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Bettina Martin

11.12.2024 Sitzungen 8/93

Vielen Dank! Wir versuchen es also noch mal. Wie gesagt, wir haben jetzt, nachdem die Bildungsministerin und ich, und die Ministerien gemeinsam natürlich, das alles eng miteinander abgestimmt haben, (Marc Reinhardt, CDU: Na was denn?!) einen Entwurf vorliegen, der in den Phasen gut aufeinander abgestimmt ist, ein Entwurf für ein neues großes Lehrerbildungsgesetz. (Torsten Renz, CDU: Das glaubt doch kein Mensch.) Und das war bisher auch ein guter und intensiver Austausch, (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) und dafür möchte ich auch allen, die daran beteiligt waren, herzlich danken. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) In meiner verbleibenden Zeit möchte ich Ihnen jetzt hier noch mal kurz die Highlights oder, ich sage mal, die Schwerpunkte dieser Lehrkräftebildung vorstellen. Derzeit hat das Lehramtsstudium in M-V den höchsten Anteil fachwissenschaftlicher Inhalte bundesweit. Wir bilden Lehrkräfte für Regionale Schulen aus, die im Studium mehr Leistungspunkte in den Fachwissenschaften erbringen müssen als im Bundesvergleich die Gymnasiallehrkräfte. Dafür liegt M-V in Didaktik und Pädagogik ganz hinten. Das ist nicht gut. Wer schon mal mit Studierenden im Lehramt gesprochen hat, der weiß, dass hier ein Grund für den Frust und so manchen Studienabbruch liegt, vor allem eben auch in den ersten Semestern. Diese Situation werden wir vom Kopf auf die Füße stellen, denn wir wollen ja keine Professorinnen und Professoren ausbilden im Lehramtsstudium, sondern Menschen, die unseren Kindern und Jugendlichen neben nötigen Fachgrundlagen Kompetenzen und Fähigkeiten vermitteln. Und dafür benötigen sie das notwendige Rüstzeug. „Mehr Praxisnähe“ ist hier das Stichwort. Das fängt damit an, dass die Lehramtsstudierenden in den ersten Semestern, vor allem im Bereich der Naturwissenschaften und in Mathe, ihre Seminare nicht stets mit den Bachelorstudierenden gemeinsam besuchen müssen, sondern stattdessen gerade zu Anfang ihres Studiums auch in den Fachwissenschaften eigens auf die angehenden Lehrkräfte zugeschnittene Lehrveranstaltungen besuchen. Das wünschen sich die Studierenden, dass der Bezug zum Lehrerberuf im Studium von Anfang an gestärkt wird. Und sie sollen weniger Leistungspunkte in den Fachwissenschaften einbringen müssen und dafür mehr Bildungswissenschaft und Fachdidaktik lernen. Selbstverständlich ist das dann auch KMK-konform, das heißt, selbstverständlich wird dieses Studium natürlich dann auch überall in Deutschland anerkannt. Auch hier täten wir, glaube ich, gut daran, gemeinsam keine unbegründeten Ängste zu schüren. Denn richtig ist, endlich schließt unser Land auf in Sachen Pädagogik und Didaktik. Das ist ein Mehr an Qualität und nicht ein Weniger, und das macht das Lehramtsstudium eben auch attraktiver als bisher. (Torsten Renz, CDU: Auch da habe ich Zweifel.) Die KMK-konforme Anpassung der überfrachteten Fachanteile macht übrigens auch und gerade das Gymnasialschullehramt besser. Denn auch die Herausforderungen an den Gymnasien haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. (Torsten Renz, CDU: Aha, doch differenzierte Ausgangslage.) Darauf werden unsere Universitäten sie nun besser vorbereiten. Und ja, diese Reform wird dazu führen, dass sich mehr angehende Lehrkräfte für die Arbeit in einer Regionalen Schule entscheiden werden. (Marc Reinhardt, CDU: Da bin ich gespannt.) Zukünftig müssen sich die jungen Leute nicht mehr nach dem Abi direkt, sozusagen frisch von der Schule, sondern erst zum Referendariat entscheiden, ob Regionale Schule, Gesamtschule oder Gymnasium für sie der richtige Weg sein wird. Wer weiß das schon mit 18 oder sogar 17 genau, welcher Weg der richtige ist?! (Torsten Renz, CDU: Meine Kinder.) Und hinzukommt, die allermeisten Studis haben ihr Abi am Gymnasium gemacht, das heißt, sie kennen nur das Gymnasium von innen. (Unruhe bei Torsten Renz, CDU) In dem Studium, was wir jetzt einführen wollen, werden sie eben auch die vielen guten Regionalschulen kennenlernen können, die es bei uns im Land gibt, und sich dann sicherlich eher auch für den Schritt in die Regionale Schule entscheiden können. Das haben wir übrigens bei der LehrerLANDPARTIE auch erfahren, dass in dem Moment, wo die angehenden Lehrkräfte in die Schulen auch mal reinschnuppern können, sie kennenlernen, die Regionalen Schulen, dass sie sich da oft dann auch wiederfinden als Referendare oder sogar dann als Lehrkräfte. Dass dieser Weg hoch attraktiv für die Studierenden ist, zeigt auch ein Blick in andere Bundesländer, wenn es um die Studienanfängerzahlen geht. Hamburg, sage ich mal, Hamburg hat ein sogenanntes Sekundarstufenlehramt. (Torsten Renz, CDU: Sozialdemokratisch. – Zuruf von Katy Hoffmeister, CDU) Das ist das einzige, das einzige Bundesland, wo die Zahlen der Studienanfänger völlig gegen den Trend bundesweit richtig hochgehen gerade und in vielen Bereichen zumindest gehalten werden. Schleswig-Holstein, das ist nämlich ein Bundesland, was das Sekundarstufenlehramt abgeschafft hat, da ist genau das Gegenteil, da brechen gerade die Studierendenzahlen drastisch ein. (Zuruf vonseiten der Fraktion der SPD: Aha!) Die haben das (Torsten Renz, CDU: So wie bei uns.) gerade abgeschafft, das Sekundarstufenlehramt. Nun gut, da fragt man sich, warum. Sehr geehrte Damen und Herren, und wir gehen auch weitere innovative Schritte, denn auch das aktuell bundesweit diskutierte duale Studium bildet praxisnah für das Unterrichten aus und ist deshalb auch im Gesetz aufgenommen, wobei wir in Mecklenburg-Vorpommern ja bereits uns auf den Weg gemacht haben in der vergangenen Legislatur in Greifswald, das Grundschullehramt mit vier Tagen Uni und einem Tag Schule in der Praxis. Aber darüber hinaus möchten wir diesen Ansatz in M-V in der Lehrkräftebildung noch vertiefen, haben den Weg im Gesetzentwurf dafür eröffnet und werden jetzt mit den Hochschulen gemeinsam die Ausgestaltung des dualen Studiums vorantreiben. Ein weiterer Themenbereich, den ich erwähnen will, ist die berufliche Schule – ein ganz, ganz wichtiger Bereich. Da haben wir in der vergangenen Legislatur erhebliche finanzielle Mittel reingegeben. Das fruchtet noch nicht, da muss mehr passieren an den Hochschulen. Und wir werden dafür auch im vorliegenden Gesetzentwurf weitere Hürden abbauen, sodass mehr Leute mit beruflicher Qualifikation sich für den Lehrerberuf entscheiden können. Wir werden die Gesamtdauer auch verkürzen können, indem wir nämlich das Sammeln von Praxiserfahrung von beruflich Qualifizierten und das Studium zusammenlegen – parallel wird das gehen –, auch sozusagen ein duales Studieren. Und damit wird das Studium um anderthalb Jahre verkürzt. (Torsten Renz, CDU: Dann sollten Sie parallel aber auch die Arbeitsbedingungen verbessern.) Wir werden außerdem den Quereinstiegs-Master einführen in Bedarfsbereichen – ein mir sehr wichtiger Punkt. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Wir werden nämlich neue Zielgruppen erschließen. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Es wird die Möglichkeit geben, wer den Bachelor gemacht hat zum Beispiel in Biologie, der kann dann praktisch aufsatteln mit einem Q-Master, um dort nach zwei Jahren so ausgebildet zu werden als Lehrkraft, um dann direkt in den Vorbereitungsdienst zu gehen und dann grundständig ausgebildete Lehrkraft zu sein. Das heißt, wir werden relativ schnell neue Zielgruppen in den Schulen als grundständig ausgebildete Lehrkräfte haben. Vielleicht letzter Punkt noch: Wir werden ein Ein-Fach-Lehramt einführen, das heißt nicht leicht, einfach, sondern mit einem Fach. Bisher müssen die Lehrkräfte zwei bringen, zwei Lehrfächer. Wir werden in Ausnahmetatbeständen, die bei großen Bedarfen dann bestehen – das wird vom Bildungsministerium bestimmt werden, die kennen die Situation vor Ort in den Schulen –, ermöglichen, dass es eben mit einem Fach auch möglich ist, dann dort zu unterrichten und dieses Ein-Fach-Lehramt zu studieren. Das wird dann vor allen Dingen auch im Sonderfall im Bereich von Musik gehen, nämlich die HMT-Studierenden werden das auch können, und gerade in Musik haben wir einen großen Bedarf. Selbstverständlich lassen wir uns diese große Reform auch etwas kosten. Das ist mein letzter Punkt. Diese große Reform wird 50 Millionen Euro kosten. Wir werden als Land zusätzlich, in dieser schwierigen finanziellen Lage, zusätzlich rund 25 Millionen Euro in die Hochschulen geben in den nächsten fünf Jahren für diese große Reform. Das ist ein klares Zeichen, dass wir hier einen Schwerpunkt legen in der Lehrkräftebildung, in der Bildung unserer Kinder und Jugendlichen. Es wird darüber hinaus noch ein Viertel der Kosten über das Bund-Länder-Programm „Zukunftsvertrag Studium und Lehre“ fließen, und auch die Hochschulen werden ihren Beitrag leisten. Wir haben hier also einen fundierten, einen sehr weitgehenden Gesetzentwurf vorliegen. Ich freue mich auf die Diskussion. Ich kann hier nicht alle Punkte aus dem Paket vortragen, deswegen lassen Sie uns das in den Ausschüssen, lassen Sie uns das hier im Hohen Haus diskutieren. Ich freue mich darauf. – Vielen Dank! Und ich bitte um Überweisung in den Ausschuss. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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