Dr. Till Backhaus
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Vortrag eben hat mich schon ein bisschen erschüttern lassen, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Müssen Sie ja auch. Sie waren ja verantwortlich zu der Zeit.) weil unterm Strich war das Wissensvermittlung der besonderen Art. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. (Beifall Dirk Bruhn, DIE LINKE) Aber wenn wir uns jetzt mal die Realität der Landwirtschaft, der Ernährungswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern anschauen, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Paludikultur.) und genau das haben wir versucht, weil es nämlich im Koalitionsvertrag drinsteht, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) dass ich darum gebeten bin, eine Nutztierstrategie auf den Weg zu bringen, dann will ich mich mal sehr deutlich äußern. Im Gegensatz zu dem, was auf der Bundesebene stattfindet, wollen wir die Tierproduktion in Mecklenburg-Vorpommern stabilisieren, wenn es irgend geht, sogar ausbauen. Das halten wir doch mal bitte fest! Und insofern will ich mal ausdrücklich sagen, wir befinden uns in dieser Frage natürlich in einem globalisierten Markt. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ach!) Und da kann man dann darüber rätseln oder vielleicht auch diskutieren, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sie schaffen die Rahmenbedingungen dafür, dass das Fleisch woanders dann unter schlechten Bedingungen hergestellt wird.) ob die Rahmenbedingungen, die wir in Deutschland haben, sich abheben von dem, was andere Regionen dieser Welt und in welcher Form sie produzieren. Und ja, es ist so, die Rahmenbedingungen in Deutschland, wir haben die höchsten Umweltstandards, wir haben die höchsten Sozialstandards und wir haben unterm Strich damit auch die höchsten Standards, die wir für die Tierhaltung, für die Tierproduktion auf diesem Planeten umsetzen. Und ich glaube, dass es grundsätzlich auch richtig ist, denn wer Tiere hält, der hat die Verantwortung für diese Tiere. Und letzten Endes zahlen sie einem das ja auch zurück, und zwar in guter Qualität und auch mit hohen Leistungen. Und deswegen ist es für mich wirklich eine besondere Situation hier heute auch, dass wir eine Nutztierstrategie vorgelegt haben. Und ich war auch ein bisschen verwundert, dass hier so getan wird, als ob dieses Papier oberflächlich sei. Das weise ich in aller Form zurück, in aller Form, weil damit würde man auch die 80 – 80! – Leute in zehn Arbeitsgruppen, von der Wissenschaft über die Umweltverbände bis hin zum Bauernverband, die würde man diskreditieren, wenn man hier so tut, als ob das mal eben so hingeschrieben worden ist. Nein, bis hin im Übrigen zu den Verarbeitern von der EDEKA mit dem größten Fleischwerk Europas, was daran beteiligt ist und war, und hört auf noch mal ausdrücklich auch bei den Verarbeitern, bei den Schlachthöfen und bei den Landwirten selber. Und insofern kann ich nur wärmstens empfehlen, hier keine Keile mehr zu schieben. Der Bundesminister war ja diese Woche hier und, ich weiß nicht, wer das Interview gesehen hat, da hat man ja wieder gemerkt, dass hier wieder Gräben ausgehoben werden, wo gar keine hingehören. Ich will das nicht, ausdrücklich sage ich das. Und deswegen ist es, glaube ich, auch so, dass wir hier ein wissenschaftlich fundiertes, mit Analysen unterlegtes … Wenn Sie sich mal die Apps anschauen würden, ich weiß nicht, ob Sie es geschafft haben, das mal runterzuladen, dann wird eines deutlich, dass wir in Mecklenburg-Vorpommern mit eines der fortschrittlichsten landwirtschaftlichen Produktionsverfahren, ob in der Pflanzenproduktion oder in der Tierproduktion, überhaupt auf diesem Planeten haben. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das kauft doch keiner mehr, weil es zu teuer ist. – Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Das ist so, das ist so und das wird sich auch verfestigen. Sie haben das ja in Teilen angedeutet. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Kaufen wir halt aus dem Ausland das Fleisch, ist doch logisch.) Und insofern will ich mal gerade auch deutlich machen, dass die Nutztierhaltung in Deutschland und auch in Mecklenburg-Vorpommern in einer dramatischen Situation sich befindet. Die Umstrukturierung hat verschiedenste Ursachen. Das beginnt bei den politischen Rahmenbedingungen, das geht weiter bei den Essgewohnheiten, die sich verändern, und es hört am Ende natürlich auch an den Kostenschrauben, zu welchen Produktionskosten wir hier noch wettbewerbsfähig sind, hört es auf, und das geht bis hin zu der Frage des Fachkräftemangels. Wenn man Ihrem Vortrag zugehört hat, dann würde ich auch keinem jungen Menschen mehr empfehlen, überhaupt in die Landwirtschaft zu gehen. (Thore Stein, AfD: Wegen Ihrer Politik nicht.) Ich glaube, ich glaube, dass dieser Volkswirtschaftsbereich mit den 4.725 Betrieben, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ihre Fischerei etwa, die haben Sie auch kaputt gemacht, Herr Backhaus.) die wir in Mecklenburg-Vorpommern haben, die im Übrigen gut 8 Milliarden Euro Umsatz machen, (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) einen der stärksten Volkswirtschaftsbereiche darstellt, die wir in diesem Lande haben. Und da kann man den Bauern nur danken. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Ja, und der Strukturwandel beginnt ja nicht erst, seit Herr Özdemir dort Verantwortung trägt, sondern beginnt ja viel früher. (Zuruf von Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Dass wir heute mit einer Arbeitskraft in der Landwirtschaft im Übrigen 140 Menschen versorgen, auch das geht aus den Papieren hervor. Und dass wir im Übrigen auch, was die Sauenhaltung … Sie haben das ja für die Schweinehaltung insgesamt angesprochen, dass wir hier im Vergleich zu allen europäischen Nachbarländern die höchsten Standards haben. Das habe ich mir auch nicht ausgesucht, sondern das sind die Rahmenbedingungen, die in Deutschland geschaffen worden sind. (Thore Stein, AfD: Ihre Partei! Ihre Partei, Herr Backhaus!) Die Schafhaltung, ja, die ist nicht rentabel. Deswegen haben wir in Mecklenburg-Vorpommern im Übrigen durchgesetzt, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) dass es die Schafprämie und die Mutterschafprämie wieder gibt. Und das führt auch zu einer gewissen Stabilisierung. Wenn wir jetzt im Übrigen den Schnellschuss, das war kein Meisterschuss aus Berlin, will ich mal ausdrücklich sagen, wenn wir jetzt beim Wolf mal weiterkämen, wäre das mir auch eine Herzensangelegenheit. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ach, jetzt auf einmal! – Daniel Seiffert, DIE LINKE: Immer schon.) Ich glaube, wenn Sie mich ein bisschen verstanden hätten und mal in den Papieren nachlesen würden, dann würden Sie wissen, dass ich derjenige bin, der seit Jahren nach einem Modell, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) an einem Modell arbeitet. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ja, seitdem haben Sie geschlafen, genau.) Da haben Sie von dem Thema noch gar keine Ahnung gehabt. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Und, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich glaube, dass es ja so wichtig ist, dass es hier auch noch mal herausgearbeitet wird. Dieses Papier, wenn Sie es sich dann angeschaut hätten, es ist kein Konsenspapier, weil eben genau das, was wir auch herausarbeiten wollten, ist, dass auch die unterschiedlichen Positionen der verschiedenen Verbände, aber auch derjenigen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen, deutlich werden. Und es sind 30 Verbände mit 70 verschiedenen Personen, also, wenn man es so will, 100 verschiedene Einrichtungen mit dabei gewesen. Und innerhalb von elf Monaten dieses Projekt umzusetzen, ist für mich schon eine Besonderheit. Und im Übrigen gibt es sehr wohl Investitionen in die Landwirtschaft. Sie haben bewusst wahrscheinlich nicht wahrgenommen, was in der Geflügelhaltung hier passiert ist. 30 Prozent der im Übrigen Eier, die in Deutschland produziert werden im Biobereich, kommen aus Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben mittlerweile im Übrigen acht Millionen Legehennen, die im Freiland sich bewegen, und damit den höchsten Anteil an ökologischer Produktion überhaupt in Deutschland. Und damit wird im Übrigen Geld verdient. Ich sage das einmal ausdrücklich. Oder nehmen wir doch bitte zur Kenntnis, dass die Essgewohnheiten sich massiv verändert haben. Seit 2010 – das sind dann also 14 Jahre – ist der Fleischverbrauch im Schweinefleischbereich tatsächlich um über zehn Kilo pro Einwohner in Deutschland zurückgegangen. Auch das hat Auswirkungen. (Der Abgeordnete Thore Stein bittet um das Wort für eine Anfrage.) Das Gleiche haben wir im Milchbereich zu verzeichnen. Und deswegen, glaube ich, ist es so wichtig, dass wir den Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern …
