Barbara Becker-Hornickel
Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ich trage hier diese Rede für unsere Kollegin Sandy van Baal vor, die leider krank geworden ist. Sandy, von hier aus alles Gute! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) „Lehrstellen statt Leerstellen“ – wir alle kennen die Herausforderung. Der Trend in den vergangenen Jahren zur Akademisierung hat dazu geführt, dass berufliche Bildung in den Hintergrund gedrängt wurde. Das hatte und hat gravierende Folgen. Allerdings stelle ich in meinem persönlichen Umfeld schon fest, dass sich da etwas ändert. Es wird zwischenzeitlich schon mehr anerkannt, dass „Master“ gleich „Meister“, dass „Bachelor“ gleich „Geselle“ ist, und das ist auch gut so. Trotz alledem, Betriebe finden kaum noch Auszubildende und uns fehlen Fachkräfte, die für eine starke Wirtschaft unerlässlich sind. Eine liberale, wirtschaftsorientierte Perspektive sieht die berufliche Bildung als unverzichtbaren Teil eines gesunden Arbeitsmarktes. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Ja, wir müssen diesen Bereich stärken, um langfristig wirtschaftliche Stabilität und Innovation zu sichern. Es ist nicht nur eine Frage der Quantität, sondern auch der Qualität. Durch gezielte Investitionen in die berufliche Bildung und eine moderne, praxisorientierte Ausbildung könnten wir jungen Menschen eine Alternative zum Studium bieten, die ebenso wertvoll und gesellschaftlich anerkannt ist. Wir brauchen eine nachhaltige Fachkräftestrategie, die sowohl die klassische Ausbildung als auch Weiterbildungsoptionen fördert, damit wir den wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft gewachsen sind. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Leider bleibt die Landesregierung hier vieles schuldig. Trotz vollmundiger Ankündigungen zur Fachkräftestrategie gibt es bisher kaum greifbare Maßnahmen. Abgesehen von einer Folie mit elf Handlungsfeldern bleibt es bei Ankündigungen ohne Substanz. Die Wirtschaft braucht klare, umsetzbare Schritte, keine leeren Worte. Wer die berufliche Bildung ernsthaft fördern möchte, darf nicht bei theoretischen Konzepten stehen bleiben, sondern muss endlich konkret werden. Es liegt in unserer Verantwortung, dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzutreten und dem Studium die Berufsausbildung gleichzustellen. Nur so können wir sicherstellen, dass unsere Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich bestehen und unsere Wirtschaft gedeiht. Es gibt aus unserer Sicht Möglichkeiten, erst mal ein Grundbekenntnis zur Bildung ganz allgemein. Wir können die Bildung alle tollreden und für wichtig empfinden – das tun wir auch regelmäßig in unseren Reden –, allerdings, wer weltbeste Bildung von der Kita über die Schule bis zur Berufsausbildung, Weiterbildung und Studium möchte, muss dafür auch einen Haufen Geld in die Hand nehmen. Das heißt, irgendwo müssen wir sparen, damit diese Gelder auch zur Verfügung stehen. Das gehört zur Wahrheit dazu. Das Thema Bildung wurde über Jahrzehnte vernachlässigt. Es wurde viel geredet, aber nichts Qualitatives getan, und jetzt wundern wir uns über das Ergebnis. Ernsthaft?! Vieles zur Berufsausbildung muss allerdings auf Bundesebene geeinigt werden, zum Beispiel ein Vorschlag von uns: Berufsausbildung vollständig steuer- und abgabenfrei stellen. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Damit wollen wir die berufliche Ausbildung aufwerten und attraktiver machen. Oder die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung stärken. Dazu können unter anderem die Modularisierung einzelner aufeinander aufbauende Ausbildungsabschnitte und die gegenseitige Anerkennung von Bildungsmodulen und Teilabschlüssen zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung beitragen. Deutschland erlebt die größte Wirtschaftskrise in der Nachkriegsgeschichte. Bisher werden die dramatischen Einbrüche am Markt mit staatlichen Zuschüssen übertüncht. Diese Subventionsspirale kann nicht auf Dauer wirksam sein. Wir brauchen jetzt Maßnahmen, die eine Erholung der Wirtschaft aktiv unterstützen, wir brauchen schnelle Anreize. (Christian Winter, SPD: Wir brauchen vor allem Investitionen.) Mit unseren Gesprächspartnern sind wir uns einig, dass die beste Chance auf Teilhabe ein Arbeitsplatz ist. Gleichzeitig sollte die berufliche Ausbildung als gesamtstaatliche Aufgabe gesehen werden, in die wir mehr Förderung, mehr Geld und mehr Schlagkraft bringen müssen, denn wer den Anspruch auf Wachstum aufgibt, bereitet den Abstieg vor, und das lehnen wir ab. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Die Ampel in Berlin hat vergangene Woche Maßnahmen für das Handwerk beschlossen. Das sollte auf alle Ausbildungsbetriebe und Berufe ausgeweitet werden. Die Berufsaus … Oh Gott, jetzt komme ich ein bisschen durcheinander. Ich muss mal die eine Seite sparen. Letztendlich brauchen wir moderne Schulgebäude und Technik, Aus- und Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer, digitale Lehr- und Lernmethoden, Glasfasernetz und leistungsfähiges WLAN. Unser Anspruch ist, dass unsere Bildungseinrichtungen die modernsten der Welt sind. Dafür müssen wir Weltspitze bei Bildungsinvestitionen werden. Unser Ziel muss sein, in die Top Fünf im OECD-Vergleich zu kommen. Wollen wir es nur, oder tun wir etwas dafür? Die Frage sollten wir auf jeden Fall positiv für uns alle beantworten. – Vielen Dank!
