und Lehrer dann flexibler auch an den unterschiedlichen Schularten einsetzen zu können. Herzstück der Novelle ist eine Umstellung auf das sogenannte Stufenlehramt. Das wurde jetzt hier schon mehrfach verunglimpft als Einheitslehrer … (Torsten Renz, CDU: Beschreiben Sie mal die Stufen! Beschreiben Sie mal die unterschiedlichen Stufen!) Na Grundschule, also Primarbereich, Sekundarstufe 1, Sekundarstufe 2. (Torsten Renz, CDU: Ach, Grundschule ist eine Stufe?)

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