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Bettina Martin

11.12.2024 Sitzungen 8/93

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ganz Deutschland diskutiert über dringend notwendige Reformen in der Lehrkräfteausbildung. Der Bedarf an gut ausgebildeten Lehrkräften ist überall enorm, und das wird auch in den 30er-Jahren dieses Jahrtausends so bleiben, wenn meine Generation, also die sogenannten Boomer, in den wohlverdienten Ruhestand gegangen ist. Gleichzeitig haben sich die Anforderungen an den Lehrerberuf verändert: Digitalisierung, heterogene Lerngruppen in allen Schulformen, Inklusion und, und, und. Wir brauchen nicht nur mehr Lehrkräfte, sondern wir brauchen Lehrkräfte, die ganz neues Rüstzeug mit in die Schulen bringen für diesen wichtigen Beruf. Es geht also sowohl um Quantität als auch um die Qualität in der Lehrkräftebildung. Wie gesagt, ganz Deutschland diskutiert darüber. Wir handeln. Den ersten Schritt sind wir in dieser Legislatur bereits gegangen mit der Reform des Referendariats, dass die Bildungsministerin das Gesetz vorgelegt hat, und es ist bereits umgesetzt. Vor Ihnen liegt nun der Entwurf für eine große Lehrkräftebildungsreform, der ein ganzes Maßnahmenpaket für die erste Phase der Lehrkräftebildung, also für das Lehramtsstudium, enthält. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Und wer behaupten will, dass es nicht notwendig sei, die Lehrkräftebildung wirklich grundlegend zu verändern, der hat schlicht und einfach den Knall nicht gehört. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Marc Reinhardt, CDU: Siehste!) In Mecklenburg-Vorpommern fehlen von 2023 bis 2030 rund 2.600 Lehrkräfte, vor allem in den Regionalen Schulen, in den beruflichen Schulen. Und der Mangel wird auch danach weiterbestehen, wenn wir nicht dagegensteuern. (Torsten Renz, CDU: Wer hat denn so schlecht geplant?) Wir können es uns nicht leisten, die derzeitige Lehrkräftebildung einfach so weiterlaufen zu lassen: zu wenig Praxisbezug, zu wenig Fachdidaktik und zu wenig Durchlässigkeit, zu hohe Abbruchquoten, zu hohe Prüfungslast und zu hohe Zugangshürden. Wir können es uns nicht mehr leisten, dass bis zu 70 Prozent der jungen Menschen, die gerne Lehrer oder Lehrerin werden wollen, ihr Studium frühzeitig abbrechen oder in einen anderen Studiengang wechseln. Wir können es uns nicht mehr leisten, Studienplätze vorzuhalten, die zunehmend nicht nachgefragt werden. Und das gilt nicht mehr allein für Regionalschullehramt und die Berufsschule, sondern zunehmend auch für das Gymnasium. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass nur noch 70 Prozent der vorgehaltenen Studienplätze nachgefragt werden, also auch dort insgesamt absoluter Handlungsbedarf. (Torsten Renz, CDU: Deswegen Einheitslehrer.) Wir brauchen alle jungen Menschen, die Lehrerinnen oder Lehrer werden möchten. Sie alle sollen die bestmöglichen Bedingungen erhalten, ihren Wunschberuf zu erlernen. Das genau ist das Ziel unserer Lehrkräftebildung. Wir wollen das Studium attraktiver machen. Wir wollen, dass mehr Lehramtsstudierende erfolgreich ihren Abschluss machen. Und wir wollen das Studium zeitgemäßer ausgestalten und enger an den wirklichen Bedürfnissen der dann in den Schulen lehrenden Lehrkräfte ausrichten. Und, meine sehr geehrten Damen und Herren, diese grundlegende gesellschaftliche Aufgabe eignet sich überhaupt gar nicht für irgendein ideologisches Getöse. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Wenn es, wenn es um die Bildung geht, wenn es um die Bildung unserer Kinder geht, dann geht das klar oft emotional zu, das ist auch kein Wunder, doch diese Tatsache sollte bitte nicht zu populistischer Stimmungsmache missbraucht werden. (Heiterkeit bei Enrico Schult, AfD) Die CDU-Plakatkampagne, (Zuruf von Enrico Schult, AfD) die schon – bevor Sie überhaupt den Gesetzentwurf vorliegen hatten – (Torsten Renz, CDU: Wie lange sollten wir warten?) mit einer krassen Falschbehauptung (Torsten Renz, CDU: Wie lange sollten wir warten?) gegen die geplante Reform gehetzt hat, (Torsten Renz, CDU: Bis Sie aus dem Winterschlaf erwachen?!) war wirklich kein guter politischer Stil. (Marcel Falk, SPD: So ist es.) Und so wiederhole ich es einfach noch einmal lieber zum x-ten Male: Nein, wir werden nicht das Gymnasium abschaffen! (Torsten Renz, CDU: Noch nicht. – Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Das ist eine falsche Unterstellung (Torsten Renz, CDU: Das ist der nächste Schritt. – Glocke der Vizepräsidentin) ohne jegliche Grundlage. (Zurufe von Marcel Falk, SPD, und Ann Christin von Allwörden, CDU) Und wir werden keine Einheitslehrer haben. Das wird auch nicht richtiger, wenn Sie es immer wieder behaupten. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Wir werden weiterhin Lehrkräfte für die Grundschule ausbilden, wir werden weiterhin Lehrkräfte für die beruflichen Schulen ausbilden, und ja, wir werden die Ausbildung für die Sekundarstufe 1 und 2 zusammenziehen, das heißt, die angehenden Lehrkräfte für das Gymnasium, die Regionalschule und die Gesamtschule in der ersten Phase in einem Studiengang ausbilden und ihnen die unterschiedlichen Perspektiven dieser Schulform auch bieten im Studium. Und das ist auch gut so. Und mit Verlaub: Wem wollen Sie eigentlich Angst machen mit diesem Kampfbegriff „Einheitslehrer“? (Torsten Renz, CDU: Wir bringen nur die Realität auf den Punkt.) Wenn Sie den von Ihnen sogenannten Einheitslehrer diffamieren, beleidigen Sie all diejenigen, die in der DDR ihre pädagogische Ausbildung gemacht haben. (Torsten Renz, CDU: Wer hat Ihnen denn das aufgeschrieben? – Zuruf vonseiten der Fraktion DIE LINKE: Ja.) All diejenigen, die in den vergangenen Jahrzehnten hier in M-V Generationen von Schülerinnen und Schülern durch die Schule gebracht haben, (Unruhe vonseiten der Fraktion der CDU) haben so ein, wie Sie es nennen, Einheitslehrerstudium gemacht. (Katy Hoffmeister, CDU: Und wonach sind die nachher ausgewertet worden?) Die machen einen guten Job, diese Lehrkräfte (Zuruf von Katy Hoffmeister, CDU) und werden von Ihnen als abschreckendes Beispiel gegen diese Reform ins Feld geführt. Das ist nicht okay. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Lassen Sie uns also besser gemeinsam sachlich über die Inhalte und die Maßnahmen diskutieren, dieser wirklich grundlegenden Reform! (Torsten Renz, CDU: Jetzt vergleichen Sie 1980 mit 2024. Wahnsinn!) Wir haben in den vergangenen zwei Jahren bereits intensiv mit allen an der Lehrkräftebildung Beteiligten diskutiert, ob mit den Hochschulen, den Studierendenvertretungen, im Bündnis für Gute Schule, ob in der Ressortanhörung (Torsten Renz, CDU: Ja.) oder in der Verbandsanhörung. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Und natürlich haben die Bildungsministerin und ich (Glocke der Vizepräsidentin) jeden Schritt der Reform sehr eng abgestimmt miteinander. Im Ergebnis liegt ein einheitlicher, in den Phasen, (Torsten Renz, CDU: Frau Oldenburg konnte gar nicht mehr warten, die hat den Gesetzentwurf eingebracht.) in den Phasen gut aufeinander abgestimmter …

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