Jutta Wegner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Mecklenburg-Vorpommern ist Tourismusland – was auch sonst bei der wunderschönen Landschaft mit den vielen schönen Städten hier im Land! Viele Menschen kommen gern zu uns, um ihren Urlaub hier zu verbringen. Im Jahr 2023 haben 7,6 Millionen Menschen unser Land besucht bei 32,2 Millionen Übernachtungen – das zweitbeste Tourismusjahr seit der Wende. Allein der Radtourismus wies einen Bruttoumsatz von rund 1,3 Millionen Euro auf. Man kann also von einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor für unser Land sprechen. Aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen. Schon der Titel dieser Aussprache weist darauf hin. Erst vor zwei Wochen war in einer der hiesigen Zeitungen zu lesen, dass der Nordosten mittlerweile auf Platz zwei rangiert bei den Kosten für Zeltplätze. M-V gehört also auch hier zu den teuersten Bundesländern. Und wenn ich sage, auch, dann sage ich das im Wissen, dass wir in M-V bundesweit eben auch die höchsten Preise für Hotelzimmer aufrufen, dort also sogar den ersten Platz belegen. Noch scheinen die Gäste die hohen Preise auch zu zahlen. Da gilt dann wohl das Gesetz, Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Aber viele Beobachter sind sich einig darin, dass man das Preisrad nicht überdrehen darf, sonst bleiben die Gäste ganz schnell weg, gerade dann, wenn die Qualität nicht mit den stolzen Preisen mithalten kann. Und dass hier ein Missverhältnis besteht, das empfinden viele Gäste. So ist es auch schon gesagt worden. Auf dem letzten Sparkassen-Tourismusbarometer im Herbst 23 wurde das einmal mehr klar und deutlich aufgezeigt. Demnach ist die Zufriedenheit der Gäste mit der Qualität ihrer Übernachtungsquartiere in Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor unterdurchschnittlich. Schwachstellen bleiben demnach die Zimmer und das gefühlte Preis-Leistungs-Verhältnis. Meine Damen und Herren, der Tourismus ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Mecklenburg-Vorpommern. Er sichert vielen Menschen Beschäftigung und er bringt viel Geld ins Land. Und gerade wegen seiner immensen Bedeutung ist es umso wichtiger, die Augen offen zu halten und zu schauen, wo wir uns noch weiter verbessern können. Den Tourismus als Selbstläufer zu betrachten, kann schnell nach hinten losgehen. Plötzlich laufen einem dann andere Regionen den Rang ab, Schleswig-Holstein zum Beispiel oder unsere polnischen Nachbarn. Deswegen sollte die Kritik der Gäste am Preis-Leistungs-Verhältnis ernst genommen werden, und deswegen ist es so wichtig, Qualitätsimpulse zu setzen und Investitionen zu tätigen. Hier sind natürlich alle Akteure in der Pflicht, auch das Land. Ich denke da allen voran an Mobilitätsfragen. Die Anreise mit dem Zug nach M-V ist ein Thema, wo trotz aller Bemühungen seitens der Landesregierung noch viel Luft nach oben ist. Aber auch in Sachen Radinfrastruktur sehe ich die Landesregierung in der Pflicht. Die letzten Radreiseanalysen des ADFC haben uns vor Augen geführt, M-V hat seinen Spitzenplatz in Sachen Radtouristen längst verloren. Doch Investitionen umfassen natürlich auch andere Bereiche. Offensichtliche Dinge wie die Modernisierung von Hotels oder Ferienwohnungen, seien es das Mobiliar oder der Wellness- und Fitnessbereich, gehören dazu, aber auch Dinge, die auf den ersten Blick vielleicht nicht jeder auf dem Zettel hat, fallen darunter, zum Beispiel, ob ein Hotel Ladeinfrastruktur für Gäste mit Elektroauto vorweisen kann. Wenn Gäste keine Lademöglichkeiten für ihre Elektroautos vorfinden, dann kommen sie eventuell ins Grübeln, ob sie noch mal ihren Urlaub hier verbringen werden. Auch solche Aspekte sind nicht zu unterschätzen, meine Damen und Herren. Ein weiterer Punkt sind Investitionen in Digitalisierung oder Automatisierung. Innovative Lösungen können nämlich dabei helfen, den Mangel an Arbeits- und Fachkräften abzufedern, womit ich auch beim Thema „gute Arbeitsbedingungen“ angelangt bin. Natürlich ist es im relativ personalintensiven Tourismus- und Gastronomiebereich nicht so einfach, fehlendes Personal durch Digitalisierung und Automatisierung zu ersetzen. Da haben es andere Branchen etwas leichter, das weiß ich wohl. Und es ist nicht allein mit höheren Löhnen getan, weil wir das Potenzial, das Fachkräftepotenzial einfach nicht haben. Die Menschen gehen woanders hin. Doch möglich ist es allemal. Das zeigen diverse Beispiele aus der Praxis, angefangen vom Self-Check-In bis hin zu Robotern im Hotelbetrieb. Wer kreativ ist, mutig und experimentierfreudig, der findet Möglichkeiten. (Henning Foerster, DIE LINKE: Aber wir verlieren weiter.) Der Aderlass während der Corona-Jahre war im Gastgewerbe sehr groß, das wirkt bis heute nach. Ich weiß, dass wir Leute verlieren. Gute Arbeitsbedingungen helfen natürlich, den einen oder anderen wieder zurückzugewinnen oder zumindest nicht noch mehr zu verlieren. Ein Aspekt, der in dieser Debatte manchmal zu kurz kommt, ist die Frage des Wohnraums für die Beschäftigten im Tourismus. Auch das gehört nämlich zu guten Arbeitsbedingungen dazu und ist schon gesagt worden. Ohne eine halbwegs bezahlbare Unterkunft in der Nähe meines Arbeitsortes wird es schwer, neue Mitarbeiter/- innen zu gewinnen. Deshalb müssen wir hier einen Schwerpunkt setzen, statt immer noch mehr Unterkünfte für Urlauber/-innen zu bauen. Das schafft auch Akzeptanz in der Bevölkerung und belebt Ortschaften, die in den Wintermonaten oftmals wie ausgestorben wirken. Für uns GRÜNE ist aber auch der Aspekt der Nachhaltigkeit wichtig. Das fängt an bei der Energie- und Wärmeversorgung der touristischen Betriebe und reicht bis hin zur Ladesäule auf dem Hotelparkplatz oder im Ort, damit auch die Gäste mit ihrem Elektroauto ihren Urlaub in M-V entspannt genießen können. Auch bei der Anreise ohne Auto tut sich was. Doch viele Großprojekte, zum Beispiel die Darßbahn oder die Südanbindung Usedom, werden noch Jahre brauchen, bis sie zur Verbesserung der Situation beitragen werden. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle aber auch noch einmal die Wichtigkeit der Nord-Süd-Bahn, also der Zugverbindung von Brandenburg über das Karower Kreuz nach Rostock, denn sie bietet enormes Potenzial für den Tourismus und die autofreie Anreise nach M-V. Zusammenfassend lässt sich sagen, Tourismus war immer schon ein Pfund hier in M-V, Tourismus sichert Arbeitsplätze und schafft Einkommen für viele Menschen im Land, doch die Konkurrenz schläft nicht. Darum müssen alle Beteiligten schauen, was sich wie und wo verbessern lässt. Das Positive ist, nach meinem Eindruck ist diese Erkenntnis so langsam bei allen Beteiligten angekommen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
