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Christian Winter

SPD 15.11.2024 Sitzungen 8/92

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Guten Morgen auch von dieser Stelle! Schön, als erster Redner hier sprechen zu dürfen zu einem Thema, was für die SPD-Fraktion auch mit an erster Stelle steht, denn Zusammenhalt, gute Arbeitsbedingungen, starke Wirtschaft, das findet Ausdruck in einer guten Ausbildung. Wir haben uns, die Landesregierung hat sich sehr intensiv mit dem auch hier schon oft benannten Prozess zur Fachkräftestrategie beschäftigt. Dabei haben wir ein umfassendes Konzept auf vier Säulen gestellt, bei dem es darum geht, die Fach- und Arbeitskräfte der Zukunft zu gewinnen. Und die erste dieser vier Säulen, die ist sehr bewusst als solche gewählt, an erste Stelle gesetzt: Fachkräfte ausbilden und qualifizieren. Aus Sicht meiner Fraktion sind das Mittel der ersten Wahl – gegen personelle Leerstellen neue Lehrstellen, also Ausbildungsplätze. Das sind … Moment! Vor einigen Wochen hat für viele Auszubildende ein neuer Lebensabschnitt begonnen, und in diesem Herbst begann die Berufsschule für viele neue Auszubildende. Aber auch für viele erfahrene Azubis sozusagen ging es wieder los mit der Berufsschule. Dafür, dass diese Auszubildenden Topbedingungen in der Ausbildung vorfinden, junge Leute sich für eine Ausbildung entscheiden und diese auch durchziehen, treffen wir politisch Vorsorge. Die MV-Koalition stärkt Berufsschulen, die Ausbildung und den Weg dahin. Immer wieder wird beklagt, dass sich zu wenige junge Menschen für eine Ausbildung entscheiden und auch von ihrem Umfeld letztendlich zum Studium gedrängt werden. Das ist tatsächlich eine bedenkenswerte Entwicklung. Aber ehrlicherweise ist es auch keine neue Entwicklung, sondern eine, die seit Jahrzehnten schon besteht. Mir ist es wichtig, und das ist auch ein Appell: Hören wir auf, Ausbildung und Studium gegeneinander auszuspielen! (Torsten Koplin, DIE LINKE: Richtig!) Das passt auch gar nicht zur Lebensrealität der Menschen. Auch in meiner Fraktion gibt es viele Kolleginnen und Kollegen, die erst eine Ausbildung und dann ein Studium gemacht haben. Und auch wenn das auf mich nicht zutrifft, kann ich sagen, dass das auch viele Vorteile hat. Also ich habe selbst viele Kommilitoninnen und Kommilitonen erlebt, die vorher eine Ausbildung gemacht haben, an der Uni, und die waren durchaus etwas fokussierter, weil sie auch wussten, wofür sie das hier machen, die waren praxisorientierter dabei. Und wir erleben vor allem gerade in der dualen Ausbildung, die sich seit vielen Jahren zunehmender Nachfrage erfreut, dass beides sehr, sehr gut zusammenpasst. Und wenn wir einmal genau in die Zahlen schauen, dann sehen wir zwar, dass die Erstsemester an den Hochschulen sich in den letzten 30 Jahren massiv erhöht haben, aber deren Zahl stagniert beziehungsweise geht seit über zehn Jahren sogar leicht zurück. Der Ausbildungsmarkt hingegen erweist sich als sehr stabil in den Zahlen. Und die gute Nachricht für die jungen Leute heutzutage ist, dass die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen deutschlandweit Jahr für Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Das ist sicherlich eine Kehrseite für die Unternehmen, aber für die jungen Leute heißt das, die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind heute wahrscheinlich besser denn je. Dank Ausbildungsmindestvergütung, der dualen Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher, zunehmender Schulgeldfreiheit ab diesem Jahr ja für Gesundheitsberufe in Mecklenburg-Vorpommern oder auch der großzügigen Förderung für den Meisterabschluss, hier im Land besteht echte Wahlfreiheit für junge Leute im Sinne einer starken Berufsausbildung. Diese Maßnahmen sind allesamt Maßnahmen, die das Markenzeichen der SPD tragen und die von uns durchgesetzt wurden. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Und last, but not least leistet das Azubi-Ticket, dessen Finanzierung das Land nun verstetigt, einen entscheidenden Beitrag für attraktive Ausbildungsbedingungen. Und analog werden auch Wohnangebote für Auszubildende mit Unterstützung des Landes ausgebaut und modernisiert. Zudem wird mit verschiedenen Kampagnen, die ebenfalls vom Land unterstützt werden, auf diverse Möglichkeiten der Berufsausbildung aufmerksam gemacht. Und das hat offensichtlich Erfolg. 20.673 Auszubildende gab es zuletzt in den klassischen Ausbildungen in unserem Land, das ist ein Anstieg von 2,8 Prozent zum Vorjahr. Und es ist der siebte Anstieg in Folge, und das – Sie kennen alle die demografischen Entwicklungen – entgegen dem Bundestrend. Ich glaube, das ist ein starker Ausweis für die Ausbildung im Land. Und noch etwas ist bemerkenswert: Wir haben bei einigen Schulabschlüssen Übergangsquoten, die über hundert Prozent liegen. Das heißt, unsere Wirtschaft zieht auch Leute aus anderen Bundesländern an für eine gute Ausbildung in diesem Bundesland. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Und das ist gar nicht verwunderlich, denn schließlich haben die Industrie- und Handelskammern Mecklenburg-Vorpommerns vor zwei Monaten die Ergebnisse der Azubi-Umfrage veröffentlicht, und die zeigten, dass 81 Prozent der Azubis in M-V ihre Ausbildung und ihren Betrieb uneingeschränkt weiterempfehlen würden. Das ist ein starker Wert. Aber was auch stark ist, ist, dass jeder Zweite von diesen Auszubildenden über ein Praktikum die Entscheidung für seine Berufsausbildung getroffen hat. Mecklenburg-Vorpommern, das können wir mit Fug und Recht sagen, ist ein Land zum Lernen und zum Lehren. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Aber trotz dieser Zahlen, die sich wirklich über Jahre verstetigt haben, lassen wir danach nicht nach. Deswegen hat die Landesregierung mit Wirtschaft und Gesellschaft im Zukunftsbündnis dieses Jahr noch mal einen richtigen Knüller nachgelegt, und zwar die Praktikumsprämie. Die wurde zwar erst im April eingeführt, nichtsdestotrotz haben über den Sommer schon etwa 350 Schülerinnen und Schüler sich für ein Praktikum im Handwerk entschieden. Und auch ansonsten sozusagen jubilieren Handwerksverbände und -innungen über die Zahlen, denn die Ausbildung im Handwerk erfreut sich großer Beliebtheit – ganz aktuelle Zahlen, in diesem Jahr ein Anstieg der Auszubildenden im Handwerk von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. (Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD) Jeder vierte Auszubildende in Mecklenburg-Vorpommern macht eine Ausbildung im Handwerk. Diese Branche ist stark aufgestellt mit unserem Rückenwind. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zuruf von Torsten Renz, CDU) Herr Renz, Sie können ja gut rechnen, wenn ich richtig informiert bin. (Torsten Renz, CDU: Haben Sie auch absolute Zahlen?) Ich habe vorhin die 20.000 gesagt, davon ein Viertel. Das kriegen Sie gut hin. Auch in der Enquete-Kommission „Jung sein in Mecklenburg-Vorpommern“ wurde uns noch mal vor Augen geführt, wie wichtig diese sogenannten Schnittstellen im Bildungssystem sind, also dann, wenn junge Leute Orientierung suchen und oftmals an der ersten Weggabelung in ihrem Leben stehen nach dem Schulabschluss und entscheiden sollen, wo geht der Weg nun entlang. Hier hat das Bildungsministerium ein starkes Konzept für hochwertige, praxisorientierte und sensible Berufsorientierung vorgelegt. Ich war letzte Woche auch beim Expert/-innengespräch im Bildungsausschuss dazu, (Torsten Renz, CDU: Um zu gucken, ja.) wo es viel Lob gab. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Ich habe auch Fragen gestellt, Herr Renz. Und es gab natürlich auch noch ein paar praxisorientierte Optimierungsvorschläge. (Torsten Renz, CDU: Ach, so nennt man das!) Das gehört dazu. Aber ansonsten hat uns sozusagen noch mal dieses Expert/-innengespräch bekräftigt. Meine Kollegin Nadine Julitz wird gleich noch mehr ausführen zum Thema der beruflichen Orientierung, aber vor allem auch zur Stärkung der Berufsschulen, denn auch da ist die MV-Koalition umtriebig. Ich freue mich jetzt mit Ihnen zusammen auf eine starke, auf eine konstruktive Aussprache zu diesem unglaublich wichtigen Thema und danke bis hierher für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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