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Thore Stein

AfD 11.07.2024 Sitzungen 8/85

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! „Das besondere Kunstjahr für Mecklenburg-Vorpommern“ 2024, zum dritten Mal heute, beim dritten Anlauf, jetzt schaffen wir es endlich mal, das auf die Tagesordnung zu heben. Aber 2024 läuft ja noch ein paar Monate, also alles gut. Die heutige Aussprache dreht sich also um ein Kunstjahr. Kunst findet jedes Jahr statt, aber 2024 ist für uns in Mecklenburg-Vorpommern natürlich deswegen so ein bisschen als Jubiläum interessant, weil das eben den in Greifswald geborenen Künstler Caspar David Friedrich, seinen Geburtstag letztlich, ehrt. Anlässlich dieses besonderen Jubiläums widmet auch das Pommersche Landesmuseum ihm gleich mehrere Sonderausstellungen. In der Ausstellung „Sehnsuchtsorte“ wird beispielsweise sein Hauptwerk „Kreidefelsen auf Rügen“ – das ist, glaube ich, jedem bekannt, auch wenn man sich mit Kunst vielleicht nicht so sehr beschäftigt, aber jeder hat es schon mal irgendwo gesehen, in einer Adaption oder was auch immer –, zum ersten Mal also in Friedrichs Heimatregion wird dieses Gemälde zu sehen sein im Rahmen dieser Ausstellung. Und das ist natürlich besonders, weil dadurch eben auch eine räumliche Nähe zum Originalschauplatz, der heute vielleicht gar nicht mehr so richtig vorhanden sein wird, aber trotzdem irgendwo gegeben sein wird. Die Ausstellung „Heimatstadt“ wiederum zeigt die Gemälde „Wiesen bei Greifswald“ aus der Hamburger Kunsthalle und der „Greifswalder Hafen“ aus der Alten Nationalgalerie in Berlin. Also einige Gemälde sind quasi wieder heimgekehrt für eine gewisse Zeitdauer. Und seine Gemälde – das ist ja eben auch schon angeklungen – sind Ausdruck seiner tiefen Heimatverbundenheit und gelten heute weltweit als bedeutendste Zeugnisse der deutschen Romantik, einer Strömung, die sich den zuvor dominierenden Vorstellungen der Aufklärung und ihrer bedingungslosen Zugewandtheit zur Vernunft zu widersetzen versuchte und sich vielmehr der Sehnsucht und dem Mystischen des irdischen Seins, dem Göttlichen quasi, zuwandte. Und die Inspirationsquellen fanden die Vertreter dieser Epoche, wie eben auch Caspar David Friedrich, in der Natur, nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern wie damals üblich reiste man sehr viel, man unternahm lange Wanderungen durch Deutschland, durch ganz Europa. Und Caspar David Friedrich wirkte ja auch über viele Jahrzehnte in Dresden, sodass natürlich auch viele Gemälde beispielsweise das Elbtal zeigen, Elbsandsteingebirge, sicherlich bekannt. Und in Dresden war Caspar David Friedrich auch bekennender Anhänger der seinerzeit aufkommenden nationalen Befreiungsbewegung. Er teilte viele Ansichten, hatte auch enge Kontakte zu Protagonisten dieser Zeit. Wir kennen Ernst Moritz Arndt, auch eng verbunden mit Greifswald. Wir kennen Theodor Körner, der hier nördlich von Schwerin in den Befreiungskriegen letztlich gefallen ist dann auch. Und wir erinnern an dieser Stelle – und das muss man auch mal sagen, weil es auch ein bisschen zur Wahrheit dazugehört, wenn wir über das Kulturverständnis in diesem Land reden –, im Jahr 2018 hat sich die Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald bewusst gegen den Namen „Ernst Moritz Arndt“ entschieden. (Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das ist völlig richtig! Das ist völlig richtig!) Und ja, jetzt können Sie natürlich sagen, völlig richtig. Ich empfinde es als völlig falsch und sehe es auch als symptomatisch für das Kulturverständnis dieser Zeit. (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und auch der Patriotismus von Caspar David Friedrich, der Sie ja, Herr Damm, auch stören müsste, der sich nämlich nur unwesentlich von den Vorstellungen von Ernst Moritz Arndt und seiner vaterländischen Gesinnung unterschied, (Beifall Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) wird heute immer wieder im zeitgeschichtlichen Kontext versucht zu interpretieren oder auch auszuklammern. (Enrico Schult, AfD: Sehr richtig!) Und es war gerade auch die antideutsche, die antinationale Bewegung der 68er-Jahre, die auch ganz bewusst versucht hat, Caspar David Friedrich beziehungsweise die Künstler generell der Romantik, dieser Zeit, aus dem Gedächtnis der Kunst und Kultur zu verdrängen. Und da wundert doch ein wenig heute die Themenauswahl beziehungsweise dann auch die Rezeption von Caspar David Friedrich, denn es ist ja nun nicht so, dass sich die einbringende Fraktion sonst gerne Heimatliebe und Patriotismus, die ja Urgedanken der Werke von Caspar David Friedrich waren, auf die Fahne schreibt. (Zuruf von Beatrix Hegenkötter, SPD) Und damit basiert nun mal, das ist ganz entscheidend, kulturelle Identität auf gemeinsamen historischen Erfahrungen, auf der Ortsbestimmung in der Gegenwart und daraus folgend auch auf einer kollektiv geteilten Perspektive. Und das zeigt sich eben auch in den Werken von Caspar David Friedrich und seinen Zeitgenossen. Und daher sollte es auch selbstverständlich sein, dass auf kulturell bedeutsame Jubiläen oder Geburts- oder Todestage von herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Geschichte, der deutschen Kunstgeschichte, der erinnerungspolitische Fokus gerichtet wird, so, wie wir es auch mit dieser Aussprache tun können, um eben auch eine Stärkung der positiven Identifikation mit unserem Land und seiner Geschichte herbeizuführen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD und Dr. Eva Maria Schneider-Gärtner, fraktionslos) Und ich denke, die Ehrung von Caspar David Friedrich als Sohn von Mecklenburg-Vorpommern und von seinem Lebenswerk kann hier auch einen wertvollen Beitrag leisten. Ja, wie geht man jetzt mit solchen Jubiläen um? Wir haben es eben gehört, es gibt allerorten, nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, entsprechende Sonderausstellungen, unter anderem auch in der Hamburger Kunsthalle. Und hier wird etwas deutlich, was ich eben schon angerissen habe, was so ein bisschen symptomatisch für die Zeit ist: Anstatt sich einfach mit dem Schaffen dieses großen Mannes zu beschäftigen, versucht man heute auch immer gleich, eine moderne Interpretation hineinzuzwingen. Und so wirbt unter anderem die Hamburger Kunsthalle mit einer zeitgenössischen Rezeption der Werke Friedrichs. Und bei dem Wort „zeitgenössisch“ zuckt man meistens schon zusammen, wenn man sich zeitgenössische Kunst heute anguckt. Zu sehen waren dort oder sind dort zum Beispiel Fotografien von Personen, die dem Betrachter den Rücken zugewandt haben, das hatte ja Frau Hegenkötter eben ausgeführt, quasi ein ganz klares Stilelement von Caspar David Friedrich. Und ja, hier hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf, denn unter anderem sieht man dort eine an einem Fjord fotografierte Frau, eben mit dem Rücken zum Betrachter zugewandt, und die schaut auf einen Joghurtbecher, der im Wasser treibt. (Heiterkeit bei Enrico Schult, AfD) Ja gut, was das jetzt mit Caspar David Friedrich zu tun hat, bleibt etwas schleierhaft. Es überrascht da allerdings auch nicht und ist eigentlich schön zu sehen, dass sich diese Nebenausstellung nicht unbedingt einer großen Besucherbeliebtheit erfreut, wohingegen die Hauptausstellung in Hamburg sehr guten Andrang erfährt. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Da muss man feststellen – das ist ja immer wieder das Schöne, das sehen wir auch im Bereich der Architektur –, dass sich der Sinn, der Sinn für das Schöne eben nicht verordnen lässt, politisch oder gesellschaftlich. (Enrico Schult, AfD: Sehr richtig!) Genau. Und dieser Versuch, sich trotzdem einer umfassenden Widmung der Werke des Künstlers, dann aber auch gleichermaßen irgendwo wieder von ihm zu distanzieren oder sein Schaffen mindestens kontextuell neu zu interpretieren, ist auch symptomatisch für das Kunstverständnis der heutigen Zeit, und das sicherlich auch aus der Furcht davor, sich rechtfertigen zu müssen, im Gegensatz zur Nachkriegsphilosophie alles Schöne und Sinnvolle in der Kunst eben nicht abzulehnen und sich im Gegensatz zur Kunstpolitik der 30er- und 40er-Jahre auf das Abstrakte und Surreale der 20er-Jahre zu beziehen, denn es ist ja nun mal so, dass gerade diese eben angesprochene Zeit der Romantik und dem Klassizismus irgendwo ideologisch sehr zugetan war. Und diese vermeintliche Bürde trägt die Rezeption der Werke zwischen 1800 und 1900 bis heute. Dabei hat dieses große bürgerliche Jahrhundert in Deutschland, aber in ganz Europa vieles hervorgebracht, von dem wir heute auch noch kulturell zehren. Der Klassizismus, die Romantik, der Biedermeier, der Realismus, die Salonkunst, Freilichtmalerei, bedeutende Kunstschulen sind in Deutschland, sind allerorten entstanden, in München, in Dresden, in Wien. Und deswegen ist es ein bisschen schade, dass dieses sehr bedeutende Jahrhundert eigentlich so ein bisschen lange Zeit an den Rand gedrängt worden ist. Umso erfreulicher ist es, dass auch in unserem Bundesland, das ist eben angeführt worden, beispielsweise durch das Amt für Bildung, Kultur und Sport der Universitäts- und Hansestadt Greifswald, eigene Projekte initiiert und aus eigenen Mitteln auch mitfinanziert werden. Das ist sehr erfreulich und es bleibt natürlich zu hoffen, dass sich die geförderten Projekte anders als in Hamburg in Einklang mit den Hauptwerken bringen lassen. Da bin ich aber sehr optimistisch. Ja, und überhaupt ist es ja, das ist auch letztens klar geworden bei einem Besuch vor Ort, dass Mecklenburg-Vorpommern beziehungsweise das Pommersche Landesmuseum mit sechs Gemälden, mehr als 60 Zeichnungen und Druckgrafiken sowie zahlreichen Archivalien und Briefen über eine der umfangreichsten Sammlungen an Originalmaterialien aus Caspar David Friedrichs Leben und Werk weltweit verfügt. Und Möglichkeiten, die Originalwerke zu betrachten, gibt es natürlich deutschlandweit jederzeit genügend, aber hier sie einmal so konzentriert zu sehen, ist schon eine Besonderheit und durchaus erfreulich in Anbetracht dieses Jubiläums. Und somit hoffen wir, dass dieses Kunstjahr 2024 ein erfolgreiches Jahr mit positiven Auswirkungen auf den Kulturtourismus auch für unser Land wird und letztlich auch zu einer Revitalisierung der Ästhetik führt als Gegenpol zum Degenerativen der Neuzeit. – Somit herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD und Dr. Eva Maria Schneider-Gärtner, fraktionslos)

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