Torsten Renz
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich will tatsächlich zu Beginn Herrn Schult noch mal wieder persönlich ansprechen: (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Also Sie machen schon Vorwürfe, jetzt auch wieder in Richtung der FDP, die haben Ihren Antrag abkopiert. (Präsidentin Birgit Hesse übernimmt den Vorsitz.) Und je länger Sie hier sind und je mehr ich mich auch mit Ihrer Person sozusagen auseinandersetze, wie Sie arbeiten, desto mehr werde ich bestärkt sozusagen in meiner Auffassung, dass Sie an Inhalten so gut wie gar nicht interessiert sind. (Enrico Schult, AfD: Wird ja von Mal zu Mal primitiver, Herr Renz.) Entweder ist es auch so, dass Sie nicht mehr die Zeit haben. Ich habe das jetzt auch wieder im letzten Bildungsausschuss erlebt, als es mal ging um das Konzept schulische berufliche Orientierung, Übergang Ausbildung und Beruf. (Zuruf von Christian Winter, SPD) Ich komme fast zu dem Eindruck, dass Sie solche Papiere gar nicht mehr richtig lesen, (Zuruf von Christian Winter, SPD) hatte eben auch wieder den Eindruck, wenn Sie sozusagen von Ihrem Sofa von zu Hause aus erzählen, wenn es ums Taschengeld Ihres Kindes geht, dass Sie sich auch zum Beispiel mit den Rahmenlehrplänen (Enrico Schult, AfD: Habe ich ja gerade ausgeführt, Herr Renz.) von AWT nicht richtig befassen. Insofern sind Sie tatsächlich sehr schnell bei der Sache, Behauptungen aufzustellen. Und ich will einfach sagen, ich bin immer an inhaltlichen Diskussionen mehr als interessiert, (Enrico Schult, AfD: Habe ich gestern aber nicht gemerkt.) aber dann auch wirklich mit so einem inhaltlichen Fundament, auf dem wir uns auseinandersetzen. Dann will ich dem mal vorgreifen. Wenn wir nämlich den Lehrplan AWT nehmen und mal konkret in die Inhalte gehen, dann will ich das auch mal sagen, also verbindliche Inhalte sind zum Beispiel beim Thema Baufinanzierung Darlehensarten, Tilgung, Zinsen, Bauförderung, rechtliche Schritte, Immobilienerwerb oder auch vielleicht noch etwas einfachere Themen, die dann hier festgeschrieben sind, beim Thema Geld verbindlich die ganze Thematik Geld, Geldmenge, Eigenschaften, Funktionen, Bargeld, Zahlungsarten, Lohneinkommen, verfügbares Einkommen. Das sind sozusagen auch verbindliche Inhalte im Bereich AWT. Und dann ist es eben die Kunst oder die Methodik auch des Lehrers, das entsprechend zu vermitteln. Das ist erst mal der große Rahmen. Und dann so zu tun, als wenn in unseren Schulen in diesem Bereich gar nichts stattfindet, (Enrico Schult, AfD: Wer hat denn das gemacht?) das, finde ich, ist etwas unredlich. Ja, Sie bringen das zumindest so lax zum Ausdruck. Und deswegen glaube ich, wir sollten gerade bei solchen Themen uns dann mehr auf Inhalte konzentrieren. Und wenn es um Inhalte geht, um diesen Antrag, dann ist es ganz klar, es geht um den Wohlstand von morgen. Das müssen wir alle unterschreiben. Und ich glaube, wir sind uns auch einig in dem Fakt, die soziale Marktwirtschaft ist da unsere Arbeitsgrundlage gedanklich, wenn wir darüber sprechen. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Und die soziale Marktwirtschaft – sprich der zweite Teil, das Verteilen – klappt natürlich auch nur, wenn die Marktwirtschaft auch entsprechend so ausgelebt wird. Und die wird ausgelebt, wenn wir, ich sage mal, die Mentalität bei der Bevölkerung haben, dass sie sagen, ich verlasse die Schule, ich möchte Unternehmer werden, um nämlich das zu erwirtschaften, worüber wir uns dann später unterhalten. Und es kann dann ja nicht die Zielstellung sein, wenn wir aus der Schule herauskommen und dann am Ende – ich übertreibe das jetzt mal – 99 Prozent der Leute sagen, wir wollen jetzt in den öffentlichen Dienst gehen, obwohl ich nichts gegen den öffentlichen Dienst da sagen will, aber es geht um diese Mentalitätsfragen und dann um die Botschaft, ökonomische Bildung auch sozusagen in den Köpfen zu verankern. Und ich habe da jetzt eine sehr interessante Umfrage gelesen, nämlich beim Thema Finanzbildung, was sagt die Bevölkerung eigentlich dazu. Und 93 Prozent der Bevölkerung sagt, (Zuruf von Andreas Butzki, SPD) es muss mehr Finanzbildung sozusagen stattfinden. Wenn das natürlich gekoppelt ist an eine Fragestellung, wollen Sie lieber die Steuererklärung oder eine Gedichtinterpretation, dies sozusagen zur Auswahl stellen, dann habe ich natürlich meine Probleme damit. Es gibt nämlich nicht nur das Thema Finanzen, es gibt auch viele andere Bereiche, die wir sozusagen mit unseren Schülern, mit den Bürgern von morgen in dem Sinne, dann auch in der Schule vermitteln müssen. Insofern ist es auch das, was Ihren Antrag betrifft – sage ich ganz klar –, die Grundbotschaft muss sein: Ja, mehr Finanzverständnis auch in Schulen, bei unseren Schülern sozusagen vermitteln. Aber dieser Antrag, so, wie er dann auch geschrieben ist, also insbesondere nachher, wenn es auch um den Aufforderungsteil geht, ich meine zum Punkt 1, der geht gar nicht, wenn Sie den so formulieren. Sie wollen das Fach AWT sozusagen ersetzen, da steht „ersetzen“. Das heißt, was ist mit dem sinnvollen Anteil Arbeit und Technik, den wir jetzt in diesem Unterrichtsfach haben? Ist das automatisch dann gestrichen? Wollen Sie das eins zu eins, das Stundenvolumen, dann nutzen für Ökonomie und Finanzen und dann auch sofort beginnend mit SEK I? Also das geht auch gar nicht, dass Sie als Landtag – man kann natürlich, wenn die Mehrheit das so sagt, kann man das machen –, aber das so auf den Weg zu bringen, glaube ich, ist nicht angebracht. Diese Form des Antrages in den Ausschuss zu überweisen, können Sie noch vielleicht beantragen, aber ich glaube, vielleicht sollte der Bildungsausschuss sich dieser Thematik mal etwas mehr nähern, indem man vielleicht zu dieser Thematik ein Expertengespräch auf den Weg bringt. Ich will aber dann auch sagen, insbesondere Punkt 5 und 6 finde ich recht spannend, weil gerade Punkt 5 ist ja so formuliert, als wenn Sie da richtige Finanzexperten in der Schule erziehen oder bilden wollen. Und das wird uns nie gelingen. Wir müssen Schüler entwickeln, die Methodik, Kompetenzen draufhaben, die Grundlagen haben, das ist erst mal Voraussetzung, und dann aber im Bereich Finanztechnik auch später im Leben eigene Dinge machen. Und das zu vermitteln, dann müssen wir ja tatsächlich ganze Stunden oder Fächer wegstreichen, das wird nicht gehen, sondern da geht es wirklich um Grundlagen. Punkt 6 zum Beispiel ist so eine Grundlage, wie Sie das hier formuliert haben. Das ist sicherlich im Rahmen des jetzigen Unterrichts zum Teil auch schon möglich, vielleicht auch im Bereich Wahlpflicht, dass der eine oder andere Lehrer das auch vertieft an seiner Schule schon mal anbietet. Aber in dieser Form ist dieser Antrag so nicht zustimmungsfähig. Ich glaube aber auch – die Ministerin hat ja zum Beispiel gesagt, wir dürfen nicht nur das Fach AWT sehen, das sehe ich auch so –, auch in anderen Fächern wird das teilweise dann auch einfließen. Trotzdem bin ich der Auffassung, dass wir im Bereich Ökonomie/Finanzen mehr machen müssen in den Schulen. (Beifall Beate Schlupp, CDU) Und der Weg dorthin, den wir dann beschreiten, das ist auch tatsächlich ein mühsamer Weg, weil Lehrpläne umstellen, entwickeln mit der Schule zusammen, das ist tatsächlich ein aufwendiger und langwieriger Prozess. Nichtsdestotrotz, bei den Herausforderungen, vor denen wir alle stehen, muss es da in diesem Bereich manchmal auch schneller gehen. Also ich empfehle, vielleicht in der Selbstbefassung im Bildungsausschuss das mal erneut zu thematisieren. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der CDU und René Domke, FDP)
