Barbara Becker-Hornickel
Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ich stelle mir immer wieder die Frage: Woher kommt die Ablehnung gegen das Anderssein? Ich muss hier wirklich einschieben, sehr geschätzte Frau Federau, Ihr Beitrag hat mich doch sehr betroffen gemacht. (Beifall vonseiten der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP – Jan-Phillip Tadsen, AfD: Warum denn genau? Erzählen Sie das doch mal!) In Teilen kann er diese Frage für mich beantworten. Lassen Sie mich hier deutlich sagen, wir, wir Liberale stehen für eine vielfältige, weltoffene Gesellschaft. Es gehört zu unserer Kern-DNA. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Wir haben uns schon in vorherigen Debatten eindeutig positioniert. Alle Menschen in diesem Land sollen frei von Ängsten ihr Leben so leben können, wie sie es für richtig halten, (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) immer mit der Prämisse, anderen nicht zu schaden. Was spricht dagegen? Freiheit ist das höchste Gut in unserer Demokratie. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Wir dürfen uns diese Errungenschaft, für die wir Jahrhunderte gekämpft haben, nicht einfach aus den Händen nehmen lassen, ob von Rechtsextremisten, Linksextremisten oder Salafisten – schlicht und einfach von niemandem. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und FDP) Unsere LGBTQ-Community hat das in der letzten Zeit leider oft spüren müssen. Denken wir nur an den CSD in Wismar, bei dem rechtsextreme Gruppierungen aggressiv aufgetreten sind, oder an die Brandanschläge auf die Bar „b sieben“ in Rostock, die im Übrigen von einem unserer Parteimitglieder betrieben wird. Das sind Szenen, die wir in einem weltoffenen, freien Mecklenburg-Vorpommern nicht sehen wollen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Wir bringen gemeinsam mit den Kollegen diesen Antrag ein. Es geht nicht darum, Sonderrechte für einzelne Minderheiten zu schaffen, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Doch!) sondern darum, … Nein! (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Doch, genau!) … die Freiheit für alle, für alle, die in unserem Land leben, zu gewährleisten. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Ich zitiere, ich zitiere ganz einfach den ersten Satz unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Die jüngsten Ereignisse haben uns dazu bewogen, dieser Thematik noch einmal deutlich politischen Raum zu geben. Wir müssen uns frei machen von dem Gedanken, dass es normale Menschen und die anderen gibt. Menschen haben immer Angst beziehungsweise Furcht vor dem Fremden, vor dem anderen gehabt, das steckt irgendwo tief in uns, aber wir können in unserer freien, aufgeklärten Gesellschaft damit umgehen. Es geht darum, jedem Menschen, egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder sexuellen Identität, eine faire Chance zur Teilhabe in der Gesellschaft zu geben, weil jeder Mensch, jeder Mensch, der mit uns lebt, dieses Recht verdient hat. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, FDP und Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Eine offene und liberale Gesellschaft schafft es, Vorbehalten und Vorurteilen mit Vertrauen und Toleranz zu begegnen. Die Erfahrung, dass der Mensch mir gegenüber anders aussieht als erwartet, andere Erfahrungen und Träume hat, aber genauso neugierig ist, muss jeder erst ein Mal für sich selber sammeln. Unsere Gemeinsamkeiten, nicht, was uns trennt, sind die Grundvoraussetzungen für ein friedliches gesellschaftliches Miteinander. Wir müssen es schaffen, die Ängste vor dem anderen in ein proaktives Zusammen zu transformieren. Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam gehen in unserem wunderbaren Land! – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)
