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Enrico Schult

AfD 11.12.2024 Sitzungen 8/93

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Gäste! Ja, wir debattieren heute über das Lehrerbildungsgesetz. Lehrerbildungsgesetz heißt es nicht mehr, es heißt jetzt politisch korrekt Lehrkräftebildungsgesetz. Und Seiteneinsteiger gibt es jetzt auch nicht mehr, es gibt jetzt Seiteneinsteigende, so im Gesetzentwurf. Aber gut, das ist eine Randnotiz. (Thomas Krüger, SPD: Und das ist Ihnen so wichtig, dass Sie es voranstellen? – Ministerin Bettina Martin: Ja, genau. – Zuruf von Horst Förster, AfD) Ich möchte mich tatsächlich um diesen Inhalt dieses Lehrerbildungsgesetzes, Herr Krüger, um den Inhalt des Lehrerbildungsgesetzes, darum möchte ich mich kümmern, darauf möchte ich eingehen, denn die Probleme in M-V – die Ministerin hat es ja in schonungsloser Offenheit hier dargelegt – sind wirklich akut: akuter Lehrermangel, 2.600 grundständig ausgebildete Lehrer fehlen bis 2030 und wir haben einen besonders hohen Lehrerbedarf in den MINT-Fächern. Nun habe ich mir die Pressemitteilung des Wissenschaftsministeriums angeschaut und da hat Frau Martin gesagt: „Mit dem Gesetz zur Lehrkräftebildung stellen wir die Lehrkräftebildung in Mecklenburg-Vorpommern vom Kopf auf die Füße.“ Da habe ich mich gewundert: Wer hat diese Lehrkräftebildung denn auf den Kopf gestellt? Weil, die SPD ist ja hier schon seit fast 30 Jahren in Regierungsverantwortung, und jetzt will man das wieder auf die Füße stellen. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Das hat mich tatsächlich etwas gewundert. Aber vielen Dank, Frau Martin, für Ihre schonungslose Offenheit! Denn dieses Problem, das ist ja in der Tat schon ganz lange existent. 70 Prozent der Lehramtsstudenten brechen ihr Studium ab und das darf uns nicht kaltlassen. Das war ja an dieser Stelle schon des Öfteren Thema hier im Plenum. Und auch meine Fraktion hat Änderungsanträge dazu gestellt. Leider sind die bei Ihnen nicht auf offene Ohren gestoßen, im Gegenteil, Sie haben das alles samt und sonders vom Tisch gewischt. (Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD: Warum wohl?!) Und auch in diesem Gesetzentwurf, muss ich sagen, gehen Sie weniger an die Ursachen ran, sondern Sie doktern an den Symptomen rum. Denn warum ist es denn so, dass immer weniger Abiturienten in unsere Schulen gehen? Warum wollen denn immer weniger Abiturienten Lehrer werden, vor allen Dingen starke Abiturienten? Warum wollen immer weniger starke Abiturienten Lehrer werden? Die Schule ist mittlerweile zum Reizfeld geworden, werte Kollegen. Unterhalten Sie sich mal mit Lehrern! Die haben da Probleme: hohe Unterrichtsverpflichtung M-V-weit, wir haben Migrationsprobleme, Inklusion, die Förderschulen schließen wir, die Kinder kommen noch an die Regionalschulen. Es geht dort drunter und drüber. Und da müssen wir uns nicht wundern, werte Kollegen, wenn die Abiturienten, die starken Abiturienten sagen, nee, Lehrer werde ich erst mal nicht. (Zuruf von Marcel Falk, SPD) Die Ursachen oder das Ergebnis ist, wir haben einen hohen Krankenstand an unseren Schulen, Frühverrentungen und die Flucht in Teilzeit. Werte Kollegen, das zeigt, dass in dem Lehrerberuf einiges im Argen ist. Und Sie reagieren jetzt mit diesem Gesetzentwurf folgendermaßen darauf, dass Sie die Standards absenken wollen. Sie wollen sozusagen die Standards absenken, dass noch mehr Lehrer werden und dass die 70-prozentige Durchfallquote halt nicht mehr so hoch ist, indem wir halt diese Standards absenken. Und da muss man Ihnen wirklich vorhalten – und das gebe ich zu bedenken –, dass Sie aus weniger gut ausgebildeten Abiturienten, ich sage mal, Schmalspurabiturienten jetzt Schmalspurlehrer machen wollen. Das darf nicht passieren, werte Kollegen! Wir müssen das Lehramtsstudium qualitativ hochwertig halten, und wir müssen dafür werben bei den besten Abiturienten, die wir in unseren Schulen haben, denn die werden später auch wieder vor der Klasse stehen und werden das natürlich vermitteln wollen, was dort in den Unterricht sozusagen einfließen will. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Sie wollen nun die Prüfungslast mindern – ich führe das aus –, weil die Lehramtsstudenten sie nicht aushalten. Sie halten die allerdings auch deswegen nicht aus, werte Kollegen, weil sie nun mal Absolventen eines Schulsystems sind, das immer weniger zur Leistungsorientierung, zur Ausdauer, zur Selbstverantwortung erzieht. Vielmehr erzieht es zur Abrechnerei der Schnitte, es erzieht zum Abwählen von Kursen, zu Noten und zu diversen Nachteilsausgleichen, es erzieht, prägnant ausgedrückt, eben genau zur Leistungsvermeidung, werte Kollegen. Und das müssen wir uns in den Schulen noch einmal vergegenwärtigen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Und die Wissenschaftsministerin Frau Martin sprach hier jetzt an den Einheitslehrer. Ich weiß nicht, ob ich den Begriff „Einheitslehrer“ ... Es geht aber in der Tat in diese Richtung, (Torsten Renz, CDU: Ja, ist vollkommen richtig.) werte Frau Ministerin. (Torsten Renz, CDU: Vollkommen richtig!) Denn es ist so, wenn wir uns die Zahlen mal anschauen – Sie haben ja gesagt, die Schüler können später noch wählen, ob sie Regionalschullehrer werden wollen oder Gymnasiallehrer –: Ja, warum ist es denn so, dass ganz viele Lehramtsstudenten das Gymnasium präferieren? Es ist eben so, dass an den Regionalschulen der Unterricht immer schwieriger wird. Und die Zahlen geben das, ganz klar drücken die das aus. Ich habe das mal zusammengerechnet: In den letzten drei Jahren haben 223 Abiturienten sich für das Schul…, also für das Lehramt der Regionalschule entschieden. 223! Und im Gegensatz, 512 wollen am Gymnasium unterrichten. Sie wissen eben, dass der Unterricht am Gymnasium wegen spezieller struktureller Probleme natürlich noch besser durchzuführen ist. Wir haben da nicht die Inklusion, wir haben da nicht die Disziplinprobleme und wir haben auch nicht diese hohe Unterrichtsverpflichtung, das heißt, dass ich immer einspringen muss für Kollegen. Und da stimmen die, da stimmen die Lehrer mit den Füßen ab. Und ich bin da skeptisch, dass Sie das jetzt mit diesem Gesetzentwurf vermeiden oder regeln können, anders regeln können. Es wird dennoch der Fall sein, dass ganz viele Lehramtsstudenten dann später das Gymnasium wählen. Und deshalb müssen wir da aufpassen, dass wir nicht zur Gesamtschule der Nation werden. Wir brauchen das gegliederte Schulsystem, und das besteht aus Förderschulen, insbesondere aus Förderschulen Lernen, Regionalschulen, aber auch aus den Gymnasien. Sie wollen – das führte die Ministerin ebenfalls aus – den Anteil von Fachwissenschaften im Studium absenken. Das sehen wir kritisch, werte Kollegen, weil eben ein Lehrer, der da vorne steht, der muss natürlich auch Meister seines Faches sein, der muss eine Lehrerpersönlichkeit sein. Und es kann nicht ein „Schmalspurlehrer“ sein, sage ich jetzt mal in Anführungszeichen, sondern er muss im Themenkomplex, im Stoff natürlich auskunftsfähig sein. Und deshalb sehen wir das kritisch. Sie haben ja bemängelt, dass insbesondere in den Naturwissenschaften immer weniger Lehrer vorhanden sind. Ja, das hängt auch damit zusammen, dass wir an den Schulen auch kaum noch Naturwissenschaften oder kaum noch, aber weniger Naturwissenschaften unterrichten. Der Unterrichtsausfall ist da immens in den Schulen, insbesondere im Fach Physik. Wir haben ja das Programm aufgelegt, dass sozusagen Physiklehrer im ländlichen Raum einen Zuschuss bekommen, aber das Programm greift nicht, sehr geehrte Damen und Herren. Es wird an den Schulen, wenn ich mir einmal das Fach Physik rausnehme, immer weniger Physik unterrichtet, und das führt auch dazu, dass natürlich von den Abiturienten immer weniger später eben auch im Lehramtsstudium meinetwegen das Fach Physik wählen, weil sie das im Unterricht nicht entsprechend behandelt haben oder das sozusagen nicht vernünftig vermittelt wurde. Ich habe dazu eine Kleine Anfrage gestellt. Und da brauchen Sie gar nicht mit dem Kopf zu schütteln, Frau Schröder. Da können Sie gerne meine Kleine Anfrage mal nachlesen. (Thomas Krüger, SPD: Natürlich kann sie das. – Zuruf von Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD) Da ist es so, dass beispielsweise diese Leistungskurse – und daran kann man es ja gut sehen –, die Leistungskurse, welche die Schüler wählen, dass da Physik bei den Jungen auf Platz sechs erst kommt und bei den Mädchen auf Platz neun. Das heißt, die Abiturienten in den Gymnasien, die wählen ganz selten noch das Fach Physik. Und das ist ein Teufelskreis. Dann fehlen uns wieder starke Abiturienten, die eben gute Physikleistungen haben. Und die werden sich dann auch nicht zur Verfügung stellen, wenn es später um das Lehramtsstudium geht. Wenn sie Lehrer werden, dann meistens nicht in den Naturwissenschaften und dann meistens auch nicht im Fach Physik. Kommen wir zum Positiven, werte Kollegen: Die Zugangswege für einen Masterstudiengang für das Lehramt an beruflichen Schulen sollen erweitert werden. Das heißen auch wir ausdrücklich gut. Neben Meistern lassen Sie zu, wer eine dem Meisterabschluss vergleichbare Qualifikation mitbringt oder drei Jahre Praxis nachweist. Das ist auch richtig, denn Praxis braucht eben auch Praktiker, werte Kollegen. Ebenso richtig ist, die bisherige Eingangsprüfung durch ein erfolgreich absolviertes einjähriges Probestudium zu ersetzen. Auch befürworten wir die Quereinstiegsmasterstudiengänge, von denen die Ministerin gerade sprach, und das duale Studiengangmodell für das berufliche Lehramtsstudium. Ich möchte allerdings – und das habe ich an dieser Stelle schon des Öfteren gesagt – das Kernproblem einmal skizzieren, und das klang in den Worten von Frau Martin ja auch an, dass beispielsweise die Ausbildung an den Universitäten nicht den Stellenwert genießt, den sie eigentlich haben müsste, dass dort halt Lehramtsstudenten zusammen mit Informatikern zusammensitzen oder mit Wirtschaftsingenieuren und so weiter. Da habe ich schon des Öfteren den Vorschlag gebracht, dass wir im Land unbedingt die Prüfung einer pädagogischen Hochschule anschieben müssen, denn wir müssen ganz klar konstatieren, die Talsohle oder der Niedergang der Lehrkräfteausbildung hat sich sozusagen eingestellt, als wir das an die Universitäten, ausschließlich an die Universitäten, gegeben haben. Und die Erfahrungen aus der DDR-Zeit können durchaus dort ein Vorbild sein, (Zuruf von Horst Förster, AfD) indem es heißt, lassen Sie unsere Lehrer, lassen Sie unsere Lehrer frühzeitig sehr praktisch ausbilden. Und da ist beispielsweise die Ausbildung der Polizisten ein gutes Vorbild – die Hochschule für Verwaltung in Güstrow –, indem wir die Lehramtsstudenten frühzeitig einstellen, auch schon vergütet einstellen, dann aber eben wiederum die Besten aussuchen, weil wir haben, tatsächlich so 70 Prozent brechen ab, weil eben auch ganz viele sagen, ich werde einfach mal Lehrer, aber Lehrer wird man nicht einfach eben so, da gehört einiges dazu. Deshalb würden wir dann per Eignungstests die Besten auswählen, die sozusagen an diesen Hochschulen ausbilden. Dann könnten wir auch die Fächerkombination ausbilden, die wir bräuchten im naturwissenschaftlichen Bereich, und wir hätten eben auch nicht das Phänomen oder das Problem, dass die Lehramtsstudenten, wenn sie denn fertig sind, unser Land reihenweise verlassen. Dann wären sie quasi schon im Staatsdienst. Es kostet ein bisschen Geld, ich habe es schon öfter gesagt, lassen Sie uns das prüfen. Wir haben schon viele Anträge in diese Richtung gestellt. Ich bin der Meinung, das wird hier nicht der große Wurf sein, sehr geehrte Frau Martin. Gleichwohl freuen wir uns als AfD-Fraktion auf die Debatte im Ausschuss, an der wir uns konstruktiv beteiligen werden. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)

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