Dr. Harald Terpe
Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Eine ökonomische und politische Bildung in Schulen zu vermitteln, ist durchaus sinnvoll und Teil der Allgemeinbildung. Da haben schon fast alle darauf hingewiesen. Alle Schüler/-innen werden später einen eigenen Haushalt gründen und zum Beispiel als Staatsbürger eine Rolle in der Gesellschaft einnehmen. Hier kann eine grundlegende ökonomische, soziale, politische Bildung in Schulen einen bedeutsamen Beitrag zur Mündigkeit des heranwachsenden Staatsbürgers leisten und Orientierung in einer komplizierten Welt geben. Soweit stimmen wir zu, glaube ich, das haben hier fast alle auch so ein bisschen in diese Richtung gesagt. Wo wir nicht zustimmen, ist die Forderung nach mehr, also Ausweitung der ökonomischen Bildung über den aktuellen Status quo hinaus an den Schulen. Und diese Auffassung ist auch ein bisschen bestätigt worden, denn es gibt ja das Fach Arbeit-Wirtschaft-Technik an Gesamtschulen, Regionalschulen und in Klassenstufe 11 und 12 das Fach Wirtschaft. Und dort werden solche grundlegenden allgemeinbildenden ökonomischen Fakten besprochen. Ich komme auf einen zweiten Punkt. Ein bisschen rätselhaft ist der Aufhänger Ihres Antrags, der INSM-Bildungsmonitor würde Sie dazu animieren, gerade auf die ökonomische Bildung abzuheben. Mein Kollege Butzki hat ja dazu schon ein bisschen was gesagt, was das ist. Aber im besagten Bildungsmonitor, der ja auch schon ein bisschen älter ist, geht es gar nicht um Wirtschaftswissen speziell in der Schule, sondern salopp gesagt um die Qualität und den Output des Bildungssystems allgemein. Also daraus ergibt sich nicht direkt, dass man die ökonomische Bildung da im Fokus hatte. Kritisch sehen wir auch die von Ihnen aufgebrachten Pseudozusammenhänge, die Sie in Ihrem Antrag knüpfen, ohne dass es dafür klare empirische Belege gibt. Sie suggerieren, nur mit noch mehr ökonomischer Bildung in der Schule ließe sich der Wohlstand sichern. Dafür gibt es historisch gesehen keine Evidenz. Ganze Generationen haben in den letzten Jahrzehnten die Schule durchlaufen ohne das Schulfach Wirtschaft, und der Wohlstand in Deutschland ist trotzdem jahrzehntelang gewachsen. (Enrico Schult, AfD: Es gab ja auch keine grüne Bundesregierung. – David Wulff, FDP: Im internationalen Vergleich das geringste Vermögen, das ist das Ergebnis. – Zurufe von Jens-Holger Schneider, AfD, René Domke, FDP, und Sandy van Baal, FDP) Ja, ja, ja, ja. Wir brauchen nicht bilateral, weil Sie ja noch gar nicht zugehört haben, woraus ich das ablehne. Keine Evidenz dafür und das ist auch nicht verwunderlich, denn das Gründungsgeschehen hängt von vielen ganz anderen Faktoren ab: (Zuruf von David Wulff, FDP) Arbeitsmarkt, ökonomische Sicherheit, Finanzierungsmöglichkeiten, Hochschulbildung, Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, und ich könnte da vieles aufführen. Also auch da ist die Evidenz nicht gegeben und schon sehr weit hergeholt. Und dann lassen Sie mich auch ganz grundsätzlich noch einmal etwas vielleicht ausführen. Wir neigen ja dazu, wenn wir irgendein Problem in der Gesellschaft haben, soll es als Schulfach angeboten werden, ja. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD – Beifall Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dies und dies und dies und dies soll alles in der Schule gemacht werden. Ich glaube, man braucht eher Freiheit, dass die Leute in der Schule sich sozusagen … Das schöpferische Nichtstun in der Schule zu haben, ist manchmal wichtiger als das Vollpfropfen mit Wissen. Und dann noch einige kleine Bemerkungen, die ich gerne auch noch loswerden wollte – wo habe ich sie aufgeschrieben? –: Medienkompetenz, teile ich die Meinung, das ist eine allgemeine Sache, Medienkompetenz zu erwerben, nicht speziell bei der sozusagen ökonomischen Bildung. Die Funktion der Eltern wird völlig unter den Tisch gekehrt. Die Funktion auch des lebenslangen Erlernens wird unter den Tisch gekehrt, denn es geht ja erst los, wenn man nachher in irgendein Berufsleben kommt, (Zuruf von René Domke, FDP) dass man sich dann weiterbildet und so weiter und so fort.
