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Hannes Damm

GRÜNE 11.07.2024 Sitzungen 8/85

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Wenn man dieses Jahr in meiner Heimatstadt Greifswald unterwegs ist, kommt man wortwörtlich nicht an Caspar David Friedrich vorbei. Aufsteller und Schilder im Stadtgebiet weisen auf sein Leben und Wirken, sein Geburtshaus und die Orte aus seinen Gemälden hin. Der berühmteste Sohn der Stadt wird 250 Jahre alt und alle feiern mit. Ausstellungen, Veranstaltungen und ein buntes Programm ziehen Einwohner/-innen, Interessierte aus dem ganzen Bundesland und zahlreiche Tourist/-innen an. Leider hat die restliche Kunst- und Kulturszene im Land nicht so eine starke Lobby wie der berühmte romantische Maler und kämpft um Anerkennung, Förderung und manchmal sogar ums nackte Überleben. Ihnen liegt ja jetzt auch ein Dringlichkeitsantrag vor. Caspar David Friedrich war rückwirkend wohl einer der größten Künstler seiner Zeit. Seine Bilder sind heute in den großen Galerien in Hamburg, Dresden, Berlin und Kopenhagen ausgestellt. Eines seiner Skizzenbücher wurde letztes Jahr für 1,8 Millionen Euro versteigert. Er selbst hatte zu Lebzeiten jedoch immer wieder mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Mit zunehmendem Alter interessierten sich Kritiker/-innen und Publikum immer weniger für ihn. Er starb verarmt und beinahe vergessen. Dass auch heutzutage die finanzielle Absicherung für viele Kunst- und Kulturschaffende ein Problem ist, das ist kein Geheimnis. Die Corona-Pandemie wirkte wie ein Brennglas für die strukturelle Unterfinanzierung im Kulturbereich. Zwar ist in den letzten Jahren die kulturelle Förderlandschaft größer und vielfältiger geworden und auch das Wissenschaftsministerium hat endlich verbindliche Mindesthonorare für freischaffende Künstler/-innen auf den Weg gebracht, aber das reicht nicht aus. Das Land hat verpasst, die Gegenfinanzierung für diese Mindesthonorare zu sichern. Und auch mit dem Thema Herrenberg-Urteil, was Ihnen jetzt ja allen vorliegt oder Sie erreicht, zeigt es dieses Problem auf. Wenn Initiativen und Kulturstätten sich die Künstler/-innen nicht mehr leisten können, ist niemandem geholfen. Kulturförderung der Kommunen, die einen großen Teil der Gesamtfördersumme ausmachen, sind als freiwillige Leistungen nicht vor Kürzungen geschützt. Und natürlich machen die Inflation sowie steigende Betriebskosten auch vor Künstler/-innen und Kulturstätten nicht halt. Die Kostensteigerungen müssen mit einer entsprechenden Anpassung der Kulturförderung aufgefangen werden. Künstler/-innen und Kultureinrichtungen brauchen nachhaltige, langfristige Förderzusagen, um zukunftsfest planen zu können und die Auswirkungen des Herrenberg-Urteils, sozialversicherungspflichtige Anstellungsverhältnisse statt ausbeuterische Scheinselbstständigkeit ermöglichen zu können. Auch für neue und innovative Ideen und Initiativen muss Platz sein und die finanziellen Ressourcen vorhanden. Das Caspar-David Friedrich-Jubiläumsjahr ist ein großes Event, was weit über die Stadt- und die Bundesgrenzen hinausstrahlt, und das zu Recht. Der Künstler hat die Romantik wie kaum ein anderer geprägt und über die Landesgrenzen hinweg mit seinen Werken die Landschaften und einzigartige Natur unseres Landes bekannt gemacht und wird wohl auch dieses Jahr viele Tourist/- innen nach Mecklenburg-Vorpommern locken. Für das Festjahr sind vom Kulturstaatsministerium und dem Land deshalb mehrere Millionen Euro Förderung vorgesehen. Auch aus Töpfen der Kulturförderung und aus dem Vorpommern-Fonds gibt es Unterstützung. Kunst und Kultur finden aber nicht nur zu den Jubiläen in großen Städten statt, sondern auch jeden Tag in Kleinstädten und Dörfern, auf großen und kleinen Bühnen, in Museen, auf Festivals, in Schulen, Gemeindehäusern oder unter freiem Himmel. Gerade die ländlichen Räume bieten die dringend notwendigen Freiräume für Künstlerinnen und Künstler. Es gibt Platz in leerstehenden Häusern, aus denen Ateliers, Galerien und Werkstätten werden. Gemeinsam mit der bereits dort wohnenden Bevölkerung kann ein Magnet für Tourist/-innen, Rückkehrer/-innen und Zugezogene geschaffen werden, wenn die entsprechenden kulturellen Infrastrukturvoraussetzungen stimmen. Die Kulturförderung auf dem Land wurde lange vernachlässigt, die Chancen, die es bietet, wurden versäumt. Abhilfe kann geschaffen werden, indem regionale Kulturbüros in allen Regionen in Mecklenburg-Vorpommern geschaffen werden, die dauerhaft kreative Projekte entwickeln und mit lokalen Künstler/-innen zusammenarbeiten und diese umsetzen. Kultur im ländlichen Raum muss mit einem Extrabudget finanziell gestärkt werden, sonst drohen sie auszusterben. Caspar David Friedrich ist zwar in Greifswald aufgewachsen, aber für sein Kunststudium an die dänische Kunstakademie in Kopenhagen gegangen und später nur noch für Besuche in seine Heimat zurückgekehrt. (Vizepräsidentin Beate Schlupp übernimmt den Vorsitz.) Natürlich sah die Hochschullandschaft in unserem Bundesland vor 250 Jahren noch anders, wobei nicht ganz anders aus als heute. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ja, doch.) Eines ist jedoch gleich geblieben, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) es gibt keine Kunsthochschule. Damit künstlerische Fähigkeiten entwickelt und kulturelles Interesse geweckt werden können, benötigen wir qualitative künstlerische Ausbildungsangebote. Junge Talente sollen Förderung und Ausbildung erhalten in jungen Jahren, aber auch nach dem Schulabschluss. Mecklenburg-Vorpommern hat als eines der wenigen Bundesländer keine eigene Hochschule für Kunst, und das trotz der langen Tradition von Landschaftskünstler/-innen, neben Friedrich zum Beispiel auch die Ahrenshooper und Schwaner Schulen bis hin zu Günther Uecker. Nachwuchskünstler/-innen aus Mecklenburg-Vorpommern haben im Moment gar keine andere Möglichkeit, als für ihre Ausbildung in ein anderes Bundesland zu ziehen und schlussendlich vielleicht gar nicht mehr zurückzukehren. Und da teilen sie leider das Schicksal mit vielen anderen jungen Leuten. So werden weder junge Menschen dazu ermutigt, in ihrer Heimat zu bleiben, noch wird das künstlerische Potenzial unseres Bundeslandes ausgeschöpft. Kunst und Kultur sind ja kein reiner Selbstzweck. Sie eröffnen neue Welten, bieten die Chance auf Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen, sie schaffen Räume für Diskurs und stärken die Demokratie und eine offene Gesellschaft. Wir brauchen die Kunst und die Kunst braucht uns, damit wir in Greifswald und ganz Mecklenburg-Vorpommern nicht erst wieder in 50 Jahren den 300. Geburtstag von Caspar David Friedrich feiern können, sondern dazwischen auch die Ausstellungseröffnung einer aufstrebenden Künstlerin in Grimmen, das kleine Musikfestival in der Mecklenburgischen Seenplatte oder die Lesung in Güstrow. Dafür brauchen wir eine langfristige finanzielle Förderung, Zukunftsperspektiven für etablierte Nachwuchskünstler/-innen und nachhaltige Strukturen für Kunst und Kultur im ländlichen Raum. Lassen Sie uns gemeinsam genau daran arbeiten! Wo man nichts mehr sät, kann in Zukunft auch nichts mehr geerntet werden. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE, Sebastian Ehlers, CDU, und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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