Enrico Schult
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Bürger! Die Bildungsministerin sprach es an, wir müssen neue Wege gehen. Kreativität sei gefragt, etwas Mut sei gefragt. In der Tat, wir haben das Lehrerbildungsgesetz im Ausschuss mehrfach thematisiert. Wir haben eine Expertenanhörung durchgeführt, und da wurde aber immer wieder deutlich, dass quasi diese Aufteilung zwischen Lehrerbildung und Lehrerausbildung einfach suboptimal ist. Ich führte es heute Morgen schon mal an, da ist ein zusätzliches Ministerium geschaffen worden. Das hemmt uns aber in der Arbeit als Bildungspolitiker, und das wurde auch in dieser Expertenanhörung immer wieder deutlich. Und Frau Oldenburg sagte, jedenfalls 2021 noch, 1.000 neue Lehrer sind angekündigt, 1.000 neue Lehrer sollen es sein. Das ist ja immer das Gute, wenn man Wahlplakate druckt, dann bleiben die ja immer noch im Gedächtnis. Wenn ich mir das anschaue, natürlich sind die Wähler, Frau Oldenburg, wahrscheinlich damals davon ausgegangen, dass das grundständig ausgebildete Lehrer sind, also Lehrer, wirklich an der Universität ausgebildet oder, wie wir es wünschen, an einer pädagogischen Hochschule. Nun müssen wir aber einräumen, dass wir aufgrund des eklatanten Lehrermangels immer mehr auf Seiteneinsteiger zurückgreifen müssen. Das ist in der Tat so, da können wir uns auch als AfD-Fraktion nicht davor verschließen. Das machen wir auch nicht, aber es muss sozusagen angesprochen werden, dass an den Schulen immer mehr improvisiert wird und dass einfach die Not groß ist, dass wir jetzt massiv so schon auf diese Seiteneinsteiger zurückgreifen müssen. Wir brauchen mehr grundständig ausgebildete Lehrer, das war auch in den Beratungen im Bildungsausschuss immer wieder Thema. Leider ist das nicht der Zuständigkeitsbereich des Bildungsministeriums, da ist die Wissenschaftsministerin Frau Martin zuständig. Und deshalb erschließt es sich mir auch nicht, dass wir einerseits jetzt das Lehrerbildungsgesetz und dann im Herbst noch mal die Lehramtsausbildung sozusagen uns auf den Tisch ziehen. Ich erinnere mich an die Aussage der Vorsitzenden der Schulleiterkonferenz hier, der Schulleitervereinigung in Mecklenburg-Vorpommern, Frau Walter, die auch ein Plädoyer für die pädagogische Hochschule sozusagen dort zum Besten gab und noch mal auf das Positivbeispiel Thüringen verwies. Es ist so, dass wir uns vergegenwärtigen müssen, warum stehen wir denn jetzt vor diesem massiven Problem. Warum haben wir immer weniger Lehrer? Warum müssen wir immer mehr auf Seiteneinsteiger zurückgreifen? Die Schule ist mittlerweile Reizfeld geworden. Viele Lehrer, liebe Kollegen, und das müssen Sie anerkennen, gehen frühzeitig in Rente. Wir haben einen extrem hohen Krankenstand, und es ist nicht einfach, an den Schulen derzeit zu unterrichten. Das haben wir heute Morgen besprochen. Das hängt damit zusammen, dass Förderschulen aufgelöst, Regionalschulen überlastet sind, ganz viele drängen aufs Gymnasium. Das führt zu Unterrichtsausfall, und die Seiteneinsteiger sollen jetzt diese Lücke dort schließen, an den Regionalschulen insbesondere, aber sie sind natürlich auch, Kommende werden da ins kalte Wasser geworfen ohne diese pädagogische Vorausbildung, die man ja quasi als Lehramtsstudent dann sich noch erwirbt. Es gibt diese drei Monate Vorbereitungszeit, aber es ist so, dass die Seiteneinsteiger dann natürlich auch sofort wieder vor den Klassen stehen. Sie müssen sofort wieder unterrichten, und das stresst sie, und das müssen wir so anerkennen. Und das ist einfach ein großes Problem derzeit an unseren Schulen. Und auch wenn Frau Oldenburg da lobende Worte gefunden hat, diese Wahrheit müssen wir anerkennen und da müssen wir in der Tat ansetzen. Wir haben in der Expertenanhörung auch schon kundgetan, dass wir natürlich dieses Lehramtsstudium – ich sagte, es ist nicht Thema des Bildungsausschusses, völlig absurd –, aber dieses Lehramtsstudium, dass die Lehramtsstudenten schon früher natürlich vor den Klassen stehen müssen, erstes Semester Einführung, Grundlagen, zweites Semester Fachdidaktik – Fachdidaktik ist meines Erachtens auch das Kernstück eines Lehramtsstudiums – und drittes Semester müssen die Lehramtsstudenten schon vor den Klassen stehen, um zu wissen, ist das überhaupt was für mich, Lehrer zu sein, denn derzeit hören viele auf und merken, Mensch, das ist gar nichts für mich, dort als Lehrer tätig zu werden. Und, auch das wurde heute Morgen schon angesprochen, natürlich müssen die Lehrer mit dem schulischen Rüstzeug oder die Studenten mit dem schulischen Rüstzeug dort ein Lehramtsstudium beginnen. Positiv zu diesem Lehrerbildungsgesetz anzumerken ist einfach tatsächlich die grundlegende pädagogische Qualifizierung für die Seiteneinsteiger und die modularisierte Qualifizierung. Das heißt, dass wir die Seiteneinsteiger jetzt entsprechend auf ihre Aufgaben vorbereiten. Das Gesetz legt einen größeren Fokus auf die Praxis. Auch das ist gut, werte Kollegen. Es ist nämlich so, dass, wenn Vertretungsstunden gegeben werden, dann können die schon angerechnet werden. Das muss dann quasi das Bildungsministerium nur noch absegnen, aber es ist gut. Sie müssen vor der Klasse stehen, denn es ist einfach so, Schwimmen lernt man im Wasser und Unterrichten lernt man vor der Klasse. Also die müssen sozusagen vor einer Klasse stehen und dort die Praxis erlernen. Bessere Bedingungen für Berufseinsteiger, gezielte Unterstützung begrüßen auch wir als AfD-Fraktion und ebenso den Erwerb einer weiteren Lehrbefähigung. Lehrbefähigung für ein weiteres Fach oder eine andere Schulart ist gut, werte Kollegen, und natürlich auch das Verkürzen von Unterrichtsentwürfen oder Hausarbeit. Das ist auch Gegenstand dieses neuen Lehrerbildungsgesetzes, und das ist für uns auch richtig so. Wir müssen allerdings anerkennen, was auch richtig ist, und das wusste ich bis dahin gar nicht, werte Kollegen, dass an unseren Schulen auch Lehrer unterrichten, die gar nichts haben, die nicht mal eine Berufsausbildung haben. Das ist in der Tat nur eine ganz kleine, ganz kleine Anzahl, 24/25. Ich hatte eine Kleine Anfrage dazu gestellt. Aber es ist schon bedenklich, dass, wenn man nichts gelernt hat, quasi da schon irgendwie als Lehrer tätig ist. Das mag in der Politik funktionieren, (Beifall und Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) aber in der, vor der Schule ist das, glaube ich, nicht gut. Das ist im Lehrerbildungsgesetz jetzt sozusagen dort nicht mehr, nicht mehr Teil des Lehrerbildungsgesetzes. Derzeit brauchen sie eine Berufsausbildung und sie brauchen drei Jahre Berufserfahrung. Aber ganz ehrlich, wenn man fünf Jahre Lehramt studiert und dann einfach so als Quereinsteiger, als Seiteneinsteiger reinkommt, da reicht es unseres Wissens oder unserer Meinung nach einfach nicht aus, eine Berufsausbildung zu haben und drei Jahre irgendwo in dem Beruf gearbeitet zu haben, dann kann ich schon Lehrer werden in Mecklenburg-Vorpommern. Das sehen wir kritisch insofern, weil wir brauchen natürlich diese Lehrerpersönlichkeiten, wir brauchen diese Leute, die vor der Klasse stehen und dann auch das vermitteln können. Und das kann man halt am besten in einem Lehramtsstudium, im besten Falle an einer pädagogischen Hochschule, dort erwerben, diese Kenntnisse. Denn es ist so, ich habe hier keine pädagogischen und lernpsychologischen und vor allem unterrichtsmethodischen Kenntnisse, die können sie nur in einem Lehramtsstudium erwerben, in einem 5-jährigen. Und dann, in einem dreimonatigen Crashkurs, wie die Seiteneinsteiger jetzt qualifiziert werden, ist das allerdings möglich. Ja, ich habe es angekündigt, es ist suboptimal, dass diese beiden Dinge, Lehrerbildung/Lehrerausbildung, in zwei unterschiedlichen Ministerien geführt werden und dort das Bildungsministerium und das Wissenschaftsministerium verantwortlich zeichnen. Das ist für die Arbeit der Bildungspolitiker schwierig. Das wurde auch immer wieder in dieser Expertenanhörung kundgetan und dass wir gewisse Fragen gar nicht stellen durften. Gleichwohl ist dieser erste Entwurf Lehrerbildungsgesetz, geht auf den oder ist auf dem richtigen Weg. Wir sind in einigen Punkten, sagte ich, die ich ausgeführt habe, kritisch. Wir präferieren die pädagogische Hochschule, mehr grundständig ausgebildete Lehrer, weniger Seiteneinsteiger. Wenn die Seiteneinsteiger natürlich dort tätig werden, müssen sie qualifiziert werden, ist richtig, aber es ist nicht der große Wurf, werte Kollegen, und deshalb wird sich meine Fraktion hier bei diesem Lehrerbildungsgesetz enthalten. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
