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Dr. Harald Terpe

GRÜNE 10.07.2024 Sitzungen 8/84

Frau Präsidentin! Meine verehrten Kolleginnen und Kollegen! Wenn man es mit der AfD gut meint, (Vizepräsidentin Elke-Annette Schmidt übernimmt den Vorsitz.) und ich weiß gar nicht, ob Sie daran ein Interesse haben, würde man erst einmal zurufen, lassen Sie doch mal die Kirche im Dorf! Ihre Aussprache, (Nikolaus Kramer, AfD: Die Kirche hat sich mitschuldig gemacht.) Ihre Aussprache (Michael Noetzel, DIE LINKE: Ohne Vorwürfe. – Daniel Seiffert, DIE LINKE: Sehr, sehr sachlich!) „Kritische Würdigung der Pandemiepolitik“ eignet sich nicht zur Skandalisierung und Anklage. (Zuruf von Julian Barlen, SPD) Schon der Titel der Aussprache suggeriert mit Kontrastformulierungen, Fakten und Verschleierung eine Vorsätzlichkeit, nämlich eine aktive Handlung, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: In Teilen war es vorsätzlich, Herr Terpe.) die zur Verschleierung geführt hat, als ob es vorsätzlich gewesen ist. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: In Teilen war es vorsätzlich, tatsächlich, ja.) Ja, das ist Ihre Verschwörungstheorie, dass jemand vorsätzlich, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Stimmen Sie dem Untersuchungsausschuss zu!) vorsätzlich, … (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das ist keine Verschwörungstheorie! Lesen Sie sich die RKI-Protokolle durch!) Ach! … vorsätzlich (Heiterkeit bei Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Mein Gott, Sie haben nur Halbwissen. Das ist ja unglaublich! Echt! – Glocke der Vizepräsidentin) von Beginn an einen Plan hatte, sozusagen der Verschleierung. Das ist doch Unsinn, das wissen Sie doch auch. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zurufe von Thomas de Jesus Fernandes, AfD, und Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Im Großen, im Großen und Ganzen – und das ist sicherlich ein Defizit – sind wir als Gesellschaften in den verschiedenen Weltregionen unvorbereitet in die Pandemie hineingeschlittert, das ist sicher klar, in eine Pandemie, die sicher nicht vergleichbar mit mittelalterlichen Pandemien ist, aber eben einem erschreckenderen Beginn als die wenige Jahre zuvor aufgetretenen Pandemien, Schweinegrippe und Vogelgrippe. Denn wer erinnert sich nicht, und ich kann mich gut erinnern an die Bilder – und das ist ja auch gesagt worden – aus Bergamo, an die Situation, die sich in Ischgl ergeben hatte und die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Infektionswelle mit dem Hotspot Ischgl?! Wer erinnert sich nicht daran?! (Thomas Krüger, SPD: So ist es.) Neu und erstmalig in der Datenintensität war relativ schnell die Wahrscheinlichkeit von Mortalität und Krankheitsschwere, natürlich in Abhängigkeit von den Schutzmaßnahmen, bekannt geworden – also keine mittelalterliche Pandemie mit 25 Prozent Todesfällen, aber immerhin Zahlen, die von 0,4 bis 1 Prozent Todesfällen ausgegangen waren. Das war relativ schnell bekannt, (Zuruf von Jens-Holger Schneider, AfD) in den ersten Wochen schon. Und wenn man das hochrechnet, kommt man auf 200.000 bis 600.000 Todesfälle, die zusätzlich aufgetreten wären in Deutschland. Und wen verwundert es, dass da die Politik Verantwortung übernommen hat und gesagt hat, wie können wir denn das verhindern? Auch wenn man durchaus skeptisch gegenüber der Informationspolitik und den statistischen Daten aus China sein könnte, war relativ schnell offensichtlich, dass die Unterbrechung von Infektionsketten einen Effekt erzielt, einen deutlichen Effekt erzielt, und die Unterbrechung der Infektionsketten hatte den neuen Begriff „Lockdown“ sozusagen, und das war auch relativ schnell bekannt. Und infektionsmedizinisch ist eine Unterbrechung der Infektionsketten eine Binsenweisheit der Seuchenpolitik. Das ist völlig klar, und deswegen ist das ja auch erfolgreich. Die Frage im Nachherein, was daran sozusagen vielleicht auch hätte noch differenzierter gemacht werden können, das wissen natürlich nur die Schlaumeier von der AfD. Ja, das ist doch Schlaumeiertum. Hinterher ist man immer schlauer! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Jens-Holger Schneider, AfD: Das sagen auch namhafte Wissenschaftler.) In Pandemiesituationen mit einem neuen Pandemieerreger läuft die Entwicklung eines schützenden Impfstoffes immer der Verbreitung der Direktinfektion hinterher. Das wissen wir, auch das ist eine Binsenweisheit. Und trotzdem war es richtig, so schnell wie möglich in Deutschland zu versuchen oder international zu versuchen, und auch in Deutschland, einen Impfstoff zu bekommen, weil ein Impfstoff – so sagte es, und es ist ja auch bis heute richtig – eine Schutzfunktion bei Infektionserkrankungen bildet. Wie groß die Schutzfunktion ist … (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Kann! Kann!) Bildet! Wie groß die Schutzfunktion ist, (Jens-Holger Schneider, AfD: Es wurde erzählt, der Fremdschutz ist entscheidend.) da sind wir durchaus in der Corona-Pandemie schlauer geworden. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ja, wenn es so wäre!) Ich sage mal ein Beispiel: Die Frage der Definition von Impfdurchbrüchen, die hat sich nach der Corona-Pandemie deutlich verändert. Man ist früher immer davon ausgegangen, auch bei Virusinfektionen, dass es Impfdurchbrüche im Prozentbereich, im einstelligen Prozentbereich gibt. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Die gibts schon zum einstelligen Prozentbereich.) Ich glaube, dass das auch schon damals verkehrt war. Es hat mehr, es hätte sicherlich mehr Impfdurchbrüche gegeben. Aber wir sind noch nie so datenintensiv durch eine Pandemie gegangen wie bei der Corona-Pandemie, deswegen ist das alles aufgezeichnet worden. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Dann hätte ich aber anders entscheiden müssen. Dann haben sie trotzdem die Impfpflicht im Pflegebereich durchgeboxt. – Zurufe von Daniel Seiffert, DIE LINKE, und Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Impfpflicht im, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) die Impfpflicht im Pflegebereich, und da sind wir ja auch bei einer wichtigen These, die ja immer aufgestellt wird, dass Schweden so besonders gut durch die Pandemie gekommen sein soll mit dem schwedischen Modell. Das schwedische Modell – ich kann mich an jeden Tag damals erinnern in den ersten Wochen –, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ich auch.) das schwedische Modell hatte eine vierfach größere Versterberate bei älteren Patienten. (Jens-Holger Schneider, AfD: Anfänglich. – Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und das war im Übrigen Anlass bei uns in Deutschland, darüber nachzudenken, (Zuruf von Daniel Seiffert, DIE LINKE) wie kann man die älteren Patienten zusätzlich zum Lockdown – nachher, als der Impfstoff da war – auch durch Impfstoff schützen, (Zuruf von Horst Förster, AfD) wohl wissend für jeden Mediziner, dass Impfungen bei älteren Patienten schlechter anschlagen als bei jüngeren. Das ist immer der Fall. Trotzdem war es richtig, angesichts dieser Zahlen darüber nachzudenken, die ältere Bevölkerung zusätzlich zu schützen. Und das ist, bleibt auch richtig, auch wenn der Erfolg, den man sich erwartet hat, nicht in dem Umfang eingetreten ist, wie wir ihn erwartet haben, … (Jens-Holger Schneider, AfD: Wie viele Menschen hat das das Leben gekostet?) Wie? … wie wir ihn erwartet haben. (Christine Klingohr, SPD: Wie viele haben wir gerettet, ist die Frage.) Ja, wie viele haben wir gerettet?! (Christine Klingohr, SPD: Ja.) Wir wissen nur, dass wir in den Zahlen auch bei den Alten besser (Thomas Krüger, SPD: Deutlich besser.) durch die Corona-Pandemie gekommen sind als fast alle europäischen Nachbarstaaten (Zurufe von Jens-Holger Schneider, AfD, und Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) und vor allen Dingen auch im internationalen Vergleich. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das stimmt doch gar nicht!) Das stimmt. Natürlich stimmt das! Es ist immer – der Faktor zu Großbritannien –, immer mal 2 gewesen, zu Spanien und Italien, wo es angefangen hat mit diesem großen Peak, ist er immer auch bei 1,5 geblieben. Und im Verhältnis zu Peru und im Verhältnis zu Russland und vielen anderen sind die Zahlen immer günstiger gelaufen als, sozusagen in Deutschland, als in den Ländern. (Jens-Holger Schneider, AfD: Das hat mit der Struktur der Gesundheitssysteme in den Ländern zu tun. – Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) So, und dann kommen wir zu der Frage, und die treibt einen natürlich um, wie muss man sich zu der Frage stellen, die notwendige öffentliche und wirtschaftliche … (Am Rednerpult leuchtet die rote Lampe.) Bin ich schon am Ende?

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