landtag-mv.de ↗

Andreas Butzki

SPD 10.07.2024 Sitzungen 8/84

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich auf die Ausführungen mit den vielen Fake News von Herrn Peters eingehe, möchte ich heute wirklich die Gelegenheit nutzen, fast am Schuljahresende den vielen Lehrerinnen und Lehrern für die geleistete Arbeit zu danken. Es war kein einfaches Schuljahr nach diesen Corona-Pandemie-Jahren (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) und den vielen Herausforderungen, die die Schulleiterinnen und Schulleiter mit ihren Teams zu bewältigen haben. Alle, die an Schule … (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Barbara Becker-Hornickel, FDP) Wundert mich, dass die Opposition hier nicht mitklatschen kann. (Unruhe vonseiten der Fraktion der SPD – Patrick Dahlemann, SPD: Genau!) Alle, die an Schule arbeiten, (Patrick Dahlemann, SPD: Genau!) haben die Ferien sich verdient. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Wir wünschen gute Erholung! (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Jetzt zum Thema der Aktuellen Stunde: Es liegt noch nicht mal der erste Entwurf des Teils des Lehrerbildungsgesetzes vor, (Sebastian Ehlers, CDU: Warum eigentlich nicht?) also es ist noch nicht veröffentlicht, (Sebastian Ehlers, CDU: Warum eigentlich nicht? – Zuruf von Daniel Peters, CDU) aber die Fraktion der CDU schürt schon Ängste, (Zuruf von Daniel Peters, CDU) spricht schon immer von der Abschaffung des Gymnasiums, führt Konferenzen durch, ohne einen Regierungsentwurf zu kennen, (Heiterkeit bei Patrick Dahlemann, SPD: Unerhört! – Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) und Frau Priens Ratschläge aus Schleswig-Holstein brauchen wir hier in Mecklenburg-Vorpommern eher nicht. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD – Christine Klingohr, SPD: Ja, genau!) Ihre CDU-, (Julian Barlen, SPD: Da gehts nämlich gerade in die andere Richtung. – Zurufe von Christine Klingohr, SPD, und Sebastian Ehlers, CDU) Ihre CDU-Bildungsministerin aus dem Nachbarbundesland soll erst mal vor der eigenen Haustür kehren, (Sebastian Ehlers, CDU: Ist das billig!) ihre eigenen Probleme lösen, (Julian Barlen, SPD: Ja.) und dann kann sie vielleicht kluge Ratschläge geben. Aber eigentlich ist das unter den Ministern eigentlich ein No-Go. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Marcel Falk, SPD: So ist es. – Zurufe von Julian Barlen, SPD, und Sebastian Ehlers, CDU) Die CDU M-V führt Kampagnen und Scherzkampagnen auf den verschiedensten Plattformen, haben wir heute schon mehrmals gehört. (Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD) Zumindest wissen wir jetzt, (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) was nach „C wie Zukunft“ bei der CDU kommt: „D wie Gymnasium“. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der SPD – Julian Barlen, SPD: Der war gut.) Es ist schon sehr bezeichnend, dass heute nicht ein Bildungspolitiker als Erster zur Aktuellen Stunde spricht, vielleicht überhaupt nicht, sondern der Parteichef. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Und man hat ganz eindeutig gemerkt, der steckt gar nicht richtig drin im Thema (Patrick Dahlemann, SPD: Richtig! – Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) und das ist nur alles, (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) was hier dargestellt wird, heiße Luft. (Zurufe von Enrico Schult, AfD, und Sebastian Ehlers, CDU) Die CDU ist offensichtlich gar nicht daran interessiert, Verbesserungen an Schulen vorzunehmen, (Zuruf von Christine Klingohr, SPD) sich inhaltlich mit dem Thema Schule auseinanderzusetzen, sondern will mit Methoden des letzten Jahrhunderts die neue KI-Welt erstürmen. (Thore Stein, AfD: Hä?) Dabei ist der Handlungsdruck überall in Deutschland und auch bei uns in Mecklenburg-Vorpommern sehr groß. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Letztens habe ich in der „WirtschaftsWoche“ gelesen: (Sebastian Ehlers, CDU: Selber gelesen oder lesen lassen?) „Wir sind nicht Verwalter der Vergangenheit und Konsumenten der Gegenwart – sondern Gestalter der Zukunft.“ (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU – Heiterkeit bei Daniel Peters, CDU) Besser könnte ich das gar nicht formulieren. (Zuruf von Horst Förster, AfD) Fakt ist, wir stehen vor großen Herausforderungen bei der Ausbildung unserer Lehrerinnen und Lehrer. Und wir müssen, wie schon seit Langem gefordert, die Lehrerbildung grundsätzlich reformieren. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Ich erinnere an die Ergebnisse der Radisch-Studie. Ich habe in der letzten Woche mir die noch mal vorgenommen und durchgearbeitet. Und, Herr Peters, ich würde Ihnen auch empfehlen, sie sich mal durchzuarbeiten beziehungsweise sich von Ihren Kolleginnen und Kollegen davon berichten zu lassen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Die Verbände fordern schon seit Langem, die Fachlastigkeit zugunsten der Pädagogik, der Methodik, der Didaktik und vor allem der Praxis zu verändern, denn was nützt es, wenn man einen Lehrer hat, der in theoretischer Mathematik perfekt ist, aber den Schülern nicht das Einmaleins beibringen kann?! (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Als ich vor zehn Tagen am Tag des offenen Schlosses als Bildungsausschussvorsitzender bei der „Ostseewelle“ war und auf Fragen antwortete, sprachen wir unter anderem auch über die Lehrerbildung und die zu hohe Fachlichkeit im Studium. Ein Lehrerehepaar aus Nordrhein-Westfalen hörte mir aufmerksam zu und sprach mich nachher auch noch an und sagte, NRW kann sich von M-V oder von Meck-Pomm eine Scheibe abschneiden, die Lehrerbildung ist bei uns so veraltet, verkrustet und führt zu viel Frust im Studium. (Marc Reinhardt, CDU: Bei uns auch. – Heiterkeit bei Enrico Schult, AfD: Ja.) Und das Schärfste ist aber der Änderungsantrag der CDU, den Sie gemeinsam mit der FDP zum Entwurf des Ersten Gesetzes zur Änderung des Lehrerbildungsgesetzes, (Sebastian Ehlers, CDU: Zur Sache!) den wir heute Nachmittag noch behandeln werden, eingereicht haben. Vorher war es ein Entschließungsantrag, jetzt ist es ein Änderungsantrag. Ich möchte daraus jetzt mal neu jetzt die Punkte 2.B (Sebastian Ehlers, CDU: Thema!) und den letzten Satz von C zitieren. (Sebastian Ehlers, CDU: Zum Thema! – Philipp da Cunha, SPD: Aussprache!) „Zusätzlich zu den auch in Mecklenburg-Vorpommern bekannten, von den Fachverbänden immer wieder angeführten und bundesweit bestehenden grundsätzlichen Problemen in der Berufsausübung kritisieren die Lehramtsstudenten in“ M-V „zusätzlich eine zu hohe Fachlichkeit im Studium. Dies erschwere das Studium enorm und führe so zu Studienabbrüchen, gerade in den Studienfächern Lehramt Mathematik, Physik und Informatik.“ Und unter C der letzte Satz: „Wichtig ist dabei, die Lehramtsausbildung in der Gesamtheit zu betrachten und zu reformieren.“ Nichts anderes hat diese Landesregierung vor. (René Domke, FDP: Dann legen Sie es doch mal auf den Tisch!) Es ist doch bezeichnend, dass der Fraktionsvorsitzende hier gegen etwas wettert, was die CDU-Fachpolitiker selbst fordern. (Zurufe von Daniel Peters, CDU, und Marc Reinhardt, CDU) Vielleicht warten Sie, Herr Peters, doch einmal den Gesetzentwurf ab oder sprechen mit Ihren Bildungspolitikern, (Daniel Peters, CDU: Sie waren wirklich Schulleiter? Ernsthaft?) bevor Sie hier billige und beleidigende Videos (Sebastian Ehlers, CDU: Beleidigend?!) sowie Kacheln in Social Media posten. (Sebastian Ehlers, CDU: Beleidigend?!) Wenn der Entwurf vorliegt, können Sie sich inhaltlichkritisch damit auseinandersetzen und abarbeiten. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Daniel Peters, CDU: Ja, das können wir. – Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Aber machen Sie hier nicht einfach nur billige Polemik! Dazu ist das Thema viel zu wichtig. Sie verunsichern die Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern. (Zuruf von René Domke, FDP) Aber das ist Ihre Absicht, ganz eindeutig Trump lässt hierbei grüßen! (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der SPD – Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Die Methode CDU M-V: etwas behaupten, was nicht stimmt, in diesem Fall die Abschaffung des Gymnasiums. Kein Koalitionspolitiker hat so etwas behauptet. Und dann stellt sich Herr Peters später hin, er hat das Gymnasium gerettet. Na plumper geht es doch wirklich nicht! (Zuruf aus dem Plenum: So ist es.) Erinnern Sie sich noch, erinnern Sie sich noch, als wir die neue Erzieherausbildung auf das Gleis gesetzt haben? Da wurde der Untergang des Abendlandes heraufbeschworen. (Torsten Renz, CDU: Von wem? Von wem?) Unsere Landtagspräsidentin kann sich bestimmt an die ganze Diskussion (Torsten Renz, CDU: Von wem?) sehr gut noch erinnern. (Torsten Renz, CDU: Von wem denn?) Und von den Befürchtungen ist nichts eingetreten, (Torsten Renz, CDU: Nur von den LINKEN!) im Gegenteil, wir haben erreicht, (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) dass die Auszubildenden bezahlt werden, (Torsten Renz, CDU: Nur von den LINKEN! – Zuruf von Daniel Peters, CDU) anstatt Geld für die Ausbildung zu zahlen, (Daniel Peters, CDU: Bleiben Sie doch bei der Wahrheit, Herr Butzki!) dass der Praxisanteil wesentlich gesteigert wurde, dass die Ausbildungszeit auf drei Jahre verkürzt wurde, dass wir viel, viel mehr, überwiegend junge Frauen in der Ausbildung haben. (Beifall Rainer Albrecht, SPD – Zuruf von Daniel Peters, CDU) Wir haben das Problem erkannt, trotz großer Widerstände haben wir gehandelt und wir haben eine gute Lösung geschaffen. Und andere Bundesländer kopieren unser Modell jetzt, und das ist gut so. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Wenn ich Ihre persönlichen Daten richtig gelesen habe, Herr Peters, und Ihre Kindheit normal verlaufen ist, sind Sie 1988 eingeschult worden. Wissen Sie, welche Ausbildung Ihre guten Lehrer hatten, die Ihnen damals das Lesen und Schreiben beigebracht haben? Ihre Lehrerinnen und Lehrer hatten ein hervorragendes pädagogisches Studium an einem IfL. Bei uns im Bezirk Neubrandenburg war das Institut für Lehrerbildung damals in Templin. (Zurufe von Christian Brade, SPD, und Marc Reinhardt, CDU) Sie fingen ihr Studium mit 16 Jahren an, ohne Abitur, und standen schon mit 20 Jahren vor der Klasse. Und alle machen und machten einen sehr guten Job, (Sebastian Ehlers, CDU: Also wieder DDR-Schulsystem, ja?) einen sehr, sehr guten Job. Und die Kollegen, die Sie in den 90ern ... (Sebastian Ehlers, CDU: Also doch Gymnasien abschaffen?) Hören Sie einfach zu, Herr Ehlers, dann können Sie nachher noch einiges sagen und lernen! (Sebastian Ehlers, CDU: Also wieder DDR-Schulsystem, dann sagen Sie es!) Die Kollegen, die in den 90er-Jahren hier unterrichteten, hatten alle bis auf die jeweiligen Fächer die gleiche Ausbildung von 5 bis 12. In den 90er-Jahren wurden so gut wie keine Lehrer eingestellt, außer in den Mangelfächern. Und, haben Sie, Herr Peters, das Abitur geschafft und waren für das Studium vorbereitet? Und übrigens, mit Ihrer unsäglichen Kampagne beleidigen Sie Tausende Lehrerinnen und Lehrer, die im Schuldienst sind beziehungsweise waren. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zurufe von Patrick Dahlemann, SPD, und Christian Albrecht, DIE LINKE) Und übrigens mich auch! (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Einer der größeren Fehler der deutschen Einheit war, dass die positiven Erfahrungen aus DDR-Zeiten in Kita und Schule nicht genutzt wurden. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Es war Ihr CDU-Kultusminister Oswald Wutzke, (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD – Sebastian Ehlers, CDU: Ja.) der das Lehrerstudium total umkrempelte. (Zurufe von Sebastian Ehlers, CDU, Marc Reinhardt, CDU, und Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE) Fachwissen war alles (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) und Pädagogik, (Zuruf von Ann Christin von Allwörden, CDU) Didaktik und Methodik spielten eine untergeordnete Rolle. Das hat dazu geführt, (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) das hat dazu geführt, dass das Lehramtsstudium in Mecklenburg-Vorpommern aktuell ganz hinten steht, wenn es um den Anteil von Pädagogik am gesamten Lehramtsstudium Gymnasiallehramt geht. (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Es sind nämlich genau 30 Leistungspunkte. (Unruhe bei Marcel Falk, SPD) Und das müssen wir ändern und das werden wir ändern. (Glocke der Präsidentin) Alle, die mit Schule zu tun haben, bemängeln die zu hohe Fachlichkeit. Beispielsweise sind die MINT-Studienfächer da gemeint. Mathematiklehrer/-innen sitzen im Hörsaal gemeinsam mit den Mathematikern. (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Die Folgen sind hohe Abbrecherquoten und mangelnde pädagogische Vorbereitung und somit viel zu wenige Lehrerinnen und Lehrer, die an unseren Schulen ankommen. Ich will dem Gesetzentwurf nicht vorgreifen, das steht mir auch nicht zu, ich bin auch nicht Mitglied im Ausschuss, (Torsten Renz, CDU: Aber du sprichst. – Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) ich bringe aber in den ganzen Prozess, gerne meine praktischen Erfahrungen in diesen Prozess mit ein. (Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD) Für mich ist eindeutig die pädagogische Ausbildung wichtig und sie steht bei mir auch im Vordergrund. Und wir sollten uns wirklich viel mehr austauschen darüber, was ist guter Unterricht, was zeichnet einen guten Lehrer oder eine gute Lehrerin aus, (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) was müssen die Schülerinnen und Schüler am Ende einer Schulzeit können, ist das hohes Fachwissen oder ein solides Grundwissen mit soliden und guten Basiskompetenzen. Die sogenannten Soft Skills spielen eine immer größere Rolle in der heutigen Zeit. Ich habe von keinem Koalitionsmitglied gehört, dass das Gymnasium abgeschafft werden soll, einzig und allein die CDU spricht von dieser Abschaffung. (Patrick Dahlemann, SPD: Frechheit!) Wir wollen das Gymnasiallehramt stärken, (Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD) nicht abschaffen. Wir wollen es stärken. (Marc Reinhardt, CDU: Wie denn?) Und wir wollen das Lehramtsstudium reformieren. Unsere Position habe ich heute schon mehrfach dargelegt: (René Domke, FDP: Nee! Nee!) weniger Fachwissen, mehr Pädagogik. Alle wollen das, sogar die CDU, siehe Änderungsantrag, nur der Partei- und Fraktionsvorsitzende nicht, der mit aller Macht bekannter werden möchte, man hat es an den Plakaten gesehen. (Zuruf vonseiten der Fraktion der SPD: Genau! – Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Im Herbst wird es einen Gesetzentwurf geben und alle können mitdiskutieren und Sie, Herr Peters, auch. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Und letztens habe ich einen älteren, sehr bekannten Spruch gehört: (Sebastian Ehlers, CDU: Er ist ja gar nicht zuständig, hat er ja gerade gesagt.) „Wir sind die Schüler von heute, die in den Schulen von gestern“ (Julian Barlen, SPD: Er ist der schulpolitische Sprecher. – Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) „mit den Lehrern von vorgestern und Methoden aus dem Mittelalter ...“ (Glocke der Präsidentin)

Alle Reden von Andreas Butzki Protokoll ↗