Torsten Renz
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Meyer ist ja für Realismus bekannt. Da stimme ich ihm auf alle Fälle zu, was die demografische Entwicklung betrifft, aber ich glaube, er hat auch einen wichtigen Punkt weggelassen, nämlich einen Otto Ebnet, der hier Verantwortung hatte und insbesondere immer mit geringen Löhnen geworben hat. Und Otto Ebnet – Schrägstrich SPD – ist somit auch verantwortlich für 20 Jahre, was sich danach entwickelt hat an Wirtschaftspolitik. Und ob das dann alles so erfolgreich war und ist, (Zurufe von Andreas Butzki, SPD, und Bernd Lange, SPD) darüber lässt sich streiten. (Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE) Die SPD hat sich jetzt von dieser Politik abgewandt, (Zuruf von Rainer Albrecht, SPD) aber das gehört zur Geschichte, zur Wahrheit mit dazu. Und dann erleben wir hier heute Morgen, eigentlich wie erwartet, einen Herrn Winter, (Zuruf von Christian Winter, SPD) der dann dieses Thema „Wirtschaft, Entwicklung“ und so weiter für das Thema Nummer eins für die SPD erklärt (Christian Winter, SPD: Das ist richtig.) und am Ende eine Erfolgsstory hier darstellt, wo ich mir dann noch mal aufgeschrieben habe, und das war noch mal ein richtiger Knaller. (Christian Winter, SPD: Brüller!) Meine sehr geehrten Damen und Herren, solche Reden, die erinnern mich irgendwie zwangsläufig, oder ich muss in dem Moment sofort daran denken, eher an den Untergang der „Titanic“, (Torsten Koplin, DIE LINKE: Was?!) meine sehr geehrten Damen und Herren, unter dem Motto, die Kapelle spielt bis zum bitteren Ende. Ich meine, ich weiß, dass ich das nicht ganz vergleichen kann, (Julian Barlen, SPD: Ja.) weil das war nämlich noch menschliche Größe dieser Kapelle, und was Sie hier machen, ist eine Jubelveranstaltung, aber das Ende ist natürlich ähnlich. Und das Ende wird sein, dass Rot-Rot sozusagen am Ende hier untergeht, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU) Und deshalb müssen Sie sich doch einmal die Frage stellen – und wenn Sie das schon nicht tun, dann mache ich das als Opposition, ist vielleicht auch mein Auftrag –, wie ist denn überhaupt die Situation real, wie ist sie wirklich, wie ist sie praktisch im wirklichen Leben. (Christian Winter, SPD: Ich hab auch Zahlen.) Und dann versuchen Sie doch mal, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und einen Handwerker heutzutage zu bestellen und sozusagen zu bekommen. (Sebastian Ehlers, CDU: Sehr richtig!) Das ist doch so gut wie unmöglich, und das ist doch ein Zeichen. Und wenn Sie immer sagen, 25 Jahre erfolgreiche SPD-Wirtschaftspolitik und Ähnliches unter Ihrer Führung, dann sind das doch heute auch Zustände, die wir haben. Sie bekommen gar keine Handwerker mehr. Und das erinnert mich zum Beispiel an meine Freisprechung im September, an der ich teilnehmen durfte. Und da fiel mir dann zufällig das Lehrstellenverzeichnis aus dem Kreis Güstrow von 1984 in die Hände, und dann habe ich das mal verglichen mit dem, was wir jetzt sozusagen auf dem Arbeitsmarkt vorfinden. Und ich will Ihnen mal da zwei/drei Zahlen sagen. Also es kam zur Freisprechung von vier Tischlern – da habe ich geguckt, 1984, wie viele Tischler wurden ausgebildet: drei. Es wurden vier Dachdecker freigesprochen – wie viele wurden 1984 in der gleichen Region ausgebildet: vier. Fünf Maler und Lackierer wurden freigesprochen – (Rainer Albrecht, SPD: Das ist schon lange her.) damals haben sich sechs junge Leute in die Ausbildung begeben. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das ist ja noch schlechter als im Osten.) Und das letzte vielleicht noch, ein Friseur, jetzt, ein Friseur wird freigesprochen – und 1984 haben sich drei auf den Weg gemacht. Und wir haben eine ähnliche Situation wie damals, sie bekommen keine Handwerker mehr, und Sie stellen sich hierhin und jubeln, wie toll, wie gut alles ist! (Zuruf von Andreas Butzki, SPD) Ich sage Ihnen, damals konnten Sie einen Handwerker bekommen am Samstag, unter dem Motto „Nachbarschaftshilfe“. Und Sie, Sie verweigern den Blick in die Realität. Wenn wir 1.000, wenn wir 1.000 unbesetzte Lehrstellen haben, und ich habe mir auch noch mal die Zahlen zuarbeiten lassen – unvermittelte Bewerber 2021 zum Beispiel 879, 2022 954, für 2023, die ganz aktuellen Zahlen, darüber kann man ja noch streiten –, da sage ich Ihnen, jede unbesetzte Lehrstelle, und im Gegenzug dann unvermittelte Bewerber, jede Stelle ist zu viel. Und vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, dass wir nur noch die Hälfte an Lehrlingen haben im Vergleich zu den 90er-Jahren, dann können Sie sich doch nicht hierhinstellen und das als Erfolgsstory verkaufen, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU) Und dann ist doch die Frage, was tun Sie. Dann kommen Sie und sagen, wir haben eine Fachkräftestrategie Januar 24 vorgestellt. Ich habe übrigens keinen gehört von der praktischen Seite, von den Kammern, von den Verbänden, die das irgendwie unterstützen. Sie lassen sich ständig feiern. Ihre Ideologie ist „Mindestlohn- und Vergabegesetz“, (Christian Winter, SPD: Das ist keine Ideologie, das ist eine richtige Maßnahme.) für Ihre Fachkräftestrategie setzen Sie nicht einen Euro im Doppelhaushalt ein. Zusammengefasst kann ich nur noch mal sagen, Jubelveranstaltungen bringen uns nicht weiter. Und mein bildlicher Vergleich mit der „Titanic“, da kann ich nur sagen, das Ende von Rot-Rot ist absehbar. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU – Rainer Albrecht, SPD: Träume weiter!)
