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Thore Stein

AfD 26.09.2024 Sitzungen 8/88

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Liebe Waidmänner in Mecklenburg-Vorpommern! Niederwild als … (Sandy van Baal, FDP: Waidfrauen!) Waidfrauen, Sandy, bitte! (Heiterkeit bei Nikolaus Kramer, AfD) „Niederwild als Bestandteil unserer Kulturlandschaft hegen“ – vielleicht kommen wir erst einmal für die nicht so jagdlich Bewanderten zur Definition des Niederwildes, denn das Niederwild ist, anders, als es der Titel vielleicht vermuten lässt, nicht das etwas kleinere Wild, sondern es ist eine althergebrachte Einordnung, die sich bis heute im Bundesjagdrecht wiederfindet, nach der Frage, wer darf dieses Wild überhaupt jagen und wer darf es eben nicht bejagen. Und das Hochwild, das war meistens dem Hochadel vorenthalten und das Niederwild eben dem Niederadel und einigen bestimmten anderen Personengruppen. Also der kapitale Hirsch, der stand nur dem Herzog zu, während der kleine Landadelige es sich mit Hase und Reh zu Gute führen musste dann bei der Jagd. Das Niederwild hat sich also bis heute so ein bisschen als Begriff definitorisch erhalten. Und ihm gehören natürlich außer den kleineren Wildarten, wie zum Beispiel dem bekannten Feldhasen oder dem Kaninchen, auch Arten wie das Rehwild zum Beispiel an oder auch unsere bekannte Art Dachs, Fuchs, auch wichtig, das Murmeltier, bei uns nicht so vorkommend hier in Mecklenburg-Vorpommern, aber eben auch alles Flugwild, also alles, was Flügel hat, Ausnahme: Auerwild. Auerwild stand auch nur dem Hochadel zur Verfügung. Also Sie sehen, das ist gar nicht so leicht. Wenn man den Jagdschein macht, muss man das also alles sehr schön auseinanderhalten und fleißig auswendig lernen. Das hat der ein oder andere ja hier hinter sich gebracht. Und das Besondere am Niederwild ist, anders als beim Hochwild tatsächlich, dass es auch biologisch eine Besonderheit hat, nämlich, es ist überwiegend ein Kulturfolger und es reagiert somit sehr sensibel auf Veränderungen in seinem Lebensraum, in seiner direkten Umgebung, ist also sehr sensibel für Veränderungen, zum Beispiel von Landschaftsnutzungsformen oder eben auch von Bebauungen, aber auch ganz empfindlich für die überall im Land mittlerweile erfolgten, gerade in Westdeutschland, hier auch später dann im Osten erfolgten Flurbereinigungsmaßnahmen. Und das Niederwild war eigentlich der größte Nutznießer der Kulturlandschaft, wie wir sie hier kannten, bis circa, sagen wir mal, 1950, bis die große Bodenreform einsetzte und hier große Landwirtschaftsparzellen geschaffen worden sind, viele Wege beseitigt worden sind, Hecken, Wälle und Ähnliches. Ich glaube, allein Schleswig-Holstein, um mal einen Blick ins Nachbarbundesland zu wagen, hat in den letzten Jahrzehnten über 30.000 Kilometer an Knicks, also den bekannten Heckenwällen, verloren. Und das geht natürlich zulasten von den kleineren Wildarten, eben dem Niederwild. Und jetzt ist es so, dass sich natürlich nicht nur die Verringerung des Lebensraumes auswirkt auf das Niederwild, sondern mittlerweile ganz entscheidend auch das Vorkommen von Prädatoren, also jagenden Arten. Und zwar sind das nicht nur der uns bekannte Rotfuchs, sondern mittlerweile auch ganz dramatisch der Waschbär zum Beispiel, der hier gar nicht hergehört. Der ist irgendwann mal aus einer Pelztierfarm ausgebrochen, hat sich dann im ganzen deutschen Bundesgebiet, damals von Hessen ausgehend, stark verbreitet. (Torsten Renz, CDU: Die Frage ist, wie er in die Pelztierfarm kam.) Bitte? (Torsten Renz, CDU: Wie kam er in die Pelztierfarm?) Das können Sie vielleicht auch gleich ausführen mit Ihren Kenntnissen über Pelze, Herr Renz. (Heiterkeit bei Torsten Renz, CDU) Also der Waschbär, so wie der Mink oder auch der Marderhund, ist ein sogenannter Neozoe, gehört hier also nicht her und sorgt mittlerweile für große Probleme, indem er eben die einheimischen Tierarten, die darauf nicht eingestellt sind, durchaus in nicht unerheblichem Maße zur Strecke bringt. Und um das effektiv zu bekämpfen, muss man letztlich diese Raubwildarten bekämpfen. Raubwildbejagung, Raubwildbekämpfung ist eine sehr zeitintensive Angelegenheit. Man muss da durchaus Sitzfleisch haben oder eben die altbekannte und bewährte Fallenjagd ausüben. Die Fallenjagd, wir hatten das ja vor circa einem Jahr hier sehr intensiv diskutiert mit der Novelle des Landesjagdgesetzes, ist mittlerweile hier in Mecklenburg-Vorpommern durch das Verbot der Totschlagfallen deutlich erschwert. Es geht also nur noch mit Lebendfallen, was noch mehr Zeitaufwand bedeutet und noch ineffektiver ist und auch mit hohen Kosten verbunden ist, denn diese Fallen, diese Lebendfallen kosten sehr viel Geld, gerade dann, wenn man sie auch noch besendert, das heißt, mit digitalen Sendemitteln, die einen informieren, wenn eben ein Waschbär in so eine Falle reingelaufen ist, damit man die Routinefahrten etwas reduzieren kann. Das ist die eine Seite, Bejagung der Fressfeinde. Und das andere ist natürlich ganz klar, wir müssen gucken, wenn wir unser Niederwild auch morgen noch in der Landschaft sehen wollen, ja, Rebhühner, Hasen, Kaninchen, Fasane mittlerweile hier kaum noch zu sehen, dann müssen wir natürlich auch gucken, dass wir die Biotope, also die Lebensräume, verbessern. Das sind bekanntermaßen Hecken und Wälle, das sind Alleen, das sind jegliche Formen von Feldrandstrukturen, also dort überall, wo eine intensiv genutzte Agrarfläche übergeht in eine Randfläche. Das sind eben ganz wichtige Strukturelemente, aber auch, und das darf man immer nicht vergessen, es ist eben auch der urbane Raum, der durchaus Einfluss hat auf die Lebensraumsituation von kleineren Wildarten. Das alles sind also Faktoren, die wir mit unserem Antrag angehen wollen. Das ist also sicherlich nichts, was man mit einer Sache bewegen kann. Es ist ein bunter Blumenstrauß an Maßnahmen, der sich eben zusammensetzt aus der gezielten Bejagung von Tierarten, die unserem Niederwild arg zusetzen. Es ist aber eben auch die Unterstützung dieser Tierarten, indem wir ihnen ein besseres Biotop verschaffen. Dazu gehört eben eine aktive Anlage von Hecken und Wällen. Aber auch, das ist ganz wichtig, unsere Landwirte müssen mitziehen. Die Landwirte sind nun mal die größten Landnutzer in Mecklenburg-Vorpommern. Und die können wir sicherlich sinnvoll mit einbinden, indem wir ihnen zum Beispiel auch gewisse Anreizmöglichkeiten schaffen, dass sie sagen, Mensch, ich mache sehr gerne etwas für den Niederwildschutz in dem Fall, indem man zum Beispiel Wildäcker anlegt. Ja, das kann man auch fördern, kein Problem, und dass man eben solche Maßnahmen auch als Agrarumweltmaßnahme anerkennt und damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Sie sehen, wir haben in diesem Antrag eigentlich alles aufgeführt, was es bedarf, um hier in Zukunft eine deutlich verbesserte Situation zu schaffen für unser Niederwild. Sie werden sich ja gleich sicherlich entsprechend dazu äußern. Ich bin sehr gespannt auf die Vorschläge, die Sie so haben, denn die Situation, da komme ich dann gleich in meinem zweiten Redebeitrag noch darauf zu sprechen, die Situation unseres Niederwildes, die ist eigentlich seit Jahren von Jahr zu Jahr schlechter. Die Streckenzahlen, die ja letztlich der Indikator für das Vorkommen von gewissen Arten sind, die gehen dramatisch zurück, teilweise so weit, dass sich eine Bejagung gar nicht mehr lohnt oder auch gar nicht mehr geboten ist, weil man damit die letzten Exemplare aus der freien Wildbahn auch noch entnehmen würde. Und all das zeigt uns ja, wie dramatisch die Situation ist und zeigt uns auch, dass wir hier mit diesem durchaus sehr sachlich gehaltenen, sehr nüchternen Antrag etwas bewirken können. Und ich freue mich dann auf die sachliche Debatte und hoffentlich auf eine Zustimmung. – Danke schön! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)

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