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Jutta Wegner

GRÜNE 15.11.2024 Sitzungen 8/92

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Inzwischen weiß es wirklich jeder, aber trotzdem muss es zu Beginn einer Rede zu einem arbeitsmarktpolitischen Thema noch mal gesagt sein: Die demografische Entwicklung führt zu einem Rückgang der Bevölkerung, insbesondere der erwerbsfähigen Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern, und sie verkleinert den Pool an jungen Leuten spürbar. Daraus folgt, in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch in der Wirtschaft, fehlt der Nachwuchs. Junge Menschen sind ein wertvolles Gut geworden, und wir können es uns in der heutigen Zeit nicht mehr leisten, junge Menschen auf dem Weg ins Berufsleben zu verlieren. Fakt ist aber auch, dass nach wie vor zu viele ohne Abschluss die Schule verlassen. Auch die Lösungsquote, also der Anteil der begonnenen Ausbildungsverhältnisse des dualen Systems, der vorzeitig gelöst wird, liegt in M-V sehr hoch. 2022 lag sie bei 31,7 Prozent und damit über dem Bundesschnitt. Zwar entscheiden sich viele im Anschluss für ein anderes Berufsausbildungsverhältnis, brechen also nicht komplett ab, trotzdem müssen wir angesichts dieser Zahlen endlich an den richtigen Stellschrauben drehen, denn die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge hat sich in den letzten 20 Jahren bei uns im Land real etwa halbiert. Da ist jeder Ausbildungsabbruch einer zu viel. Meine Damen und Herren, deswegen brauchen wir selbstverständlich eine gute Berufsorientierung, wir brauchen aber auch gut ausgestattete Berufsschulen und ausreichend gut ausgebildete Berufsschullehrer/-innen. Das wissen wir alle. Die duale Berufsausbildung ist schließlich keine Erfindung der AfD. Und wir brauchen Programme, die das Ziel verfolgen, Ausbildungsabbrüche zu verhindern, also Programme, die zum Beispiel bei Konflikten und Problemen während der Ausbildung Unterstützung und Beratung sowohl für Betriebe und Ausbilder/-innen als auch für die Auszubildenden gewährleisten. Und natürlich müssen wir auch die Mobilität von jungen Menschen verbessern. Viele haben kein Auto und sind auf gute Radwege und einen guten ÖPNV angewiesen. Jede Verbesserung, zum Beispiel eine Taktverdichtung an den Tagesrandzeiten, hilft hier, um die teils langen Wege zur Berufsschule oder zum Ausbildungsbetrieb zu bewältigen. Die Mobilitätsoffensive lässt da noch viel offen. Mit Blick auf den kleiner werdenden Pool an jungen Menschen sollten wir aber auch in einem weiteren Punkt dringend besser werden, und zwar Zugewanderte zügig und bürokratiearm in Ausbildung zu bekommen. Das ist eine besondere Herausforderung, die sich mittel- und langfristig aber mehr als lohnt. Das Potenzial, das hier schlummert, das müssen wir endlich heben und so dafür sorgen, dass unsere Wirtschaft leistungsfähig bleibt und wir als Gesellschaft handlungsfähig sind. Bei all den genannten Aspekten steht die Landesregierung in der Verantwortung. Das möchte ich an dieser Stelle betonen. Die Herausforderungen sind längst alle bekannt. Daher mein Rat, weniger rot-rote Sonntagsreden schwingen, sondern mehr anpacken und Probleme lösen. Und an Sie, liebe Kolleginnen von der AfD: Glücklich sind die Menschen dort, wo die AfD keinen Fuß auf den Boden bekommt. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD)

Alle Reden von Jutta Wegner Protokoll ↗